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Zippo – kultig & wertig

Zwei Begriffe – Kult und Wert – die eigentlich schon das Wesentliche aussagen über dieses Rauchwaren-Anzünd-Instrument, das 1932 in Bradford, Pennsylvania USA, der Bühne der Weltöffentlichkeit zwecks Erwerb und Nutzen zum ersten Mal feilgeboten wurde.

 

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Zippo, eine Legende mit dem Aufdruck einer anderen Legende: Harley-Davidson

An einem recht windigen Sommerabend sah der technikaffine George G. Blaisdell, wie sich sein Bekannter eine Zigarette mit einem – in seinen Augen gewöhnungsbedürftigen – österreichischen Sturmfeuerzeug seine Zigarette anzündete. Er erkannte mit seinem geschulten Auge, dass die Funktionalität und die ästhetische Gestaltung einer Verbesserung bedurfte. Rechteckige Formensprache mit einem Scharnier zum Öffnen des oberen Gehäusedeckels. Das waren die Bausteine seiner Überlegungen. Bei der Namensgebung orientierte sich Blaisdell an einer damals bahnbrechenden Erfindung, dem Reißverschluss „Zipper“. Und wie bei allen Fahrzeugen mit einem Verbrennungsmotor deren Gebrauch wir uns täglich bedienen, benötigt auch dieses Sturmfeuerzeug zum Funktionieren etwas Elementares: Benzin. Kein Benzin von der Zapfsäule, sondern Feuerzeugbenzin und ab und zu muss der Feuerstein gegen einen neuen ersetzt werden.

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Nach dem Anheben der filzähnlichen Schicht wird das Zippo mit Feuerzeugbenzin befüllt

Bis 1938 gab es noch zahlreiche Verbesserungen an diesem Sturmfeuerzeug und ab diesem Jahr präsentiert sich das Innenleben so, wie es auch heute noch hergestellt wird. Getreu dem Motto: Warum soll oder muss man etwas Brillantes verschlimmbessern, wie es heutzutage Usus zu sein scheint? Die Außenhülle wurde in diesen Jahren in den unterschiedlichsten Designs angeboten, aber auch hier blieb die Form immer gleich.

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Die wesentlichen Bestandteile des Sturmfeuerzeuges

56,9 mm hoch, 38,5 mm breit (ohne die Scharnierauswölbung) und 12,7 mm tief, das sind die Abmessungen der hier gezeigten Zippos. Mit 58 gewogenen Gramm hat es für uns ein ideales Gewicht, da es sich für den Benutzer als wertiger Gegenstand anfühlt, wenn er es in der Hand hält. Es ist auch für sehr viele Firmen zu einem Marketinginstrument geworden, da die Außenhülle individuell in den unterschiedlichsten Varianten – der Markenidentität entsprechend gestaltet – geordert werden kann.

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Ein Sammlerstück das anlässlich des 95-jährigen Jubiläums von Harley-Davidson 1998 auf den Markt kam

Einige Konstruktions-Details:

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Das Zündrad, das etwa 73.000 Zündvorgänge schadlos überstehen soll

Der Docht wird von einem gelochten, metallenen Windschutz umhüllt. Das Zündrad, das durch die schnelle Drehung des Daumens auf dem Zündstein den elementaren Funken für die Entzündung erzeugt, soll an die 73.000 Zündvorgänge schadlos überstehen, so wird es zumindest überliefert. Dies ist wohl u.a. ein Grund dafür, dass Zippo auf alle Feuerzeuge eine lebenslange Garantie zusichert. Aber da das in Deutschland durch die Gesetzgebung nicht zulässig ist, wurde die Garantiebeschränkung auf 30 Jahre limitiert. Wenn man es aber nach Amerika in das Herstellerwerk sendet, wird es anstandslos repariert und die Funktionstüchtigkeit wieder hergestellt. Das bezieht sich nur auf die mechanische Funktionalität, der rein optische Gesichtspunkt ist hierbei ausgeschlossen.

 

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Die eindeutige Nomenklatur (hier: „K“ und „IX“) mit der sich eindeutig feststellen lässt, wann das Zippo hergestellt wurde

Im Jahre 1957 wurde eine Kennzeichnung entwickelt, bei der es sich eindeutig feststellen lässt, in welchem Jahr ein Zippo hergestellt wurde. Dies hatte für das Unternehmen eigentlich einen ganz profanen Grund, denn es diente ursprünglich ganz einfach als Qualitätskontrolle. Das weit interessantere Merkmal ist, dass es für die Sammler ein untrügliches und unverrückbares Merkmal ist, wann es hergestellt wurde. 1986 wurde die Nomenklatur verfeinert, ab jetzt konnte auch der Herstellungsmonat entschlüsselt werden.

 

 

… wer hat es nicht schon einmal gehört? Das typische „Klack“, wenn mit dem Daumen das Gehäuseoberteil in die Schließposition zurück schnappt.

Zippo – ein zur Legende gewordener Gebrauchsgegenstand, der im Laufe seiner Herstellungszeit bis heute in einer hohen 3-stelligen Millionenzahl produziert wurde.

 

Angebotssituation

Das Zippo gibt es auch heute noch zu Preisen ab etwa 40 Euro neu zu kaufen, für limitierte Stücke muss man aber tiefer in die Tasche greifen. Dass sich ein sammelwütiger Kreis an Liebhabern dieses Sturmfeuerzeugs in den letzten Jahrzehnten gebildet hat, zeigt sich daran, dass sehr seltene Zippos deutlich im 6-stelligen Bereich gehandelt werden.

Aber, wo viel Licht, da auch viel Schatten. In den letzten Jahren kommen vermehrt Plagiate auf den Markt, sie zeichnen sich durch einen deutlich geringeren Verkaufspreis aus und da heißt es kategorisch: Finger weg!

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Das schon etwas in die Jahre gekommene linke Zippo begleitet seinen Besitzer schon jahrzehntelang

KLASSIK Lust Profil

Das Zippo ist solide, nahezu unzerstörbar und ihre Flamme ist windresistent. Auch für Nichtanhänger des Rauchgenusses ist es ein nostalgisches, aber cooles Lifestyleprodukt, das die Bezeichnung kultig und wertig verdient hat und das im Laufe der Jahrzehnte zur Legende und zu einem Designklassiker geworden ist.

 

 

Text & Fotos: Ulrich Bänsch

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