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Überfülle oder Minimalismus?

„Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

Diese Feststellung von Wilhelm Busch stammt aus dem Gedicht Niemals:

 

Wonach du sehnlich ausgeschaut,

es wurde dir beschieden.

Du triumphierst und jubelst laut;

Jetzt hab ich endlich Frieden!

 

Ach, Freundchen, rede nicht so wild,

bezähme deine Zunge!

Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,

kriegt augenblicklich Junge.

 

Unsere Ahnen streiften als Jäger und Sammler durch Wald und Flur – diese Verhaltensweise hat sich bis in die Jetztzeit herübergerettet, wenn es auch nicht mehr um das Überleben der Sippe geht, sondern um Befriedigung der uns innewohnenden Sehnsucht nach Erfüllung.

Beharrlich sind wir auf der Jagd und auf der Suche nach dem Objekt unserer Begierde und es stellt sich – zumindest kurzzeitig – ein Gefühl des Glücks und der Zufriedenheit ein, wenn wir es erwerben konnten und in Händen halten. Das gute Stück wird dann auch sogleich in die schon bestehende Sammlung an Devotionalien integriert. Doch es währt nicht lange und schon ist der geneigte Jäger und Sammler wieder auf der Pirsch nach einem neuen, ihm sammelwürdig scheinenden Ding. Die Fülle an Gegenständen wird immer größer und die einzelnen Exponate, über die man sich so gefreut hat bei deren Erwerb, geraten bezüglich der Zuneigung ins Abseits und irgendwann aus dem Blick, da ja erst einmal die Neuerwerbungen im Fokus stehen.

Die Sammlung wächst und wächst, und der zur Verfügung stehende Platz wird demzufolge immer weniger. Dass die traute Hausgemeinschaft darunter gelegentlich zu leiden hat, ist meist unvermeidlich.

Es ist – man verzeihe mir jetzt diesen Ausdruck – wie eine Sucht: Das-haben-Wollen-und-Müssen. Und was das bedeutet, kann man in den einzelnen Internet-Publikationen nachlesen und für sich selbst kritisch bewerten.

Dann kommt irgendwann einmal Zeitpunkt, an dem man beim Erwerb eines Liebhaberstückes nicht mehr diese unendliche Freude und das tiefe Glücksgefühl empfindet, wie am Anfang der passionierten Einkaufstouren.

Ich kenne viele Sammler – und der Ehrlichkeit halber will ich erwähnen, dass auch ich einer war – denen erging es so oder so ähnlich, bis auch bei ihnen der Punkt erreicht war, an dem sie ihre Handlungsweisen kritisch hinterfragten und sie ihr Verhalten auf den Prüfstand stellten.

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Sammeln, eine Leidenschaft die aber auch zu viel werden kann

Es ist zwar alles gut und schön, und der Sammler ist stolz auf seine Exponate, aber das Gefühl des Glücks gerät ob einer Überfülle nach und nach ins Hintertreffen.

Das Wichtigste wäre doch, dass die Objekte Freude bringen und den Besitzer glücklich machen!

Es sollte die Frage auftauchen, wann habe ich das Stück zum letzten Mal in Händen gehalten, es benutzt oder bewusst betrachtet – und das Allerwichtigste – mich wirklich daran erfreut? Brauche ich es nur, um es zu haben, oder fristet es sein Dasein als sprichwörtlicher Staubfänger, um den man sich von Zeit zu Zeit kümmern muss?

Ist es nicht ein Mehr, wenn sich der geneigte Jäger und Sammler mit ein paar wenigen, dafür kostbaren Preziosen begnügt, die vielleicht ein Maximum an Wertzuwachs bescheren – und was noch viel wichtiger ist und pekuniär nicht bezifferbar: „die Freude und das Glück“ darüber?

Denn manchmal ist das WENIGER – MEHR!

Wie auch schon Le Corbusier wusste…

 

Text: Ursa Wolf & Ulrich Bänsch

Fotos: Ulrich Bänsch

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