Inspiration im Home Office: Ein Modell des Original T 57 SC „La Voiture Noire“ ist eines von vielen Design-Highlights in Achim Anscheidts Berliner Apartment

Bugatti im Homeoffice – Chef-Designer Achim Anscheidt

 

Wie der Design-Chef im Homeoffice weiter kreativ an den Hypersportwagen arbeitet.

Lange Telefonkonferenzen und viele Stunden vor dem Bildschirm. Weit weg von außergewöhnlichen Hypersportwagen. Bugatti pausiert die Produktion seiner Fahrzeuge wie Chiron und Divo in Molsheim. Dennoch arbeiten viele Mitarbeiter weiter, nun im Homeoffice und unter Berücksichtigung der Empfehlungen der jeweiligen Behörden, internationaler Experten und Maßnahmen der Regierungen. Wie Achim Anscheidt, seit 2004 Chef-Designer von Bugatti.

Der 57-Jährige lebt mit seiner Familie in Berlin, pendelt im normalen Arbeitsleben zwischen dem französischen Molsheim und niedersächsischen Wolfsburg mit dem ICE. „Derzeit ist das natürlich nicht möglich, so dass ich meine Arbeit und das Design-Team von meinem Wohnort aus bestmöglich koordiniere“, erklärt Achim Anscheidt. Das läuft über viele Telefonkonferenzen – wie derzeit fast überall im Arbeitsleben üblich.

Frühjahrsputz: „Meine Karriere als Designer begann 1994 in der Styling-Abteilung von Porsche. Ein kleiner Teil meiner automobilen Seele blieb immer dort.“

Damit die kreative Arbeit nicht im technisierten Arbeitsalltag untergeht, nimmt sich Anscheidt aktiv Raum für kreatives Denken und Arbeiten – in seinem kleinen Atelier unter dem Dach eines Berliner Altbaus. „Es ist für mich gleichermaßen Rückzugsort und Quelle der Inspiration. Hier kann ich neue Linien ausprobieren, an Themen gedanklich arbeiten und frische Ideen entwickeln. Es ist ein warmes und lichtdurchflutetes Atelier im Dachgeschoss, in dem ich mich wohl fühle und die heutigen Herausforderungen der sozialen Distanzierung und des „Skype for Business“ gut überstehe“, erklärt Achim Anscheidt. Zumindest für eine gewisse Zeit.

Soweit möglich holt sich Achim Anscheidt derzeit Inspirationen von Menschen, die er – mit der erforderlichen Distanz – zum Gedankenaustausch trifft. Sein Berliner Bekanntenkreis besteht teilweise aus Künstlern, Musikern und Freischaffenden, die ihre kreative Arbeit in soziale Netzwerke verlegen oder auch ihr textiles Schnittatelier zur Fabrikation von Textilmasken kreativ umfunktionieren. „Jeder hat erkannt, dass es bei der Epidemie um ein höheres Gut geht. Es ist nun ein Füreinander verlangt, ohne das gesellige Miteinander und ein Bekenntnis zur mitmenschlichen Solidarität“, sagt er.

Menschlich ist auch der kreative Gestaltungsprozess. Er basiert oft grundlegend darauf, sich direkt und kontrovers mit Kollegen auszutauschen und sich damit gegenseitig zu fordern. Nicht selten eine Art „Trial and Error“-Prinzip. Es gilt, vorbehaltlos Ideen zu provozieren, auch auf die Gefahr hin, mal danebenzuliegen. „Design funktioniert nicht nach einem Excelsheet, im Gegenteil, manchmal ist es dringend notwendig, das Excelsheet in den Papierkorb zu werfen“, erklärt Anscheidt. Das sei der Punkt, wo das stille Kämmerlein zu Hause in der derzeitigen Isolation wenig förderlich wirke. „Diese Herausforderung via „Skype for Business“ zu bewältigen, verlangt uns viel ab“, ist er sich sicher.

Die Fahrt zum Supermarkt: „Um mich daran zu erinnern, wie es sich anfühlt … mein privates Gefährt, 911 SC, 820 KG, so pur und minimal, wie es nur geht.“

Für das Modellieren und Verwirklichen virtueller Studien mit der exakten Linienführung und Proportionen ist bei Bugatti neben dem ständigen Diskurs zwischen den Designern auch die Technik entscheidend – und das aufwändige 3-D-Visualisierungsequipment steht stationär im verlassenen Designstudio. „Wir arbeiten mit Hochdruck am Design aktueller und künftiger BUGATTI Fahrzeuge, können aber derzeit nicht auf die hocheffizienten virtuellen Brillen zurückgreifen – eine Herausforderung zur Evaluierung von VR-Modellen. Daher machen wir uns täglich Gedanken, wie wir auch mit diesem Handicap unsere Arbeit zielgerichtet leisten können“, erklärt Anscheidt.

Privater Sundowner: „Das bevorzugte Ende eines Home-Office-Tages ist, die letzten Sonnenstrahlen des Tages in meiner Alpenhütte (das Ergebnis von Upcycling) auf der Dachterrasse zu genießen.“

In einer kleinen und lichtdurchfluteten Holzhütte auf dem Dach seines Hauses erfreut sich Achim Anscheidt abends an den letzten Sonnenstrahlen. „Auch wenn es im April zeitweise noch kühl ist, genieße ich hier oben den Abend“, sagt er. Mit seinem restaurierten und speziell umgebauten historischen Porsche 911 fährt er derzeit selten. Ein historischer Bugatti Type 35 aus den 1920er-Jahren wartet zwar wegen fehlender Teile weiter auf die Restaurierung im Keller, dafür widmet sich Anscheidt so lange in seiner kleinen Fahrradwerkstatt vernachlässigten Fahrrädern, die er auf Flohmärkten erstanden hat, um sie nach etwas Fürsorge an seine Freunde zu verschenken. „Im innerstädtischen Berlin darf ruhig noch etwas mehr Fahrrad gefahren werden“, sagt Anscheidt mit einem Augenzwinkern. Vielleicht bald wieder mit weniger Abstand zueinander als im Moment.

Freizeitvergnügen: „Ich kaufe gern vernachlässigte Fahrräder auf Flohmärkten, um sie in meiner Freizeit zu restaurieren. Nach getaner Arbeit schenke ich sie Freunden oder der Familie.“

Molsheim 22. April 2020

 

 

Bugatti Automobiles S.A.S.

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