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Thorens TD 2001

Alt und gebraucht – oder doch besser neu kaufen. Diese schlichte Frage stellt das Revival der Schallplatte allen Musikfreunden, die auf der Suche nach einem hochwertigen Abspielgerät sind. Eine aufschlussreiche Antwort auf diese Anschaffungs-Frage erteilt ein über 25 Jahre altes Thorens-Produkt, das es unter anderem Namen immer noch neu zu kaufen gibt – allerdings mittlerweile zum saftigen HiFi-Extremistenpreis.

Fragt man den Fachmann im HiFi-Fachgeschäft, dann ist der Fall klar: Alte Plattenspieler sind schön zum Anschauen, aber zum Abspielen von Platten solle der Interessent doch besser zum neuen Produkt greifen. Jeder heutige 500 Euro-Spieler sei dank fortgeschrittener Technik schließlich besser als jeder der hochgejubelten, vermeintlichen HiFi-Klassiker.

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Klassischer Schriftzug. Es gab ab 1990 auch das Modell 3001. Dieses hatte einen aus dem Vollen gedrehten Leichtmetallteller und ein separates montiertes Tonarmbrett, wodurch sich unterschiedliche Tonarme einfach austauschen ließen.

Aus Sicht der Kaufmanns ist diese Aussage verständlich. Entspricht sie aber auch den Tatsachen? Schließlich wurde, anders als in anderen Gebieten industrieller Fertigung, seit den 80er Jahren in die Weiterentwicklung analoger Schallplattentechnik nicht mehr im großen Stil investiert. Vinyl, dieses Speichermedium wurde mit Aufkommen der CD nur noch von eingeschworenen Liebhabern gehätschelt und war ein Fall für verträumte Technik-Romantiker und Musik-Esoteriker. Die Zukunft trug und trägt die Überschrift „Digitale Technik“.

Ein wenig Licht ins Dunkel kann der genaue Blick auf den Thorens TD 2001 bringen. Dieses Modell wurde 1989 auf den Markt gebracht. Es gehörte mit einem Verkaufspreis von rund 1500 Mark schon damals zur Top-Klasse. Das Modell sollte den anspruchsvollen Musikliebhaber ansprechen, der neben seinem neuen CD-Spieler auch eine hochwertige Plattenmaschine im Regal stehen haben wollte. Der Spieler erfreute sich im Wettstreit mit dem dominierenden CD-Medium guter Beliebtheit.

Den Niedergang der bis dato in Lahr/Schwarzwald ansässigen Firma konnte der TD 2001-Plattenspieler dennoch nicht aufhalten. Im Sommer 2000 meldete die Traditionsfirma Konkurs an. Seit 2003 wird der Markenname durch die im schweizerischen Basel angesiedelte Thorens Holding AG wieder vermarktet. Im Zuge des Schallplatten-Booms geschieht das durchaus erfolgreich. Aktuell findet sich ein Thorens-Modell mit der Typbezeichnung TD 2015 im Programm. Als puristisches Masselaufwerk mit massiver Acrylglas-Basis hat er jedoch konstruktiv nichts mit dem hier gezeigten Klassiker gemein.

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Thorens TD 2001 auf Roksan-Dreibeinstativ. So spielt er erfrischend frei auf. Gut ist der gefederte Teil des Chassis am umlaufenden Spalt zu erkennen

Damals zeichnete die Vermarktung des TD 2001 eine bemerkenswerte Dualität aus. Kurz nachdem der Spieler im Sommer 1989 in den Handel gekommen war, wurde bereits eine Tuning-Version unter dem in Hamburg ansässigen HiFi-Label „Phonosophie“ angeboten. Offenbar betrieben Thorens und Phonosphie eine Art Joint Venture zu beiderseitigem Vorteil. Phonosophie konnte vom Plattenspieler-Produzenten ein günstiges Basisgerät für eigene Zwecke beziehen, und der Großhersteller profitierte vom Edelimage der bei Insidern geschätzten Spezialisten-Marke. Interessant wird die Geschichte durch besagten Thorens-Konkurs. Damals konnte Phonosophie die Restbestände des TD 2001 übernehmen, mit dem Effekt, dass dieser Spieler unter der Bezeichnung Phonosophie No.3 noch heute neu zu haben ist. In der spielbereiten Ausführung kostet der Spaß mittlerweile allerdings gute 7000 Euro.

Schauen wir uns aber zunächst die Technik des TD 2001 an. Ein typischer Thorens, könnte man sagen. Weiter entwickelt aus dem vormaligen Baumuster TD 320. Also entsprechend zum Urmuster TD 150 von 1965 ein weich in Federn gelagerter Subchassis-Spieler mit Riemenantrieb. Die Zarge des TD 2001 besteht aus einem Esche-Vollholzrahmen mit einer Deckplatte aus beidseitig furnierter mitteldichter Faserplatte (MDF). Plattenteller und Tonarm sind auf dem mittels dreier Blattfedern entkoppeltem Subchassis-MDF-Segment gelagert. Der antreibende Berger-Synchronmotor verfügt über eine integrierte Steuerelektronik mit frequenzabhängiger Drehzahlumschaltung für 33 und 45 Umdrehungen. Ein recht großes Antriebspulley aus Leichtmetall überträgt die Rotation mittels Flachriemen auf den unter dem Hauptteller angeordneten Leichtmetall-Subteller. Das Plattentellerlager besteht aus einer fein polierten Stahlachse mit zehn Millimetern Durchmesser und leicht kegelig gearbeiteter Spitze, die mit saugend engem Lagerspiel in einer Messingbuchse geführt wird. Sie setzt auf einem Hartmetallspiegel als Punktlager auf. Insgesamt eine dauerhafte Lösung. Auch häufig genutzte Spieler zeigen an dieser Stelle keinen nennenswerten Verschleiß.

Als Tonarm kam damals das Modell TP 90 zum Einsatz. Ein präzise geführter, kardanisch gelagerter Arm mit integrierter Antiskating-Einrichtung. Das Headshell ist abnehmbar, ein Vorteil beim Wechseln des Systems. Zum Spieler gehört eine aufklappbare Abdeckhaube. Die ist ebenso kratz- wie bruchempfindlich. HiFi-Phoniker stellen sie abmontiert in die Ecke und nutzen sie nur in Spielpausen als dann lose aufgelegten Staubschutz.

Qualitativ wurde der TD 2001 zu seinen „Lebzeiten“ von den Fachredakteuren der HiFi-Zeitschriften im Dunstkreis der angesagten Spitzenmodelle – wie etwa dem bekannt beliebten Linn LP 12 – gesehen. Ergo ist so ein TD 2001 auch in völligem Serienzustand schonmal ein rundum gutes Produkt – auch heute noch.

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Thorens TD 2001 von innen. Wer die gebotene Technik mit dem aktuellen Phonosophie No. 3 vergleichen möchte, findet im Netz entsprechende Bildinformationen, inklusive Testbericht aus der Zeitschrift LP von 3/2013.

Schauen wir uns also an, was der aktuelle Phonosophie No.3 für seine beachtlichen 5200 Euro (ohne Tonabnehmersystem, 7300 Euro mit System „Flair“) mehr auf dem Kasten  hat als das „Alteisen“. Zunächst fehlt unübersehbar vorne am Gehäuse die durchgängige Zierblende sowie der rechte Drehknauf für den Tonarmlift. Stattdessen gibt es ein kleines Metallschild mit aufgedrucktem Phonosophie-Schriftzug. Anstelle der schweren Thorens-Gummimatte liegt auf dem Phonosophie-Teller ein dünner Filz. In seiner Basisausführung trägt auch der Phonosophie No.3 einen Thorens-Tonarm, allerdings ein Modell aus aktueller Produktion, den ebenfalls kardanisch gelagerten TP 92. Der Ring an seinem Tonarmrohr dient übrigens nicht zum Einstellen des Auflagegewichts, er soll Resonanzen im Rohr dämpfen.

Im Inneren des Phonosophie hat sich im Vergleich zum TD 2001 auf den ersten, flüchtigen Blick so gut wie nichts getan. Erst beim genauen Hinsehen fallen Unterschiede auf. Die Stromzuführung läuft über eine edle Bajonett-DIN-Buchse zur Steuerplatine und ist mit dickerem und dazu verdrilltem Kabel ausgeführt. Zudem werden die Kabel direkt an die Steuerplatine, die augenscheinlich eins-zu-eins der TD 2001-Version entspricht – angelötet und nicht mittels Stecker angedockt. Phonosophie umgeht die Gleichrichtung auf der Werksplatine und speist direkt Gleichstrom in die Schaltung ein. Auch die Anschlusskabel des Berger-Motors sind verdrillt und nicht wie beim Serien-Thorens „von der Rolle“ verlegt. Wie beim Serien-TD 2001 liefert ein kleines Steckernetzteil die Versorgungsspannung, das bei Phonosophie aber nochmals durch ein weiteres Zusatzteil geschickt wird, um die Spannung bereits als Gleichstrom „sauber aufzubereiten“. Auch von Thorens gab es seinerzeit aufwändiger gebaute Netzteile für den TD 2001 als Zubehör. Über die Wirkung des getriebenen Aufwands auf Seiten der Stromversorgung gehen die Meinungen von „unglaublich“ bis zu „bringt nichts“ – wie immer – weit auseinander. Nach Meinung des Autors genügt das winzige Seriennetzteil für vorzüglichen Musikgenuss vollkommen.

Eine Modifikation fällt auch an der Masseführung auf. Neben (dem minimal geänderten) Lagergehäuse und Tonarm legt Phonosophie auch noch das Gehäuse des Berger-Motors an Masse. Das zentrale Massekabel wird zudem aus dem Gehäuse heraus geführt und endet nicht wie beim Thorens an einer Schraubklemme unmittelbar am Anschlussterminal. Eher eine Vereinfachung findet sich an der Motoraufhängung des Phonosophie-Spielers. Der Motorflansch wird nur an zwei Punkten über Gummiringe mit dem Gehäuse verschraubt. Der Thorens verfügt über ein zweites Flanschblech, mit dem sich eine Dreipunktlagerung ergibt. Über unterschiedlich festgespannte Schrauben kann somit die Achslage des Antriebsmotors und somit auch der Riemenlauf auf dem Pulley feinjustiert werden (siehe auch unten „Besonderheiten und Schwächen“).

Nun mag man geteilter Meinung sein, inwieweit die genannten Phonosophie-Modifikationen den „Klangwert“ des Spielers nach vorne bringen können. Viel wichtiger erscheint im Zusammenspiel mit möglicher verbesserter Wiedergabegüte indes ein weiterer Unterschied: Die Verkabelung des TP 92-Tonarms am Phonosophie No.3 wird direkt und durchgehend bis zu den Eingangssteckern des Vorverstärkers geführt. Beim Thorens TD 2001 läuft die Verkabelung über eine Zwischenplatine, die mit der opti-elektronischen Endabschaltung des Spielers Einzug gehalten hat. Zudem kommt ab der Zwischenplatine bis zu den Cinchbuchsen anders Kabelmaterial zum Einsatz. Wer also seinen „alten“ TD 2001 mit einfachen Mitteln auf „Phonosophie-Level“ bringen möchte, der modifiziert die Tonarmverkabelung analog zum Phonosophie-Muster. Simple is best, könnte an dieser Stelle einmal mehr laut ausgerufen werden.

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Drei dieser Blattfedern halten das Tonarm- und Tellerboard sanft schwingend in der Schwebe. Die Vorspannung lässt sich von außen feineinstellen. Schön gemacht.

Die Antwort, ob ein „alter“ Plattenspieler heute im Konzert mit technisch vermeintlich fortgeschrittenen Produkten mithalten kann, gab vor einiger Zeit die auf Plattenspieler spezialisierte Fachzeitschrift „LP“ in ihrer Ausgabe 3/2013. Dort wurde der Phonosophie No.3 schließlich im Feld der besten Spieler verortet. Zitat: „Man merkt der gebotenen Klangqualität die jahrelange Verfeinerung an und kann sich sicher sein, dass man durch die problemlose Umrüstmöglichkeiten ein absolut zukunftssicheres Gerät besitzt.“ Ein Satz, der zweifellos auf das technisch auf das Engste verwandte Ausgangsmodell vom Typ Thorens TD 2001 bezogen gleichfalls Gültigkeit hat. Großes Durchatmen an dieser Stelle: Schön für alle Zauderer, die damals ihren TD 2001 nicht für einen Apfel und ein Ei hergegeben haben, um das Geld in einen angesagten CD-Player zu stecken.

 

THORENS TD 2001 – BESONDERHEITEN UND SCHWÄCHEN

Bereits der völlig serienmäßige TD 2001 bringt alle wesentlichen Voraussetzungen mit, die einen sehr guten Plattenspieler auszeichnen: Ein solides Chassis, einen hochwertigen Tonarm, einen laufruhigen und solide bemessenen Antriebsmotor und ein ebenso präzises wie reichlich dimensioniertes Tellerlager. Zwei Schwächen haben sich dennoch im Lauf der Zeit als typisch für den TD 2001 herauskristallisiert. Die eine darf als vernachlässigbare Kleinigkeit beiseite geschoben werden, denn sie betrifft die automatische Endabschaltung. Die wird optisch gesteuert und spricht mitunter zu früh, meistens aber gar nicht an. Letzteres dürfte den meisten Plattenfreunden sogar recht sein, denn gemeinhin schaltet man den Spieler beim Wechseln der Platten nicht ab und lässt ihn einfach durchlaufen. Wer dennoch Hand an den Abschalt-Mechanismus legen möchte, erreicht nach Abnehmen der Bodenplatte am Tonarmfuss das sichelförmige Steuersegment. Durch vorsichtiges Nachjustieren lässt sich das Ansprechverhalten des Systems beeinflussen.

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Thorens TD 2001-Antrieb. Großes Antriebspulley mit 40 Millimeter Durchmesser, Flachriemen und Leichtmetall-Subteller. Gut sind die drei Befestigungs- und Einstellschrauben am Motorflansch zu erkennen. Macht der Spieler beim Rotieren feine Schleifgeräusche, reibt der Riemen an der Führungsgabel des Riemens. Meist schon ein Hinweis auf einen nicht korrekt justierten Antriebsmotor.

Die zweite Schwäche ist sehr viel störender: Beim Anschalten des TD 2001 springt trotz eingebauter Softstartfunktion gerne der Antriebsriemen ab. Begünstigt wird dieser Makel durch die geometrischen Bedingungen des Antriebs. Das antreibende Pulley ist mit 40 Millimetern Durchmesser recht groß und das Drehmoment des Motors hoch. Hinzu kommt das Beharrungsvermögen der beachtlichen Tellermasse. Der Riemen flutscht beim Start meistens nach unten vom V-förmig profilierten Pulley. Je älter und „ausgeleierter“ der Riemen, desto anfälliger die Konstruktion. Provisorisch kann man sich mit einem dünnen Gummiring behelfen, den man an den unteren Rand des Pulleys setzt. Damit lässt sich der abgleitende Antriebsriemen einfangen und in die vorgesehene Umlaufbahn lenken.

Eigentliche Ursache ist jedoch eine nicht optimal zur Plattentellerachse justierte Motor-Antriebsachse. Die Lage der treibenden Motorachse lässt sich über die drei mit Gummiringen unterlegten Befestigungsschrauben am Motorflansch feineinstellen. Hierzu den Plattenteller abnehmen. Anschließend das entlastete (hochgefederte) Subchassis mit Gewichten oder einer aufgespannten Latte in die zur Gesamtzarge bündig abschließenden Nulllage bringen. Dann den Antrieb mit aufgelegtem Riemen starten. Ohne die träge Tellermasse funktioniert das stets problemlos. Der Antrieb muss so justiert sein, dass der Riemen auf dem treibenden Pulley gleichmäßig in der Mitte des V-förmig gewölbten Pulleyprofils läuft. Oft läuft der Riemen zu tief, dann wird er beim Start vom Pulley gezogen. Die Einstellung ist richtig, wenn der Riemen beim Start eine leichte Bewegung nach oben macht. Das lässt sich leicht prüfen, indem beim Anschalten des Motors mit dem Finger auf den Subteller eine leichte Bremswirkung ausgeübt wird. Bleibt der Riemen schließlich auf dem Pulley, zieht er auch den aufgelegten Teller wunschgemäß auf Solldrehzahl – selbst mit altem, bereits leicht gelängtem Riemen.

Die Laufflächen von Pulley und Subteller müssen schmutz- und vor allem fettfrei sein. Säubern mit Bremsenreiniger ist zu empfehlen. Auch der Riemen muss penibel sauber sein. Er darf weder Fett- noch Ölspuren tragen. Auch der Riemen kann mit Bremsenreiniger oder Feuerzeugbenzin geputzt werden (hierzu Latexhandschuhe tragen). Weil die feinstbearbeiteten Oberflächen von Plattenteller, Pulley und Subteller empfindlich auf Hautschweiß reagieren, ist das Tragen von Baumwoll- oder Latexhandschuhen bei Arbeiten am Spieler grundsätzlich eine gute Empfehlung.

 

Erleben Sie den hier gezeigten TD 2001 in Aktion auf youtube: Stichworte Thorens TD 2001, van den Hul, Zoot Sims. Viel Vergnügen!

 

Thorens TD 2001 – Daten und Preise

Baujahr 1989 bis 2000. Farben schwarz und mahagoni. Als Tuningversion unter dem Markennamen „Phonosophie No. 3“ noch immer neu erhältlich.

Preise: gebrauchter TD 2001 in gepflegtem, spielbereiten Zustand um die 600 Euro. Je nach Zustand und Wertigkeit des eingebauten Tonabnehmersystems auch mehr. Tuningversion Phonosophie No.3 ohne Tonarm neu aktuell 3200 Euro, spielbereit mit Tonarm TP 92 und System „Flair“ 7300 Euro.

Bautyp: Subchassis-Plattenspieler mit Synchronmotor. Tellerdrehzahlen 33 und 45/min.

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Auffallend schlichter Spieler mit Korpus aus kräftig gemaserter Esche. Als System ist ein Van den Hul DDT montiert. Das passt sowohl zum zeithistorischen Kontext und überzeugt auch in Hinblick auf die Reproduktion der in den Vinylrillen gespeicherten Musikinformation. Insgesamt kein Oldie, sondern ein Evergreen.

 

 

Text und Fotos: Jo Soppa

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