Volvo – die Kult-Kombis

Den Kombinationskraftwagen des schwedischen Automobilherstellers Volvo eilt seit Jahrzehnten ein Ruf wie Donnerhall voraus: Robust, langlebig, sicher, Platz ohne Ende und nahezu unkaputtbar.

Ganz hoch im Norden, wo lange und strenge Winter vorherrschen, gepaart mit den endlosen skandinavischen Winternächten; wo knisternde Kaminfeuer wohlige Wärme erzeugen und dicke Wollpullover zum Alltag gehören – dort oben können nur Automobile gebaut werden, deren Zuverlässigkeit legendär geworden ist.

Und diese Fahrzeuge sind noch eines geworden: KULT

 

Der Imagewandel des Kombis

Bis in die 70er/80er Jahre des letzten Jahrhunderts war das Synonym für die Volvo-Kombinationskraftwagen: Handwerker-Automobile. Praktische Fahrzeuge mit großer Ladefläche, die bevorzugt von Bäckern oder Metzgern gefahren wurden – ein Lastesel, mit dem  viele Handwerker täglich im Einsatz waren. Aus welchem Grund wohl ? Ganz einfach, weil sie einen hohen Nutzwert besaßen. Einerseits handlich wie ein üblicher PKW, andrerseits mit einem Zusatznutzen ausgestattet, der da hieß Laderaum. Erst in den letzten Jahrzehnten fanden sie breite Beachtung als sinnvolles und trendiges Lifestyle-Gefährt, bevor sie – von den heute allseits beliebten – SUV´s abgelöst wurden. Die Marketing- und Werbeindustrie trug ihr nötiges Scherflein dazu bei, dass die „Kombis“ auf der Beliebtheitsskala bei den Käufern deutlich nach oben kletterten. So ein Kombi ist eine feine Sache; er sieht – meist – fesch aus; unter der Woche fungiert er als Dienstwagen oder als Vielzweckgerät für diverse Familientransporte, am Wochenende macht er sich nützlich beim Familiengroßeinkauf und als Transportgefährt für allerlei voluminöse Sport- und Freizeitgerätschaften. Ganz zu schweigen davon, was man auf Urlaubsreisen alles darin unterzubringen vermag… Auf jeden Fall mehr als in einer Limousine.

Bei Volvo setzte die Trendwende vom wenig attraktiven Lastesel zum schicken – beinahe großfamilientauglichen – Lifestylegefährt mit dem P220 in den 60er Jahren ein, als dieses Modell parallel zum P210 angeboten wurde. Beim P220 wurden US-amerikanische Designelemente behutsam skandinavisch in der Volvo-Designsprache interpretiert; es war der erste Familienkombi Volvos, der sich deutlich vom Charme eines Nutzfahrzeugs abhob. Und dieses Automobil wurde in der Käufergunst höchst beliebt. Volvo war in diesem Automobilsegment ein Vorreiter, erst viel später sprangen die großen Automobilhersteller auf den Zug der Kombis auf und propagierten diese als vielseitig nutzbare Lifestyle-Laster.

 

Menschen

Volvo-Kombis wurden in Mitteleuropa über viele Jahre mit dem Image belegt, dass sie vorwiegend  von schwarze Rollkragenpullover tragenden Architekten und Freigeistern gefahren werden, die es lieber vermieden, mit Statussymbolen ihre geistige Vorherrschaft und ihr Wissen öffentlich auf den Straßen zur Schau zu stellen und ihren Erfolg exhibitionistisch nach außen zu tragen. Diese Menschen –  sie waren Nonkonformisten. Das nordisch kühle und schlichte Design legt keinen gesteigerten Wert auf extravagante Äußerlichkeiten – auf das Innere kommt es an. Die Volvoianer huldigten einem recht skandinavisch orientierten, grünen und ökologischen Lebensstil, lange bevor das Natur- und Umweltbewusstsein hip wurde.

Der typische Volvo-Fahrer möchte ein klassenloses Automobil bewegen und zwar ohne Standesdünkel. Meist ist es der bereits zitierte Architekt, oder es sind Intelektuelle, Künstler – auch Lebenskünstler -, Wissenschaftler, Liebhaber nordischen Designs, Avantgardisten, Individualisten, Modedesigner, Designer im Allgemeinen, Liebhaber der schönen Künste – sei es der Musik, der Malerei, der Literatur usw. – sprich Menschen, die nicht unbedingt das klassische Statussymbol Automobil bevorzugen. Menschen, die im Wohnzimmer oder in ihren Büros einen Eiermann-Tisch stehen haben, die eine Affinität zur Bauhaus-Architektur haben – man kann sagen: Es sind Schöngeister. Menschen, die ästhetischen Werten und werthaltigen Gegenständen zugetan sind. Sie präferieren Leicas oder Hasselblads für lichtbildnerische Aufnahmen und geben sich dem Hörgenuss einer hochwertigen Stereoanlage, aus der klassische Musik ertönt, genussvoll hin. Es sind Menschen, die hochwertige Dinge zu schätzen wissen und eine gewisse Affinität zu Retro- und Vintage-Objekten zeigen. Warum hält sich das Gerücht, dass gerade Volvo-Kombis immer so gerne mit einem Architekten-Automobil assoziiert werden? Vielleicht liegt es daran, dass sich auf dieser – für einen Kombinationskraftwagen schier gigantischen Ladefläche – die großflächigen Architekturmodelle bequem unterbringen ließen. So halten sich zumindest recht hartnäckig die Gerüchte.

Bei diesem Volvo 850 Baujahr 1996 sieht man sehr deutlich, dass selbst bei nicht umgeklappter Rücksitzbank die Ladekapazität ausgesprochen voluminös ist

Volvofahrer sind, wie man sieht, keine Asketen, sondern Genussmenschen, die den schönen Dingen des Lebens nicht abgeneigt sind. Sie sind distinguiert, lebensfroh und -offen, sowie betont lebensfreundlich. In gewisser Weise sind es  ausgewiesene Pragmatiker, welche die Vorteile eines Volvo-Kombis zu schätzen wissen. Der Großeinkauf bei Ikea lässt sich genauso gut und bequem transportieren, wie die Nahrungsmittel vom Bio-Bauern. Ebenso die erworbenen Schätze vom Geheimtipp-Antiquitätenhändler oder dem hippen Designerladen in der Stadt. Im Prinzip sind die Kombifahrer typische Landlust-Leser und Manufaktum-Kunden. Menschen, die gerne sich mit edlen und hochwertigen Dingen umgeben und diesen Lebensstil auch pflegen. Da ist ein Volvo-Kombi wie eine Ritterburg, ein sicheres Domizil.

Volvo 145 – da geht ordentlich was rein

Eines darf man den eingefleischten Volvoeignern jedoch nie abspenstig machen: Der Natur- und Umweltgedanke spielt bei ihnen eine nicht unerhebliche Rolle. Eines der schlagkräftigsten Argumente für die Volvos war ihr ökologischer Nutzen, weil sie locker mittlere 6-stellige Laufleistungen erreichen, rostunempfindlich sind und nahezu ewig halten – also ressourcenschonend sind. Chapeau!

Fragt man im Bekanntenkreis einen Menschen, was ihm zu Schweden spontan einfällt? Dann assoziiert – fast – jeder: Ikea, Abba und Volvo… perfekte Markenbotschafter, wenn es um das skandinavische Land hoch im Norden Europas geht. Heute kommt vielleicht noch das gern zitierte Wort „Hygge“ dazu. Die sinnbildliche Umschreibung für ein unsagbares Wohlgefühl, Entschleunigung, wenn man wohlige, angenehme Gemütlichkeit beschreiben möchte. Eigentlich kommt sie häufig in Dänemark vor, wir dürfen diesen Begriff „Hygge“ geografisch schon ein bisschen großzügiger interpretieren. Draußen ist es bitterkalt, das Feuer im Kamin knistert  in der behaglichen Wohnstube, man ist in eine warme Decke gehüllt und schlürft genüsslich seinen heißen Tee.

 

Design & Charakter – Klare Kante

 

Klare Kante: Die Illustration des Volvo 850 des Jahres 1993 zeigt die schnörkellose Formgebung des Blechkleides

Kasten, Ecken und Kanten – wie eine Schuhschachtel. Sollen Kinder auf ein leeres Blatt Papier einen Kombi zeichnen oder malen, so kommt bei nahezu 100 % der künstlerischen Aktivitäten des Nachwuchses eine Form heraus, die dem eines Kombinationskraftwagens von Volvo sehr ähnlich sieht. Volvo verkörperte über mehrere Jahrzehnte eine Formensprache, die zwei zusammengesetzten Kanthölzern unterschiedlicher Länge ähnelt. Die klaren geraden Linien der Karosserie – und der weitgehende Verzicht auf Design-Gimmicks – brachten den entscheidenden Vorteil eines überaus stattlichen Transportraums. Dank dieser simplen, einfachen Formgebung waren (und sind) sie echte Raumwunder, denn der Fahrer hatte vor allem Eins im Sinn: Das Transportgefährt musste praktisch und funktionsfreundlich sein. In gewisser Weise ist (und war) er der perfekte Lifestyle-Laster mit optimaler Ausnutzung der Karosseriegestaltung  und Formensprache, um den sehr geräumigen Laderaum zu ermöglichen. Die Automobilhülle wurde räumlich perfekt genutzt.

Vom Heck bis zur B-Säule reicht der Laderaum bei dem hier abgebildeten Volvo 240 GL des Baujahrs 1993, wenn die Rücksitzbank umgeklappt ist. Da brauchts keine große Phantasie, was da alles reinpasst

Bei den Modellen bis Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts  waren die Leistungsabgaben etwas behäbiger Natur und ohne den Anspruch des Fahrers, ein Autobahn-linke-Spur-Held – also eine „Bolzgranate“ – zu sein. Man mochte es etwas gemütlicher. Ans Ziel kommt man auch, wenn´s halt fünf Minuten länger dauert, getreu dem Motto: Zeit ist relativ. Ein Volvo drückt den Charakter und die Lebenseinstellung seines Fahrers und der Insassen wohl besonders gut aus. Eine Automarke, die keine sozialen Grenzen kennt. Ein Raumwunder, in der eine Familie mit ihren Kindern adäquat auf Reisen gehen kann und ohne die Gefahr, dass das Lieblingsspielzeug des Nachwuchses keinen Platz in der Transporthalle mehr finden könnte. Die Bauhausarchitektur und die „Kanthölzer“, da gibt es höchst interessante Parallelen! Klare Linien und Strukturen, simpel, aber höchst innovativ und wunderschön anzusehen.  Dann, ab den 1970er Jahren wurde mit jedem Modellwechsel leistungsmäßig eine Schippe draufgelegt. Die Behäbigkeit wurde abgelegt und mit dem 265er gab es einen 6-Zylinder unter der Motorhaube zu erwerben.

1994 mischte Jan Lammers mit solch spektakulären Auftritten und diesem Volvo 850 Racing die BTCC (British Touring Car Championship) die britische Tourenwagenszene auf. Rennsport vom Feinsten; da wurde den Zuschauern eine eindrucksvolle Vorführung fahrerischen Könnens geboten

Das Beste: Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts preschte ein Volvo KOMBI – der 850er Racing – durch die britische Tourenwagenmeisterschaft BTCC (British Touring Car Championship)! Der Gigant pflügte durch das etablierte Teilnehmerfeld wie ein Berserker. Spektakulär die Rangeleien, als sich das Monstrum über die Rennstrecken wälzte – das war Tourenwagensport vom Feinsten, als noch keine Rechenzentren bestimmten, wo es lang geht. Da war noch das Können des Fahrers am Volant in höchster Potenz gefragt. Und: Der Erfolg kam, als 1994 Jan Lammers und Ryckard Rydell beachtliche Erfolge erzielten. Sie waren mit dem Exoten die Publikumslieblinge auf der Rennstrecke und Volvo bekam das, was beabsichtigt war: Aufmerksamkeit.

Wo die Volvo-Kombis auftauchten, da blieb kein Auge trocken und die Konkurrenten waren gut beraten, das Weite zu suchen

Diese an Kanthölzer erinnernden Kombinationskraftwagen sind alles andere als hässlich. Sie verkörpern den Anspruch nordischen Designs in perfekter Symbiose von Ästhetik und maximalem Nutzen. Sie machen bei jedwedem Einsatz eine gute Figur – im Wald, auf dem Land, vor der Oper, vor dem teuren Gourmettempel, auf einem Campingplatz, dem 5-Sterne Hotelresort – mal eben aufs Land fahren oder en passant den halben Umzug der Sprösslinge bewältigen. Die Volvo-Kombis sind Automobile ohne jeglichen Standesdünkel. Sie stehen vor Luxusvillen, einem Cottage, vor einer WG, wo sie für die Bewohner als zweckmäßige Lastesel auch nach einer halben Million Kilometer auf der Uhr noch immer zuverlässig in Gebrauch sind. Betrachten Sie doch bitte das Heck, welches über mehrere Jahrzehnte hinweg nahezu die gleiche Formensprache bietet. Einfach, mit sachlicher Klarheit und fast geradlinig.

Der Volvo 850 GLT Kombi des Baujahres 1993 gibt vor diesem ehrwürdigen Gebäude eine perfekte Figur ab. Die Abendgesellschaft reiste adäquat an

Volvo Kombis waren und sind charakterstarke Automobile. Authentisch und charismatisch; gepaart mit schlichter Eleganz – man ist geneigt zu sagen: Wie deren Fahrer. Durch die klare und mitunter auch strenge Formensprache erscheinen sie wie leicht ins Abstrakte gehende Skulpturen. Das Design verkörpert schlichte Schönheit gepaart mit kühler Vornehmheit, wie alter Automobiladel mit einem Touch von Unvergänglichkeit. Zeitlos und doch skulptural; massig und doch mit filigraner Anmutung.

In den Volvo 245 Turbo des Jahres 1982 passen die Einkäufe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit locker hinein

Volvo war schon immer Protagonist, wenn es um die Themenkreise Funktionalität, Sicherheit und Komfort geht. Die sprichwörtliche Robustheit eines Panzers kommt nicht von ungefähr, so der automobile Volksmund.

Dass den Volvo-Automobilen nachgesagt wird, ihre Rostanfälligkeit beschränkt sich auf ein absolut minimales Maß, zeugt von der Nachhaltigkeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes. Eine sprichwörtlich lange Lebensdauer des Motors und seiner Nebenaggregate unterstreicht das ökologische Bewusstsein – und das schon vor Jahrzehnten, als unser Umweltbewusstsein noch in den Kinderschuhen steckte und viele Konzernlenker noch nicht einmal  wussten, wie man dieses Wort buchstabiert. Dem sagenumwobenen Schwedenstahl und seiner Erbauer sei Dank.

Nicht unbedingt schön, jedoch zweckmäßig, nüchtern, aufgeräumt und sinnvoll ergonomisch angeordnet. Die Armaturenbrettlandschaft eines Volvo 760 GLE von 1985…

Dem Interieur konnte nicht unbedingt ein wohnliches Ambiente mit opulenter Wurzelholzausstattung und luxuriöser schwülstiger Lederausstattung unterstellt werden. Es war auf Ergonomie in nordisch kühler und sachlicher Funktionalität ausgerichtet. Nicht verspielt und auch nicht unattraktiv. Nicht feurig begehrenswert heißblütig, sondern konservativ, auf Langlebigkeit und Robustheit ausgelegt. Zweckmäßiges, nüchternes Interieur ohne überflüssigen Schnickschnack. Herrlich, wie die Schalter und Bedienungselemente hörbar satt einrasten – und das auch noch nach jahrzehntlangem Gebrauch. „Das hebt“!

… 1993 wurde das Cockpit bei diesem 850er schon wohnlicher

Die Volvos ab den 70er Jahren sind – aus dem heutigen Blickwinkel betrachtet – von einem frischen, attraktiven Äußeren geprägt. Selbst Jahrzehnte nach deren Produktionseinstellung altern sie optisch so gut wie nicht und sind in keiner Weise modisch verwelkt. Sie sind heute immer noch adrett anzusehen und der Betrachter vermutet in hundert kalten Wintern nicht, das sie das oldtimerfähige Alter schon lange erreicht haben.

Den Volvo zeichnet der hohe Wiedererkennungswert aus, denn das Erscheinungsbild der Front blieb mehr oder minder immer gleich; von gewissen Nuancen einmal abgesehen. Viele Automobilhersteller „verwaschen“ heute die einmalige Ästhetik ihrer Vorfahren und so kommt es immer öfter vor, dass man das Automobil X des Herstellers Y fast nicht von dem Fahrzeug Z des Herstellers W unterscheiden kann. Es fehlt die typische Charakteristik, die Eigendynamik der Marke, das Einzigartige und somit Begehrenswerte. Es wird alles irgendwie immer ähnlicher und konformer – so wie wir Menschen immer abgestumpfter, kritikloser und angepasster erzogen werden.

Blickt der geneigte Betrachter einem Volvo von vorne direkt in sein Antlitz: Es ist ein klares, offenes und ehrliches Gesicht. Zeitlos schön – eben eine Design-Ikone. Einen Volvo erkennt man immer.

Ein ehrlich offenes Gesicht dieses Volvo 760 GLE aus dem Baujahr 1987. Können diese Augen lügen? Nein

Eine hohe Kontinuität ohne große und spektakuläre Designexperimente; die Künstler der Formgebung sind sich der Gestaltungswerte und des Erbes von Volvo bewusst und bewahren dies entsprechend sorgsam mit offenbar geschichtlichem Verantwortungsbewusstsein.

Gerade Linien ohne übertrieben gezeichnete und progressive Rundungen und Designer, die sich nicht dem alten Designerspruch hingeben, der da lautet: „Wenn der Designer nicht mehr weiter weiß, dann macht er eine Sicke rein…“. So darf der Volvo er selbst bleiben, ihm blieben bislang unnötige Schnörkel und gestalterische Verschlimmbesserungen von Karosserie-Formgebern, die sich unbedingt profilieren wollen, erspart. Bravo und weiter so!

Familienidylle vor einer zeitgenössischen Villa in den 70er Jahren. Links ein Volvo 144 und rechts der 145 (Kombi)

 

Klassik Lust-Profil

Was angesichts der unschätzbaren Vorteile, die ein Volvo-Kombi zu bieten hat, nicht verwunderlich erscheint ist, dass der 1927 gegründete schwedische Automobilhersteller mehr Kombis als Limousinen verkaufte.

Mittlere 6-stellige Laufleistungen gehören bei Volvo-Fahrzeugen fast schon zum guten Ton und zeugen von deren Wertbeständigkeit. Ein Blick in die einschlägigen Internetverkaufsportale zeigt deutlich auf, dass sie – wohl dadurch – einen relativ hohen Wiederverkaufswert haben.

Die typisch schwedische Robustheit, die einen fast schon sorgenfreien Fahrspaß vermittelt, ein hohes Maß an Komfort und aktiver sowie passiver Sicherheit zeichnen die Volvos auch nach Jahrzehnten noch aus. Scheckheftgepflegt sollten die Automobile schon sein, wenn man den Kauf eines Volvo-Kombinationskraftwagens in Betracht zieht. Vielleicht kann schon ein Oldtimer ergattert werden, was bei der Langlebigkeit keine Seltenheit ist. Unter optischen Alterungserscheinungen leidet ohnehin kein Volvo, sie sind mit zeitloser Schönheit gesegnet. Mit allen Generationen der Volvo-Kombis haben sich die Formengestalter in der jeweiligen Epoche ein Denkmal im Automobilbau gesetzt. Und sie besitzen das, was einen Kombinationskraftwagen eigentlich auszeichnen sollte: Einen herrlich großzügigen, für alle Eventualitäten geeigneten Laderaum.

Dank des sehr großen Ladeabteils lassen sich die umfangreich benötigten Wassersport-Utensilien in diesem 145er des Jahres 1972 locker transportieren

 


Die Nomenklatur der Typenbezeichnungen bei den Volvos der Vergangenheit waren für einen Nichtinsider oftmals verwirrend. Ohne intensives Aktenstudium und einen tiefgreifenden Blick in die Archivalien blickt ein Außenstehender nicht leicht durch. Es gab zwar keine inflationäre Anzahl an Modellen, aber die Typenbezeichnungen veränderten sich sogar schon bei Facelifts.

Wir haben für die Volvo Kombis versucht, Licht in das Dunkel zu bringen:

 

Die Meilensteine der Kombinationskraftwagen von Volvo

Volvo Duett

Bei dem 1953 eingeführten Volvo Duett war der Name Programm. Er verkörperte die Philosophie, „zwei Fahrzeuge in einem“ anzubieten: eins für die Arbeit und eins für die Freizeit. Dadurch entwickelte sich der Kombi zum bis dato erfolgreichsten Volvo und zum globalen Verkaufsschlager, denn der Volvo Duett wurde als erstes Modell der Marke in die USA exportiert. Fast drei Jahrzehnte nach Produktionsende, im Jahr 1997, bekam der Pionier in Schweden sogar eine eigene Briefmarke.

 

PV445 Duett

ab 1953

Volvo PV445 Baujahr 1959

 

P210 Duett

1960 – 1969

P210 Duett

Parallel wird der PV445 Duett weiterproduziert

 

Volvo Amazon

P220 Amazon Estate

1962 – 1969

Wurde parallel zum P210 Duett gebaut. Inspiriert vom US-Design der Kombis war er der erste Familienkombi und entfernte sich stilistisch vom Nutzfahrzeugcharme.

Auf den Volvo Duett folgte 1962 der Volvo Amazon. Er war nicht nur deutlich eleganter als sein Vorgänger, der seine Wurzeln im Segment der Lieferwagen hatte, sondern überzeugte auch mit einem größeren Kofferraum.

P220 Amazon Kombi 1968

 

P220 Amazon Kombi 1965

 

Volvo 145

1967 – 1974 (war die 3. Variante innerhalb der 140er Baureihe)

Ende November 1967 wurde die Volvo 140-Baureihe durch die Einführung einer dritten Variante komplettiert: den Kombi Volvo 145. Seine klar konturierte, kantige Heckgestaltung wurde zum Erkennungsmerkmal aller Volvo Kombis. Der Volvo 145 erfreute sich schnell außergewöhnlicher Beliebtheit und auch innerhalb der Baureihe spielte er eine zunehmend bedeutende Rolle.

Volvo 145

 

Volvo 1800 ES „Schneewittchensarg“

1971 – 1973

Der wegen seiner großen Glashecklappe von der Presse liebevoll „Schneewittchensarg“ genannte Volvo 1800 ES gilt als der Urvater moderner Shooting Brakes. Dabei war das im Herbst 1971 eingeführte Modell eigentlich eine Weiterentwicklung des Kult-Coupés Volvo 1800. Der Sportkombi überzeugte dennoch mit viel Platz – nicht nur für die große Golfausrüstung.

Aufgrund neuer Sicherheitsvorschriften wurde der Volvo 1800 ES nach 8.000 gebauten Fahrzeugen wieder eingestellt. Trotz oder gerade wegen dieser kleinen Stückzahl mutierte der Kombi zu einem der meistgefragten Volvo Klassiker aller Zeiten.

1800 ES Schneewittchensarg 1973

 

Volvo 245 *

1974 – 1993

1974 stellte Volvo eine ganz neue Automobilgeneration vor: Die 240er und 260er Baureihen. Sie gingen aus der 140er Serie hervor.

1974 wurde das Vorbild heutiger Volvo Kombis eingeführt: der Volvo 245 – ein Modell, das bis heute eng mit der Marke verbunden wird. Die Ziffernfolge steht für vier Zylinder und fünf Türen. Das geräumige Modell wurde fast 20 Jahre lang, bis 1993, gebaut und setzte in dieser Zeit regelmäßig Maßstäbe: Dank Turboaufladung und 113 kW (154 PS), mit denen das Fahrzeug in 8,9 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigte, war der Volvo 245 seinerzeit der schnellste Kombi der Welt. Eine besonders exklusive Variante stellte der Volvo 265 dar, der mit einem Sechszylinder unter der Motorhaube vorfuhr.

Volvo 245 Baujahr 1975

 

Volvo 265 **

1975 – 1985

Zum ersten Mal gab es bei Volvo einen 6-Zylinder

265 GLE 1980

 

Volvo 240 Kombi *

1983 – 1993

Ab 1983 wurden bei Volvo neue Typenbezeichnungen eingeführt:

statt 242, 244 und 245 (diese entfielen), hießen sie fortan 240

Volvo 240 des Jahres 1983

 

Volvo 260 Kombi **

1983 – 1985

Im Jahr 1983 gab es bei den Modellbezeichnungen eine neue Strategie: Aus dem 265 wurde der 260

 

Volvo 760 Kombi

1985 – 1990

6-Zylinder Kombis, die optional auch mit 4-Zylinder-Motoren erhältlich waren. Die 760er waren „eine der gediegensten Kombinationskraftwaren der Welt“.

Volvo 760 GLE Kombi Baujahr 1986

 

Volvo 740 Kombi

1985 – 1992

4-Zylinder-Variante des 760er. Optional erhältlich auch mit 6-Zylinder-Motoren

740 GL

 

Volvo 940 Kombi

1990 – 1998

Ersetzt den Volvo 740. Der Volvo 940 Kombi ist automobilhistorisch betrachtet in einer direkten Traditionslinie mit dem Volvo Duett, P220 Amazon, 145, 245/240 Kombi und dem 740 Kombi.

Volvo 940 1995

 

Volvo 960 Kombi ***

1990 – 1997

Weiterentwicklung der 700er Baureihe. Der 960 Kombi hatte eine Ladekapazität bei umgeklappter Rückbank von 2.125 Litern!

1996 wurde der 960 Kombi in V90 umbenannt.

Volvo 960 Kombi Baujahr 1995

 

Volvo 850 Kombi

1993 – 1996

Erstes Serien-Kfz mit Seitenairbags.

Volvo 850 Kombi Baujahr 1996

 

Volvo V40

1995 – 2004

Kompaktkombi

Volvo V40 des Jahres 2002

 

Volvo V70

1996 – 2000

Weiterentwicklung des Volvo 850 mit weicheren Formen. Das Volvo-typische Heckdesign mit seinen fast senkrecht abschließendem Heck blieb weiter als Identifikationsmerkmal erhalten.

Volvo V70

Volvo V70 XC und später als XC70

1997 – 2000

Die Allradvariante des Volvo V70

V70 XC Baujahr 1999

 

Volvo V90 ***

1997 – 1998

Nachfolger des Volvo 960 Kombi

Volvo V90 Baujahr 1997

 

Volvo V50

2003 – 2012

ersetzt den Volvo V40

Volvo V50

 

Volvo XC70

1997 – 2016

ab 1997 hieß die Allradvariante des Volvo V70: ab 1997 V70 XC, ab Mitte 2003 mit dem Facelift XC70

Volvo XC70

 

Infokasten

Volvo wurde 1927 in Göteborg gegründet

P145: 2. Zahl = Zylinderzahl

  1. Zahl = Anzahl der Türen – 5 = 5-Türer = Kombi

960: 2. Zahl = Anzahl der Zylinder, in diesem Fall 6 Zylinder

940: 4 Zylinder

245: 4 Zylinder, 5-Türer = Kombi

S: Sedan = Limousine

V: Versatility (=Vielseitigkeit) = Kombi

Volvo: lat. „ich rolle“

 

 

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Volvo Car Group

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