Technische Werke der Stadt Stuttgart AG – TWS

Gibt man heute die Wortkombination „Technische Werke der Stadt Stuttgart AG“ oder kurz „TWS“ in eine scheinbar allwissende Internet-Suchmaschine ein, was wird als Ergebnis angezeigt? Fast – nichts. Aus, nada, niente. Noch nicht einmal das Logo wird man finden, nämlich den über Jahrzehnte in Stuttgart präsenten gelben TWS-Blitz, – bis auf das ein oder andere gestickte Emblem der Werksfeuerwehr aus dem Gaswerk, das manchmal auf einem Versteigerungsportal feilgeboten wird. Ein so wichtiges Energieversorgungsunternehmen, das über Jahrzehnte aus Stuttgart nicht wegzudenken war, das allzeit präsent war und die Bevölkerung mit Strom, Gas, Wasser und Wärme zuverlässig versorgte; es scheint, als hätte es nie existiert. Selbst eine scheinbar allwissende Internet-Enzyklopädie, bringt nichts als einen müden „Vierzeiler“.

Wer dort in Lohn und Brot stand, das bedeutete etwas! Denn das was die Technischen Werke anboten, das brauchte jeder. Der Job war krisensicher, die Beschäftigten waren unkündbar, eine sichere Zusatz-Betriebsrente, das machte auch die nicht so üppige Bezahlung im Vergleich zu anderen Branchen in Stuttgart wieder wett. Und nicht zu vergessen, die freiwilligen sozialen Leistungen der TWS.

Diese hier niedergeschriebenen Zeilen wurden anhand von Zeitzeugenberichten angefertigt. Es erscheint uns wichtig dies zu tun, denn wenn es diese Dokumente einmal nicht mehr gibt, und die Zeitzeugen einmal nicht mehr sein sollten, dann ist dies alles weg. Aus und vorbei. Und solch eine ehemalige Stuttgarter Institution darf und sollte nicht einfach von der Bildfläche verschwinden – gerade nicht in dieser heute so kurzdenkenden und schnelllebigen Zeit. Wie dies ergehen kann, zeigen die negativen Erscheinungen von einstmals ruhmreichen deutschen Weltfirmen. Wenn niemand da ist, der sich um das historische Erbe und die Erinnerungen kümmert, dann ist das alles verschwunden – ganz besonders aus dem Gedächtnis. Es wurden und werden noch ein paar Bücher publiziert, um noch etwas der Nachwelt zu erhalten, meist konnten noch lebende Zeitzeugen befragt werden, aber wenn diese einmal nicht mehr da sind, dann verschwindet unsere Geschichte auf Nimmer Wiedersehen. Und gerade die Geschichte ist es, die uns die Wurzeln gibt. Geschichte, die bewahrt werden muss, nicht nur die negativen Ereignisse an die wir permanent erinnert werden, sondern die Positiven! Und dazu gehört definitiv die TWS dazu. Sie verkörperte für Stuttgart Wärme und Geborgenheit, nicht nur durch ihr Angebot an Strom, Gas, Wasser, Wärme, sondern genau im übertragenen Sinne! Mit den TWS verband man Behaglichkeit. Sie lieferte das, was wir Menschen als Grundbedürfnis brauchen und wir erst dann merken, wie sehr wie darauf elementar angewiesen sind, wenn eines davon – oder schlimmstenfalls alle – ausfallen. Denken Sie einmal darüber nach, das ist keine Selbstverständlichkeit.

 

Wie sind sie entstanden und wann?

Die Technischen Werke der Stadt Stuttgart (kurz TWS) entstanden am 01.05.1933 durch den Zusammenschluss der Städtischen Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke in Stuttgart.

Nach dem unheilvollen 2. Weltkrieg  gab es eine unglaubliche Aufbruchstimmung. Die Menschen erlebten Grauenvolles, das sie über Jahrzehnte hinaus noch prägte und ihre Einstellung zum Leben nachhaltig beeinflusste. Es entstand untereinander ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das heute nur noch sehr schwer nachzuvollziehen ist. Kameradschaft – der Eine konnte sich auf den Anderen blindlings verlassen, ein es gab ein Miteinander und kein Gegeneinander. Das sind heute Fremdwörter – leider.

Was gab es nicht alles: Die TWS, sie hatte noch eine soziale Fürsorgepflicht für die Beschäftigten und das im wahrsten Sinne des Wortes und sie nahm es ernst. Auf Stuttgarts Höhen in bester Lage mitten im Wald gelegen im Guts-Muths-Weg wurde das TWS-Heim errichtet. Später hieß es dann Heinrich-Kaun-Freizeitheim in Erinnerung an den ehemaligen Direktor Heinrich Kaun. Es wurden zweitägige Jahresfeiern für die aktiv Beschäftigten in der Stuttgarter Liederhalle veranstaltet, für die Pensionäre gab es die Pensionärsfeier, im Sommer wurde im TWS-Heim ein vielbesuchtes Kinderfest veranstaltet – organisiert von dem Betriebsrat – eine Weinachsfeier für Kinder, Kinderbacken usw.; in der Lautenschlagerstraße 21 (dem Hauptverwaltungsgebäude in der Stuttgarter Innenstadt) gab es eine Haushaltsberatungsstelle für jeden und für die Mitarbeiter vergünstigte Einkaufsmöglichkeiten. Ferner boten die Technischen Werke für die Beschäftigten preiswerte Werkswohnungen an. Zahlreiche Sport- und Hobbygruppen,  in denen sich die Mitarbeiter sportlich betätigen oder ihrer Sammelleidenschaft nachgehen konnten. Ein besonderes Flaggschiff waren der Chor und das Orchester. Zwei Klangkörper, die für die TWS auch ein Aushängeschild waren und dementsprechend gehegt, umsorgt und gepflegt wurden. Das waren Institutionen.

Das Kinderbacken war für die Kleinen in der Vorweihnachtszeit immer etwas ganz Besonderes – die selbstgebackenen „Gutsle“ brachten sie dann voller Stolz nach Hause

In den 50iger Jahren, es waren entbehrungsreiche Zeiten, die Menschen waren froh, ein Dach über dem Kopf zu haben, ausreichend zum Essen und zum Trinken… und waren über jede Zuwendung glücklich. Sei es, dass sie vergünstigtes Heizmaterial für die Wintermonate bekamen oder verbilligte Eintrittskarten. Heute in Zeiten des „geldwerten Vorteils“ wo alles, selbst die kleinsten Zuwendungen versteuert werden müssen – undenkbar. Zur Kommunion oder Konfirmation des Kindes eines Betriebsangehörigen, tja, da gab es auch eine Gratifikation. Es gab Beihilfen zum Beispiel für eine Brille oder zinsgünstige Wohnungsbaudarlehen für die Mitarbeiter…

 

Lautenschlagerstraße

Das Herzstück der TWS befand sich in der Lautenschlagerstraße 21: Die zentrale Verwaltung mitten in der Stuttgarter Innenstadt unweit des Hauptbahnhofes und der Königstraße. Erbaut in den 30iger Jahren entstand hier ein Gebäude mit formaler und strenger Architektur. Ein wenig zeitgenössische Bauhaus-Architektur blickte in dem Kubus schon verhalten durch. Am 15. Juni 1934 erfolgte der Baubeginn und am 19. September 1936 wurde dieser wuchtige Bau offiziell seiner Bestimmung übergeben. Es blieb nicht aus, dass auch dieses Gebäude im 2. Weltkrieg durch Bomben beschädigt wurde. Im Laufe der Jahre wurde auf dem fünfstöckigen Gebäude der Dachstuhl zu einem  6. Stock ausgebaut mit Küche, Kantine, Besprechungsräumen – und nicht zu vergessen: man genoss einen herrlichen Blick über Stuttgart. Und es gab Paternoster! Bis zum Abriss des Gebäudes war eines dieser Fahrstuhl-Relikte weltweit  noch einer der Letzten, die funktionstüchtig zwischen den Stockwerken in Betrieb war – natürlich mit der entsprechenden amtlichen Zulassung versehen. Der Verwaltungsbau; er existiert heute nicht mehr, er wurde Anfang 2011 abgerissen und musste einem Neubau weichen. Das Gebäude ist Geschichte, weg und ausradiert, wie wohl auch bald die Erinnerung an die Technischen Werke der Stadt Stuttgart AG. Und so verschwindet ein Stück Tradition nach dem anderen. Man wird den schmerzlichen Eindruck nicht los, dass dies bewusst herbeigeführt wird und auch so gewollt ist.

Wer von den Zeitzeugen denkt nicht noch gerne an das Sockelgeschoss, in dem früher die Küche und Kantine angesiedelt war? Später fand die Hausdruckerei in den Räumlichkeiten ihren Sitz, nachdem die Küche und Kantine in den 6. Stock verlegt wurde. Oder die Parkplätze, die es in dem länglichen Hof gab, mit den Garagen für die Vorstandsfahrzeuge. Auf dem Parkdeck darüber wurde – zeitlich lässt sich das nicht mehr exakt eingrenzen – das amerikanische Parksystem eingeführt. Dank der gleitenden Arbeitszeit wurden die Fahrzeuge hintereinander abgestellt und man ging davon aus, dass die Mitarbeiter pünktlich Feierabend machten, damit die Fahrzeuge dann wegbewegt werden konnten. Es funktionierte – meist – tadellos und so entging man durch einen kleinen, klugen Schritt der herrschenden Parkplatznot.

In der Kantine fanden jeweils Dienstag- und Donnerstag-Nachmittags  die Proben von Chor und Orchester statt, dafür öffnete die Kantine ihre Rollläden. Auch sehr zur Freude der Mitarbeiter in der Lautenschlagerstraße, die sich dann immer noch mit einem kleinen Nachmittagssnack versorgen konnten.

Oder die zentrale Poststelle:  Wenn die Postler über die Gänge stolzierten, hatte der geneigte Betrachter immer den Eindruck, jetzt blieben sie gleich stehen. Und der Leiter dieses elementaren Bereiches, er konnte sich wahrlich nicht über Arbeitsbelastung beklagen. Sorgfältig wurden die Umläufe – seien es Großer- oder Kleiner Verteiler – in einem Din A4-Leitzordner protokolliert. Und man meinte immer, dass es für ihn eine unheimliche Anstrengung bedeuten musste, dies jetzt genau in diesem Augenblick machen zu müssen. Die Post wurde von hier aus in alle Betriebswerke und Kraftwerke gefahren und dort wieder weiter verteilt.

Das Verwaltungsgebäude in der Lautenschlagerstraße 21 mit dem aufgesetzten 6. Stock, in dem sich Küche, Kantine und Besprechungsräume befanden

 

Die Betriebswerke

Es gab die Betriebswerke Stöckach mit den Zentralen Werkstätten nebst Konstruktionsabteilung, Schreinerei, dem Zentrallager, Netzbau und Netzbetrieb, der Netzwarte, Zählerwesen, Fernmeldewesen, Straßenbeleuchtung, Ausbildungswerkstätten für die Lehrlinge (tja, damals hießen sie noch so…), Fuhrpark mit Tankstelle, dem Entstörungsdienst, später der Energievertrieb, eine Ausbildungs- und Versuchswerkstatt, sowie die zentrale Planauflage und die Netzplanung. Der Stöckach, er war schon ein kleiner Mikrokosmos. Aus dem Betriebswerk Stöckach heraus wurde die Stuttgarter Innenstadt mit den Ortsteilen Mitte, Nord, West, Süd und Stuttgart Ost betreut. Es gab natürlich für die Beschäftigten einen Sanitätsraum, Küche und Kantine. In einem späteren Neubau an der Stöckachstraße wurde auch eine Turn- und Sporthalle integriert. Wenn man sich heute die Gebäudestruktur des Betriebswerkes Stöckach betrachtet, dann gehört das gesamte Ensemble per se unter Denkmalschutz gestellt, stellt es doch einen Nachweis über den in den 50er Jahren herrschenden Zeitgeist dar und es ist ein wichtiges Zeitdokument deutscher Nachkriegsarchitektur.

Eine Darstellung des Betriebswerkes Stöckach, welches am 07. März 1952 feierlich durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss in Anwesenheit zahlreicher Würdenträger aus Politik und Wirtschaft seiner Bestimmung übergeben wurde. In einer Studie des Regierungspräsidiums Stuttgart von 2011 wurde das Gebäude Stöckachstraße 30 (1) als „Erhaltenswertes Gebäude“ eingestuft: „…ist wegen seiner für Zweckbauten dieser Jahre typischen Baugestalt und als Hinweis auf die Industriegeschichte Stöckachs erhaltenswert.“ Lassen wir uns dieses heute auf der Zunge zergehen (2019). Das BW Stöckach soll trotzdem mit seinen gesamten Bauten abgerissen werden! Den Verwaltungsbau an der Hackstraße gab es zu der damaligen Zeit noch nicht

Es geht die Legende um, dass alles, was in den zentralen Werkstätten hergestellt wurde, so dimensioniert war, als müsste es Jahrhunderte halten. Im Stöckach, in dem später erbauten Gebäude an der Hackstraße, befand sich auch die Zentralregistratur. Alles fein säuberlich abgelegt, nach Straßen und Hausnummern. Eine wahre dokumentarische Schatzkammer. In diesem Gebäude konnte man sich als „ortsunkundiger“ schon das ein oder andere Mal verlaufen, wenn man von diesem neueren in den älteren Gebäudeteil wandelte und hoffnungslos die Orientierung verlieren konnte.

Im Gebäude 30 gab es einen kleinen Kantinenstützpunkt, damit die Beschäftigten aus den Gebäuden entlang der Hackstraße nicht den doch etwas weiten Weg in die Kantine – die sich an der Stöckachstraße befand – auf sich nehmen mussten, um an ihr Vesper zu kommen. Zu manchen Stoßzeiten hat die Schlange der Wartenden dann doch schon gewisse Ausmaße angenommen. Im Zuge von Einsparungsmaßnahmen fiel auch diese soziale Einrichtung dem Rotstift zum Opfer. Leidtragende waren – wie so oft – die Beschäftigten. Die Küche und die Kantine waren in den Anfängen im Erdgeschoss des Gebäudes Stöckachstraße angesiedelt, bis sie in das obere Stockwerk des in den 80er Jahren neu errichteten Gebäudes ein paar Meter weiter umzogen. Die „Alte Kantine“ wurde seitdem für Versammlungen genutzt.

Ein Bildnis vor einem Gewitter von den Gebäuden des Stöckach. Zu einer Zeit als dort noch „Voll“-Betrieb herrschte

Das Betriebswerk Feuerbach mit seinem Netzbau für Strom, Gas und Wasser betreute die nördlichen Teile Stuttgarts. Das Pendant dazu war das Betriebswerk Möhringen, welches die südlich von Stuttgart gelegenen Fildergebiete wie Möhringen, Vaihingen und Degerloch usw. betreute. Beide Betriebswerke hatten eine eigene Küche und Kantine sowie jeweils einen eigenen Sanitätsraum. In diesen beiden Betriebswerken tickten die Uhren noch ein wenig anders, es waren eigene Welten und mit einem eigenen „Bezirksfürsten“. Das waren noch Zeiten!

Es ging alles noch ein wenig gemütlicher zu; morgens gingen die Monteure erst einmal gemeinsam in die Kantine zum Vespern und hat man es gewagt, jemanden zwischen neun Uhr und halb Zehn anzurufen, dann ist man mit Sicherheit bis in die Steinzeit bei demjenigen in Ungnade gefallen. Dann war nämlich heilige Zeit: Vesper!

Es ging in den Betriebswerken familiär zu. Und das brachte auch immer wieder heiße Diskussionen mit den kaufmännischen Abteilungen und Bereichen mit sich. In Möhringen und Feuerbach, da war man sprichwörtlich „weit ab vom Schuss“. Sie wollten ihre Ruhe und in dieser Umgebung ihre sehr gute Arbeit machen, wenn auch ein bisschen anders. Reinreden? Nein das wollte man nach Möglichkeit unter keinen Umständen haben.

Das Versorgungsgebiet der TWS war nicht nur auf Stuttgart beschränkt, sondern nördlich von Stuttgart am Neckar wurden die Orte Marbach, Poppenweiler und auch bis 1985 Mundelsheim versorgt und betreut. Das führte dann schon einmal zu Anekdoten, wenn über Stuttgart dunkle Wolken aufzogen und die Straßenbeleuchtung anging, dann brannte auch die Straßenbeleuchtung mitten am helllichten Tag in Marbach, obwohl dort die Sonne schien. Südlich von Stuttgart betreute die TWS die Gasversorgung im Nordschwarzwald.

Wurde zum Beispiel ein Umspannwerk saniert, so rückte die TWS-Eigene Bau- und Montage-Kolonne erstmals mit einem ganz speziellen Bauwagen an: dieser war als komplette Küche eingerichtet, denn wer hart arbeitet, der musste auch adäquat kulinarisch versorgt werden. Gekocht haben die Monteure und es fand sich darunter immer ein Meister der Kochkunst. So waren die Zeiten damals, als die Uhren noch ein wenig anders gingen, und das nicht immer nur zum Schlechtesten.

Und dann wollen wir doch noch etwas zum Besten und zum Schmunzeln preisgeben: Die kleinen Senftüten gab es in den Kantinen immer kostenlos, bis ein findiger Kaufmann feststellte, was da im Laufe des Jahres wie ein hübsches Sümmchen an Kosten zusammen gekommen ist. Es lag der Verdacht nahe, dass sich viele bedienten um auch die heimische Familie mit kostenlosem Senf zu beglücken. „Koscht ja nix…“. Als dann für die Senftüten ein Obolus zu entrichten war – das kam einer Palastrevolution gleich. Abteilungsleiter, Hauptabteilungsleiter, Vorstand und natürlich der Betriebsrat, sie alle waren mit diesem schwerwiegenden Problem, nein Herausforderung, beschäftigt. Man schöpfte ja schließlich aus dem Vollen, viele sahen das beim besten Willen nicht ein… Letztendlich haben sich die Wogen aber wieder geglättet und der Betriebsfrieden kehrte wieder ein.

 

Gaswerk, Kraftwerk Gaisburg, das Wasserwerk und die Laufwasserwerke

Und was in Stuttgart nie zu übersehen ist: Das Gaswerk mit dem riesigen 102,5 Meter hohen Gaskessel, der eines der Stuttgarter Wahrzeichen ist. Bis 1972 wurde auf dem Areal des Gaswerkes Stadtgas aus Kohle und Koks hergestellt. Das war für die dort Beschäftigten ein schmutziges und schweres Geschäft. Laut, dunkel und gefährlich. Die Kohleförderbänder transportierten laufend das Brennmaterial in die Verbrennungsöfen. Diabolisch anzusehen, wenn die glühenden Schlacken von den Schlackenziehern aus den Brennöfen gezogen wurden. Besonders bei Nacht ein beeindruckendes Schauspiel, solange man es nicht selber machen musste. Die angrenzenden Stadtteile Stuttgart-Ost und Gaisburg, sie litten Jahrzehntelang unter Staub, Lärm und einer latenten Angst, dass einmal etwas passieren könnte.

Der Gaskessel ist in Stuttgart sehr prägnant. Hier ein Blick von der Stuttgarter Weißenhofsiedlung in Blickrichtung zum Gaskessel, die Hackstraße

 

Der 17. März 1972 um Punkt 16.00 Uhr war ein denkwürdiger Moment: Da erlosch die Flamme zur Gasherstellung im Gaswerk und es entstand eine neue Ära.

Blick oberhalb von Stuttgart-Gablenberg über das Neckartal. Den Gaskessel, ihn kann man nicht übersehen. Der Schornstein in der linken Bildhälfte gehört zum Kraftwerk Münster. Ganz im Hintergrund reicht der Blick von den Löwensteiner Bergen bis zum Schwäbisch-Fränkischen Wald

Auf dem Gelände Richtung Kraftwerk Gaisburg – neckaraufwärts – befand sich ein Schiffsanlegeplatz. Mit Schiffen wurde – neben der Eisenbahn – die Kohle angeliefert. Auf dem angrenzenden riesigen Gelände wurde diese zwischengelagert, bis sie auf Förderbändern in das Gaswerk transportiert wurde, um daraus das Gas herzustellen, damit der großen Bedarf Stuttgarts gedeckt werden konnte.

Entsprechend kontaminiert sind die Böden auf dem Gaswerk, die heute sukzessive saniert werden. Doch all die toxischen Stoffe, die bei der Gas- und der Teerherstellung in die Böden gesickert sein dürften, sie werden sich wohl nie ganz beseitigen lassen. Es gibt wohl auch heute noch Stellen im Werk, da sollte man besser nichts Brennendes fallen lassen. Demzufolge herrscht im gesamten Gaswerksgelände heute noch striktes Rauchverbot. Auch heute wird auf dem Gelände noch Gas zwischengelagert.

Und da in allen Kraftwerken, und ganz besonders im Gaswerk, eine latente Unfallgefahr immer allgegenwärtig war, kam den Schwestern in den Sanitätsräumen eine ganz besondere Stellung zu. Sie waren die Königinnen. Immer umschwärmt, als Anlaufstelle für allerlei Wehwehchen, kleinere und größere, oder nur als geduldige Zuhörerin wenn es daheim mal wieder familiäre Probleme gab. Sie hatten für alles und für jeden ein offenes Ohr, und wussten oftmals mehr als manch anderer.

Auf demselben Gelände entlang der B 10 und parallel zum Neckar befindet sich das Kraftwerk Gaisburg, welches Strom und Wärme erzeugte. Neckarabwärts nahe dem Mineralbad Leuze das Wasserwerk mit seinem vielgerühmten Wasserlabor. Das gesamte Gelände vom Kraftwerk Gaisburg bis zum Wasserwerk Berg erstreckt sich über viele Kilometer. Das Wasserwerk, ein ganz eigener Kosmos, mit sehr individuellen Beschäftigten. Ob sie wussten, dass die TWS auch Strom und Gas vertrieb?

Weiter Neckarabwärts befindet sich in Stuttgart-Münster das Kraftwerk Münster, in dem der Hausmüll von Stuttgart fachgerecht verbrannt wurde und auch heute noch wird. Es lieferte Strom, und Wärme für das Fernwärmenetz Stuttgarts. Nicht zu vergessen die vielen Laufwasserwerke entlang des Neckars, die aus Wasser Strom erzeugten. Ein Novum für die Stromerzeugung war das Pumpspeicherwerk Glems an und auf der Schwäbischen Alb.

In einigen Betriebswerken gab es auch ein Rohrpostsystem, eine schnelle Postübermittlungsmethode von Schriftgütern, das komischerweise heute wieder eine Renaissance erlebt.

In den großen Betriebswerken gab es auch eine Lichtsignalanlage. Das Leuchten von Gelb, Grün und Rot in einer bestimmten Reihenfolge, sowie mit einem akustischen Klingelton untermalt, übermittelte, wer gesucht wurde und sich bei einer bestimmten Stelle melden sollte oder musste. Auch verschiedene Alarmszenarien – besonders im Gaswerk und den Kraftwerken – kamen den Leuchtsignalen zu.

 

Der Betriebsrat

Eine ganz besondere Stellung hatte der Betriebsrat inne, wie es eigentlich in jedem Unternehmen dieser Größenordnung eine Selbstverständlichkeit war und ist. Aber bei den TWS, das war schon etwas ganz Spezielles. Nicht nur, dass  im Sommer ein vielbesuchtes Kinderfest im TWS-Heim veranstaltet wurde, nein, der Betriebsrat war um die Sorgen und Nöte der Beschäftigten stets bemüht. Wenn jemand wollte, dass eine Nachricht oder ein Gerücht eine möglichst schnelle Verbreitung finden sollte, so teilte man dies einem Mitglied des Betriebsrates unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit. Der Flurfunk sorgte sodann für eine rasche Verbreitung und zwar schneller als alle anderen Kommunikationsmethoden! Tja, das waren noch Zeiten…

Aber es gab auch ganz andere: Ein Betriebsrat mit langen Haaren, unkonventionell und einer Affinität zu Harley-Davidson. Einer der ganz Wenigen mit sozialer Kompetenz und Herz, der sich immer nachhaltig um die Menschen kümmerte. Er war in der Riege der Betriebsräte ein Leuchtturm und ein Mensch mit absoluter Vorbildfunktion!

Unter den Betriebsratsvorsitzenden gab es einige, die dieses Amtes und der Stellung in dem Unternehmen würdig waren.

Ein wörtliches Zitat des Betriebstatsvorsitzenden anlässlich der Jahresfeier 1990:

…es wird Zeit, dass gestandene Kommunalpolitiker, wie Sie Herr Oberbürgermeister, ihre Stimme laut erheben, um solchem Tun Einhalt zu gebieten. Man hat, wenn man den Leuten in Brüssel zuhört, das dumpfe Gefühl, dass dort nicht Politiker über die Zukunft Europas vernadeln, sondern internationale Großbanken und Wirtschafsimperien darüber beraten, wie sie die Gewinne für die nächsten Jahrzehnte in Europa verteilen.“ Manche weise Menschen erkannten schon damals wie der sprichwörtliche „Hase läuft“.

 

Die Menschen und ihr Wirken

Und dann gab es nicht Wenige, deren Dienst meist um 7 Uhr begann, die aber schon um halb sechs an ihrer Arbeitsstelle waren um den Kollegen ein Frühstück zuzubereiten. Und das nicht während der Arbeitszeit, sondern in ihrer Freizeit.

Es fand sich auch Zeit zum „Schwätzen“, zu einer Zeit als noch nicht jede Minute einem Auftrag, einem Projekt oder einer Kostenstelle akribisch zugeordnet werden musste. Und so entstand auch die ein oder andere „Heimarbeit“, heute ein Ding der Unmöglichkeit. Leider verursachte dies nicht zurechenbare Kosten. Viele begründeten dies damit, dass ja das Lohn- und Gehaltsgefüge nicht so hoch angesiedelt war wie in der Stuttgarter Industrie, wie zum Beispiel bei den Platzhirschen Daimler oder Bosch. Da nahmen sich einige dann doch gewisse – meist tolerierte – Freiheiten heraus, die heute undenkbar sind. Aber so wars halt. Auch eine gewisse Art, der heute so viel und gerne zitierten „Work-Life-Balance“, halt anders interpretiert und ausgelegt, eben zu den Gegebenheiten der damaligen Zeit.

Es war eine Zeit, in der die Mitarbeiter noch nicht von einem Termin zum nächsten hetzen mussten und für alles akribisch ein Rechenschaftsbericht abgegeben werden musste. Heute ist die Überwachung nahezu lückenlos, wir sind nur noch fremdgesteuert.

 

Küchen und Kantinen

Überhaupt, das Küchenpersonal: Leckere Speisen zur Auswahl wurden zum Mittagstisch angeboten. Und bei festlichen Veranstaltungen wuchsen sie förmlich über sich hinaus. Da konnte man sehen und schmecken was sie alles zubereiten konnten; das waren Menüs auf Sterneniveau, die Ihresgleichen suchten und den Vergleich nicht zu scheuen brauchten. Auf Vorbestellung war es für die Mitarbeiter möglich, das die Küchenmeister für sie fertigten – oder nein, für sie zelebierten  –  nämlich vor Ostern das schwäbische Nationalgericht: Maultaschen. Und zwar von solch erlesener Qualität wie man sie heute nur noch in der Küche von Schwäbischen Hausfrauen antrifft, nach alten überlieferten Rezepten der Großmutter.

 

Innovatives

Lange bevor die Elektromobilität in aller Munde war, gab es bei den TWS in den 80er Jahren ein paar Elektro-Golf, die zu Forschungs- und Entwicklungszwecken von der Abteilung Np (Netzplanung) betreut wurden. Für Dienstfahrten wurden dann meist doch lieber Fahrzeuge mit dem bewährten Verbrennungsmotor gewählt, die „Stromer“ waren halt doch zu störungsanfällig und die Technologie steckte noch in den Kinderschuhen. Sie war noch nicht ausgereift und für die Großserie vorgesehen. Versuchs- und Forschungsfahrzeuge eben, und die TWS war damals mit ein Wegbereiter. So sah man die „Stromer“ oftmals auf einem Abschleppwagen, wie sie wieder heimwärts in den Stöckach Huckepack gebracht wurden. Es waren Prototypen, die gemeinsam mit VW erprobt wurden und sie ließen sich öffentlichkeitswirksam und marketingtechnisch prägnant und perfekt ins Licht der Öffentlichkeit setzen.

In den 50er Jahren war das TWS-Heim besonders an den Abenden, Wochenenden und zu den Feiertagen rege besucht und erfreute sich äußerster Beliebtheit. Der später angebaute „Große Saal“ wurde hinter dem Sommerrestaurant erstellt

Das TWS-Heim – später Heinrich-Kaun-Freizeitheim

Überhaupt das TWS-Heim: Man traf sich am Wochenende mit Kind und Kegel, verbrachte seine Abende dort oder die ganzen Ferien. Da das äußerst preiswerte, sehr gute und reichhaltige Essensangebot nicht verborgen blieb, so kamen auch viele Betriebsfremde in diese Stuttgarter Idylle und man griff – zumindest an den Wochenende – zu drastischen Maßnahmen: Es gab eine Zugangskontrolle, die meist ein Rentner durchführte. Dieses Filetgrundstück auf der Waldau in Degerloch mit seinem ausgedehnten Park, seinem großen Spielplatz und dem Plantschbecken; es war für viele eine Art Urlaub. Man traf sich, es waren richtige Freundschaften die am Arbeitsplatz entstanden und sind dort mit den Familienangehörigen vertieft worden. Im TWS-Heim gab es einen großen Saal für Veranstaltungen, Besprechungsräumlichkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste in einem Seitentrakt. Es wurden die Jubilarfeiern, Lehrabschlussfeierlichkeiten und auch die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes und den Arbeitgebervertretern abgehalten worden. Die dort getroffenen Beschlüsse waren deutschlandweit bindend. Dann war immer Ausnahmezustand. Der zuständige Hauptabteilungsleiter kümmerte sich höchstpersönlich um die Verhandlungspartner aus Politik und Gewerkschaft und es war schon immer etwas Besonderes, wenn der Deutsche Innenminister mit dem Hubschrauber auf einem benachbarten Sportplatz landete. Scheinbar gefiel es den Herrschaften im TWS-Heim ganz besonders, und das nicht nur wegen der schönen Lage…

Die Kinder erfreuten sich an den zahlreichen und fantasievollen Gerätschaften auf dem Spielplatz

Soziales, Sport- und Hobbygruppen

Auch die Sport- und Hobbygruppen nutzten das TWS-Heim, sei es die Tanzsportgruppe, die Faustballer oder die Kegelgruppen.

Folgende Sport- und Hobbygruppen (ohne Gewähr dafür, dass die Auflistung vollständig bzw. korrekt ist – es liegen derzeit keine gesicherten Quellen vor) gab es bei den TWS:

Chor

Orchester

Fotogruppe

Briefmarken- und Münzengruppe

Tennis – gemeinsam mit der SSB (Stuttgarter Straßenbahnen AG)

Fußball

Faustball

Volleyball

Modelleisenbahngruppe

Tanzsport

Kegelgruppen

Schachgruppe

Radsportgruppe

Gymnastik

 

Die Klangkörper Chor und Orchester

Überhaupt die „Klangkörper“ der TWS: Chor und Orchester.

Chor und Orchester waren das kulturelle Aushängeschild der Technischen Werke der Stadt Stuttgart AG. In den Nachfolgeunternehmen der TWS ist für so etwas kein Platz mehr…

Sie hatten einen gewissen Nimbus innerhalb des Unternehmens, den sich heute so in der Form keiner mehr vorstellen kann. Unantastbar, gehätschelt, gehegt und gepflegt wie eine Nymphe, wurden sie durch die Vorstände protegiert und erhielten mannigfaltige Zuwendungen seitens der Unternehmensführung. Proben sowie Auftritte wurden in die Chor- und Orchesterkasse mit einem Obolus honoriert, denn damit wurde dann immer der gemeinsame jährliche Ausflug finanziert oder die Anschaffung von Instrument oder Notenmaterial. Der Ausflug, das war – auch für die Angehörigen – immer eines der jährlichen Highlights.

 

Das Sommerfest von Chor und Orchester fand jedes Jahr statt. Es war ein Magnet für die Betriebsangehörigen mit ihren Familien. Dort wurden allerlei kulinarische Genüsse vom Grill geboten, Frischgezapftes vom Fass und ein gepflegtes Viertele

Ebenso das im Sommer stattfindende Grillfest im TWS-Heim, dessen Erlös wiederum in die Kassen von Chor und Orchester floss. Viele der Mitglieder waren zuerst im Orchester und wurden dann im Unternehmen aufgenommen um sie ja nicht zu verlieren. Früher hatte die Unternehmensführung noch einen ganz anderen Bezug zur Kultur; zu musischen Dingen und deren Bedeutung für die Gesellschaft. Man war seitens der Vorstände sehr auf die Qualität bedacht und so wirkte das Orchester für so manchen Berufsmusiker wie der Schlüssel zu einer Festanstellung in einem sicheren Unternehmen. Die Erfolge sprachen Bände: Schallplatten, alle Feierlichkeiten des Unternehmens wurden konzertant begleitet, zahlreiche Konzertreisen durch Deutschland und benachbarte Länder. Das hatte was, auch für das Unternehmen; ein Pfund mit dem man wuchern konnte. Chor und Orchester waren das musikalische Aushängeschild des Unternehmens und eine Art Visitenkarte!

Dienstags probte der Chor, Donnerstags abends das Orchester – immer in der Kantine der Hauptverwaltung in der Lautenschlagerstraße.

Die Höhepunkte waren immer die Jahresfeiern, Pensionärsfeiern und das große Unterhaltungskonzert im TWS-Heim, sowie die zahlreichen Einladungen bei befreundeten Unternehmen, vorzugsweisem bei Energieversorgungsunternehmen.

Die Jubilarfeier in TWS-Heim (später Heinrich-Kaun-Heim). Die Ehrengäste wurden samt ihren Ehepartnern von zuhause abgeholt und nach der Veranstaltung wieder zurückgebracht. Vorstände und Betriebsräte bekundeten auf diese Weise ihre Wertschätzung gegenüber den Jubilaren. Die Küchenmannschaft zeigte bei solchen Veranstaltungen, dass sie auf Sterneniveau zu kochen in der Lage war

Solch einen „TWS-Blitz“ bekam jeder Jubilar für seine 25- oder 40-jährige Betriebszugehörigkeit

Werkbücherei

Ja auch das gab es, als die Menschen noch ein Buch lasen. Die Betriebsangehörigen, sie konnten sich dort die neuesten Bücher ausleihen. Heute – unvorstellbar, was das für  Kosten verursacht…

 

Eine große Familie

Es waren ganze Generationen von Familien bei den TWS beschäftigt. Ehen entstanden, ja ,man kann sagen, es war eine große Familie. Es wurden bevorzugt Lehrlinge eingestellt, bei denen zumindest ein näheres Familienmitglied im Unternehmen bereits angestellt war. Man saugte die TWS quasi schon mit der Muttermilch auf und hatte dann den entsprechenden „Stallgeruch“ verinnerlicht. In den 50iger bis in die 80iger Jahre gab es ein Gemeinschaftsgefühl – tja, man kann schon sagen: Es waren Freundschaften. Die Generation, die den Krieg miterleben musste, diese hatte eine ganz andere Qualität und Dimension. Es wurden Betriebsausflüge organisiert oder man verbrachte gemeinsame Urlaube miteinander. Es gab Vertrags-Ferienpensionen im Schwarzwald und im Allgäu, in denen die Betriebsangehörigen mit ihren Familien den wohlverdienten Urlaub verbringen und genießen konnten. Das waren noch Zeiten als die Menschlichkeit einen zentralen Stellenwert genoss.

Eine Generation, die Entbehrungen und Schrecknisse erleben musste und die einen deutlich anderen Bezug zu Werten und einer Gemeinschaft – in dem hier vorliegenden Fall den TWS – hatten und sich darin geborgen fühlten. Das war noch eine ganz andere Generation als das heutige Geschäftsgebaren mit permanenter Gewinnmaximierung und wo der Mensch nur als Kostentreiber auf einer Kostenstelle definiert wird. Lassen Sie sich das einmal auf der Zunge zergehen: „HR – Human Resources“… Alles klar?

Es herrschte ein starker Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern, es gab Freundschaften zwischen ganzen Familien, das war es, was eine Gemeinschaft, ein Unternehmen stark macht und auch in der Außenwirkung ein einheitliches Bild abgab, für das heute Unsummen in Marketingmaßnahmen gesteckt werden. Die Menschen waren mit Stolz erfüllt in so einem Unternehmen arbeiten zu dürfen.

Die angebotenen Sport- und Hobbygruppen taten dafür ihr Übriges um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

 

Das Leben bei den TWS

Es gab noch keine Handys so wie heute, wo jeder glaubt, überall und permanent erreichbar sein zu müssen. Im Außendienst wurde mit den Monteuren über den betriebsinternen Funk kommuniziert. Und in Stuttgart, da gab es sehr viele Funklöcher… naja, auch bedingt durch die topografischen Gegebenheiten Stuttgarts… Wenn früher ein Dienstwagen mit Funk ausgestattet war, dann musste der Fahrer eine ganz besondere Stellung inne haben. Es war eine Art von damaligem Prestige und Status. Wenn ein Mitarbeiter „draußen“ im Außendienst war, und hatte nicht diese segensreiche Erfindung, dann war man schlicht nicht erreichbar. Viele hatten ihre geheiligte Ruhe und konnten ihrer Arbeit nachgehen oder sonst etwas tun, das keiner wissen sollte. Meist Heimarbeit oder private Besorgungen – so sagt man, mit einem Augenzwinkern und einem schelmischen Grinsen um den Mund.  Auch das gab es, wenn auch selten, denn die Menschen waren doch mit der sprichwörtlichen Gabe der Verantwortung gesegnet.

Quartalsweise wurde die „TWS-Stimmen“ publiziert. Eine Mitarbeiterzeitschrift, die auch den Pensionären selbstverständlich per Post zugeschickt wurde. Wenn in einer x-beliebigen Abteilung das Heft verteilt wurde, dann folgte darauf eine fast schon unnatürliche Stille. Jeder führte sich das Heft, ja fast schon augenblicklich, zu Gemüte und man war auch schon ein wenig neugierig, was es wieder Neues gibt und ob jemand abgebildet ist den man kennt; wer Nachwuchs bekommen hat oder wer gestorben ist. Neu ins Unternehmen eingetreten ist, in den verdienten Ruhestand oder geheiratet hat. Das Heft wurde vom Referat Öffentlichkeitsarbeit herausgegeben und redaktionell betreut.

Die TWS-Stimmen. Jahrzehntelang das interne Medium

Überhaupt war man sehr darauf bedacht, nach außen hin in der Öffentlichkeit ein gutes und sauberes Bild abzugeben. Jeden Morgen wurden von dem besagten Referat Öffentlichkeitsarbeit alle Zeitungen von einer Mitarbeiterin durchgelesen, relevante Artikel ausgeschnitten, auf DIN A 4 Blätter geklebt, fotokopiert und an alle Vorstände, Hauptabteilungen und sonstige wichtige Organisationseinheiten verteilt.

Als die ersten Faxgeräte aufkamen, das war schon etwas, wenn jemand ein Fax bekam oder eines verschicken musste. Meistens war ein Faxgerät auf einem Stockwerk, bedienen durfte man es nicht selber, denn dafür gab es eine Beauftragte und es wurde akribisch über die Ein- und Ausgänge Buch geführt.

Früher gingen die Angestellten im Büro gepflegt zur Arbeit; bei den Herren war es obligatorisch, dass sie mit Anzug und Krawatte zum Dienst erschienen, nie kam jemand auch nur ansatzweise auf die Idee krawattenlos zu erscheinen, das kam fast schon einem Sakrileg gleich. Das traf auch auf die Angestellten zu, die keinerlei Kundenkontakt hatten. Wie sich die Zeiten doch ändern…, alles wird heute legerer, ein Stück Kultur geht verloren… – vielleicht auch der Respekt vor der eigenen Tätigkeit, dem tagtäglichen Tun?

 

Die Bauten

Das mittlerweile abgerissene Verwaltungsgebäude in der Lautenschlagerstraße 21 hätte mit Sicherheit – von der Bausubstanz her betrachtet – in 100 Jahren noch genauso ehrwürdig dagestanden. Der Verwaltungsbau des Betriebswerkes Stöckach an der Hackstraße war nach ein paar Jahrzehnten in einem schon als desolat zu bezeichnenden Zustand, dass es für einen weiteren Fortbestand eigentlich einer Kernsanierung bedürfte. Die benachbarten Bauten aus den 50er Jahren, die würden auch in 100 Jahren noch intakt da stehen, wenn sie nicht vorher dem Erdboden gleichgemacht werden. Und danach sieht es derzeit sehr verdächtig aus. Um das Verwaltungsgebäude wäre es nicht schade, jedoch um die alte Bausubstanz der in den 50iger Jahren errichteten Gebäude sehr wohl!

 

Die TWS

Die TWS war aber auch ein Unternehmen, das den Zeitgeist widerspiegelte. Konservative Führungsstrukturen, sehr wertkonservativ und war mitunter Veränderungen nur sehr schwer aufgeschlossen. Man agierte nach dem Motto: „Das haben wir schon immer so gemacht und es klappte bisher immer bestens“.

Die kaufmännischen Bereiche, diese litten auch damals zu TWS Zeiten schon unter einem enormen Zeitdruck, so wie heute auch, nur heutzutage noch schlimmer.

Karriere machen war schwierig, zu starr und unflexibel die Strukturen. Wenn jemand auf einem Posten saß, dann meistens bis zur Rente oder er rutschte die Karriereleiter nach oben, was ja auch gelegentlich vorkam. Karrieren – oder das heute übliche Wort „Postengeschachere“ – waren durchaus im Bereich des Möglichen, vorausgesetzt, man hatte das richtige Parteibuch.

Die Organisationsstrukturen, sie blieben im Laufe der Jahre meistens gleich. Veränderungen oder innovative Gedanken, das waren keine Worte, die in dem Wortschatz der Entscheidungsträger eine dominante Rolle spielten. Nichts veränderte sich groß, warum auch, es funktionierte doch alles bestens…

Ein Organigramm der TWS aus den Anfängen der 80er Jahre, welches uns noch kurz vor Redaktionsschluss erreichte

Wie manche Abteilungsleiter- oder Hauptabteilungsleiterposten besetzt wurden, das erschließt sich auch heute noch nicht immer so ganz. Vermutungen legen nahe, dass sie nicht nach der entsprechenden Qualifikation ausgewählt wurden, sondern eher danach, woher der Wind gerade wehte (und hier besonders im sozialen(!) Bereich der 80er Jahre). Manche wiesen geradezu despotische Züge auf, ihnen fehlte jegliche Führungs- und soziale Kompetenz.

Und Despoten, die gab es unter den Führungskräften zuhauf. Vorgesetzte mit masochistischen Zügen und Neigungen, die ihre Mitarbeiter mobbten; es gab vielerorts keinen kooperativen Führungsstil sondern mitunter einen sehr autoritären. Wie man Mitarbeiter erfolgreich führt, das war damals ein Fremdwort und war bei vielen im Sprachgebrauch und im Tun ganz einfach nicht vorhanden. Da gab es unter den Führungskräften fachlich mitunter herausragende Kapazitäten, das Führen und Anleiten von Mitarbeitern ließ oftmals sehr zu wünschen übrig. Da hätte es durchaus Entwicklungspotenzial gegeben. Große Abteilungen mit einigen hundert Mitarbeitern bis zur kleinsten Abteilung, die nur aus dem Abteilungsleiter und seiner Sekretärin bestand. Die Referatsleiter hatten einen besonderen Nimbus, sie unterstanden direkt dem jeweiligen Fachvorstand. Aus heutiger Sicht waren viele Organisationseinheiten aufgebläht und so mancher Vorgesetzte widmete sich während seiner Arbeitszeit ausgiebig seinem Hobby.

Doch dort wo viel Licht, dort auch viel Schatten; manche Führungskräfte und Mitarbeiter sahen die TWS auch als eine Art Selbstbedienungsladen an. Rief man in das ein oder andere Haus oder Wohnung „TWS komm raus“, dann blieb meist nicht mehr viel drin. Diese Art der Bedienung wurde dann gerne zitiert getreu dem sogenannten „Argument“: „…woanders würde ich deutlich mehr verdienen“.

Besonders der „Spiegel“ schrieb in den 50er Jahren den ein oder anderen Artikel über den damaligen Generaldirektor der TWS. Und die ließen kein sehr rühmliches Haar an ihm und so mancher Führungskraft. Filz, obskure Machenschaften, dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen konnte. Nicht sehr gelungenes Führungsgebaren in dem Unternehmen, aber man hatte ja eine Monopolstellung in Stuttgart und das waren nun mal Strom, Gas, Wasser und Wärme. Darauf war Stuttgart angewiesen, auch wenn es damals ja quasi noch ein „städtisches“ Unternehmen war. Es gab ehedem sogar noch Beamte. Die Mauscheleien, sie zogen sich durch die ganze Historie der TWS wie ein Roter Faden, nur leider lässt sich das heute nicht mehr nachvollziehen, da die Zeitzeugen mittlerweile alle verblichen sind und das mit der Überlieferung immer so eine Sache ist und man immer auf einem sehr schmalen Grat der Wahrheitsfindung wandelt. Rückblickend verklärt sich auch so manches und löst sich in Wohlgefallen auf. Liest man den oben zitierten „Spiegel“-Artikel – dann ist man schon ein wenig schockiert wie es damals in der Führungsetage zuging; wobei anzumerken sei, dass es in den Mainstreammedien mit der Wahrheit auch nicht immer genau genommen wurde und man hier sehr genau differenzieren muss, um den Wahrheitsgehalt daraus zu destillieren.

 

Anekdoten

Es gab schon Leute, die an Skurrilität nicht zu überbieten waren…

Es gab da einen Freileitungsmeister, dem seine immer schiefsitzende Pudelmütze wohl mit ihm verwachsen war. Er war mit einem ausgeprägten Humor und Sarkasmus gesegnet und hatte immer einen schlüpfrigen Witz auf den Lippen. Wenn er auf Freileitungskontrolle unterwegs war stieg er nie selber auf die Masten, das überließ er seinen Monteuren. Er besah sich von unten alles mit einem Feldstecher, und dirigierte vom Boden aus nach guter alter Feldherrenart. So stand und schwadronierte er immer mit stetem Blick nach oben gerichtet durch die Pampa. Unvergesslich sein Ausspruch: „Wo sen moine Loitra?“ krächzte er im tiefsten breitestem Schwäbisch wobei die Pudelmütze noch ein bisschen schräger geriet und zwar in einem solch bedenklichen Ausmaße, dass sie ihm gleich vom Haupte zu fallen schien. Irgendein Monteur hatte die riesigen Anhänger, auf denen die Leitern montiert waren irgendwo abgestellt, und der war dann in den Urlaub entschwunden und keiner wusste, wo sie standen. Man kolportiert auch heute noch, dass der Freileitungsmeister im BW Möhringen sogar ein Büro gehabt haben soll, aber ob die Überlieferungen immer stimmen? Können wir heute nicht mehr nachprüfen; den Wahrheitsgehalt. Oder ob sein Büro ein Bauwagen gewesen sein soll? Wer weiß…

Gab es einmal eine Störung in einem Stuttgarter Rotlichtviertel oder einem anderen großen Etablissement, das zog sogleich alles an, was einen PKW oder LKW fahren konnte. Wie die Motten dem Licht entgegen schwirren, so kamen ganze Dienstfahrzeugkolonnen  zu dem Ort des Geschehens. Man wollte ja nur schauen, ob man helfen konnte oder musste… so lautete unisono die Antwort auf die Frage was sie dort zu suchen haben. Nie sah man eine so geballte Masse an Dienstfahrzeugen auf einem Fleck. Fehlte bloß noch, dass sich die Kaufleute und Einkäufer auch noch ein Stelldichein gaben, um ja schnell ein Kontierungselement aufmachen zu können, damit die Monteure gleich ihre Stunden hätten auskontieren, bzw. dass sofort eine Bestellung an die ausführende Tiefbaufirma hätte getätigt werden können. Aber die Kaufleute, die hatten in der Regel kein Dienstfahrzeug zur Verfügung.

Oder der Stromentstörungsdienst: Das waren immer die Ersten die bei einem Strom-Schadensfall am Ort des Geschehens waren um die Schäden zu lokalisiere, erste Sicherungsmaßnahmen einzuleiten und ggf. die Stromversorgung wieder herzustellen. Oft genug kam es vor, dass sie beschimpft wurden, wenn die schwäbische Hausfrau gerade ihren Hefezopf im Backrohr hatte als der Strom ausfiel. Die Entstördienstmonteure, das war ein ganz besonderer Menschenschlag. Das Herz am rechten Fleck aber ganz und gar nicht auf den Mund gefallen – und von der Statur: Schränke…, es war die sprichwörtliche Elite unter den Monteuren mit jahrelanger Erfahrung. Wenn sich der Schaden nicht sofort beheben ließ und die Netzschaltungen nicht zu dem gewünschten Erfolg führten, dann wurde schon eines der riesigen Notstromaggregate zur Stromversorgung bereitgestellt, damit besagte Hausfrau ihren Hefezopf fertig backen konnte. Auch nicht immer angenehm, wenn das schallisolierte Monstrum vor sich hindieselte.

Oder der Mitarbeiter einer Vertriebsabteilung: Wie er ging – fast tänzelnd schwebte er über die Gänge und Flure. Immer braun gebrannt, halblange gepflegte Haare; auch die Erscheinung wie er gewandet war – wie aus dem Ei gepellt, als wäre er gerade einer Modenschau entsprungen. Keine Massenware die er am Leib trug. Die Hemden waren auf Maß und handgefertigt. Auf dem Parkplatz stand ein Sportwagen Zuffenhausener Fertigung. Entweder war er von Haus aus vermögend… und so schossen die Interpretationen und die Spekulationen ins unermessliche. Auf jeden Fall, der heißgeliebte Flurfunk, er bot genügend Gesprächsstoff für allerlei Mutmaßungen die allesamt sowieso nicht stimmten. Er war halt sparsam und legte Wert auf ein gepflegtes Äußeres.

Der Flurfunk: das war die beste Informationsbörse die man sich nur vorstellen konnte. Da sind alle heutigen sozialen Medien nichts dagegen… Und die heimlichen Liebschaften, die an irgendwelchen Kopierern begannen, still und heimlich, dass ja niemand etwas bemerken durfte. Die argwöhnischen Augen, sie sahen – fast – alles. Meist waren es unerfüllbare Sehnsüchte, die nie erloschen.

Dann gab es einen Angestellten aus einem technischen Bereich, bei dem man immer jede seiner Aussagen protokollieren musste, denn es konnte durchaus sein, dass er später die gesprochenen Worte durchaus als nicht gesagt abtat. Auch er wurde später in dem Konzern auf wundersame Weise Abteilungsleiter.

Man könnte Bände über die Anekdoten schreiben.

 

Der Niedergang der TWS

Die TWS war auch an anderen Firmen beteiligt; entweder zu 100% oder anteilsmäßig. Aus der Erinnerung von Zeitzeugen können hier folgende aufgeführt werden – ohne natürlich den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben: Thermogas Gas- und Gerätevertriesbs GmbH mit Sitz im Gaswerk, Rohrnetzberatung Stuttgart GmbH, GKN (Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar GmbH, TWS-Kernkraftwerk GmbH, Heizkraftwerk Stuttgart GmbH, Südwestdeutsche Ferngas GmbH, SBWV (Bodenseewasserversorgung), LWV (Landeswasserversorgung), GVS (Gasversorgung Süddeutschland), SVV (Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrs GmbH) usw.

Und dann kam zum 01.01.1997 der Knall. Die Fusion der „Technischen Werke der Stadt Stuttgart AG“ mit den „Neckarwerke Elektrizitätsversorgungs-AG“ in Esslingen zu den „Neckarwerken Stuttgart AG“. Da war sehr großer Unmut und Unruhe in beiden Unternehmen. Nicht nur die Angst vor einem möglichen Stellenabbau, sondern was viel entscheidender war und sich mancher Unternehms- oder Konzernlenker gerade heute einmal genauer ansehen und entsprechend bewerten sollte: Der Verlust von Werten und Kultur. Denn die sind hier maßgeblich zerstört worden. Das Einsetzen der inneren Kündigung bei vielen Mitarbeitern setzte weiter ein, als in den Jahren nach der Fusion die Aufsplittung in fünf Tochtergesellschaften vorgenommen wurde. Meist waren die Gründe dafür Vorgaben der Bundesnetzagentur. Die emotionale und innere Abnabelung zum Arbeitgeber setzte sich spätestens dann weiter fort bei der darauffolgenden Fusion mit der Energie Baden-Württemberg (EnBW) im Jahre 2003. Gingen die Beschäftigten bei der ersten Fusion noch geschlossen auf die Straße, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, dann ging bei der zweiten zwar auch ein Aufschrei durch die Reihen, die Identifikation der Mitarbeiter zum Unternehmen war sowieso schon nicht mehr vorhanden, und da war es eh schon egal. Alle weiteren Organisationsänderungen wurden mit nahezu stoischer Gleichgültig hingenommen, wenn man im Jahresturnus sich immer wieder in einem neuen Unternehmen wiederfand. Wie sagte zu vorgerückter Stunde ein Vorstandmitglied während eines Führungskreises anlässlich eines Kamingespräches in trauter Runde? Es war der größten Fehler bei der ganzen Fusioniererei, dass alle Entscheidungsträger die Marke „TWS“ in Stuttgart ausradiert haben. Da wurde sehr viel Porzellan zerschlagen, was nicht unbedingt auf einen strategischen Weitblick schließen lässt. Das haben sich letztendlich die gierigen Anteilseigner – im Falle der TWS die Landeshauptstadt Stuttgart – auf die Fahnen zu schreiben und letztendlich zu verantworten. Wo die Reise hingegangen ist, sehen wir nachdrücklich heute: Es gibt sie wieder, die Stadtwerke Stuttgart, aber keine TWS. Ein zerstückeltes Etwas, um das gestritten wird, wie um das Fell eines erlegten Bären. Man schämt sich dafür! Und zig-Millionen wurden dabei verbraten.

Die Folgeunternehmen, sie waren letztendlich eigentlich nichts weiteres mehr als leere – mit den entsprechenden thematischen Inhalten versehene – Worthülsen und in unregelmäßigen aber regelmäßigen Abständen fanden Umstrukturierungen und Namensänderungen statt. Nur nicht zum Wohle der Beschäftigen. Darüber sollten sich viele Führungskräfte einmal intensiv Gedanken machen, wie es den Beschäftigten dabei geht. Und das nicht nur in dem hier dargestellten Fall, sondern es ist eine generelle Herausforderung einer funktionablen Unternehmenskultur, wenn Werte verloren gehen. Schwülstige Formulierungen, wie man diese oder jene Unternehmensänderung verkauft – sei es dem Kunden oder den Mitarbeitern – das ist per se nichts weiter als Worthülsenakrobatik feinster Marketingpsychologie. Wenn diese Verhalten betriebspsychologisch nüchtern und objektiv betrachtet werden, dann sind solche Entwicklungen höchst toxisch.

Was man jedoch auch nicht außer Betracht lassen darf ist, dass seitens der Bundesnetzagentur formelle und auch strukturelle Änderungen bei den Energieversorgungsunternehmen vorgenommen werden mussten. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema, über das sich vortrefflich philosophieren ließe.

Früher waren die Leute stolz, bei den TWS beschäftigt zu sein, aber bereits bei der ersten Fusion setzten die inneren Kündigungen ein. Und das ist das Schlimmste, was einem Unternehmen passieren kann. Bloß von dieser Entwicklung wollten oder konnten die Entscheidungsträger nichts wissen. So geht es, wenn man abgehoben und fern der Wirklichkeit agiert, eigentlich ein Todesurteil für jedes Unternehmen.

Ich glaube, die Geschichte, die Tradition, Zeitdokumente – sie sollen verschwinden. Dinge, die gut waren, Zeiten die schön waren, Mitarbeiter die lachen konnten, sollen wohl nicht im Gedächtnis bleiben… Nur Schuld an Allem, das soll aufrecht erhalten werden. Ein Blick in das tägliche Programmangebot der sogenannten Öffentlich Rechtlichen sprechen da schon eine sehr deutliche Sprache. Sühne und Buße tun, wie schon seit Jahrhunderten. Fragt sich langsam aber sicher immer mehr, wie lange noch und für was denn noch alles?

Vielleicht denken die Nachfolgeunternehmen der „Technischen Werke der Stadt Stuttgart AG“ einmal darüber nach, dass diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät, denn es sind die Wurzeln ihres heutigen Tuns. Noch ist Zeit dazu…

Denn diese Zeit war menschlich, als die Menschen auch noch lachen konnten!

Mit einem gewissen Abstand von einigen Jahrzehnten, da kann man über so etwas schreiben und aufschreiben, was einem die Zeitzeugen so erzählen und dann erscheinen auch nicht so angenehme Ereignisse, Geschehnisse und auch Menschen plötzlich – oder auch nicht – in einem anderen Licht. Die Beschäftigten waren nicht Burn-out-gefährdet, wie es heute in vielen Bereichen vorkommt.

Was bleibt zum Schluss noch anzumerken – rein subjektiv natürlich? Die gute alte Zeit, es war nicht immer alles schlecht, rückständig und schwierig sondern durchaus eine tolle Zeit. Mit Menschlichkeit, Wärme und im Rückblick betrachtet: Die Menschen bewegten etwas, brachten viel zustande… Zwar nicht immer nach betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen und Segnungen der Jetztzeit, aber trotz alle dem, es funktionierte alles perfekt. Die Stuttgarter Bevölkerung und die versorgten Gemeinden wurden zuverlässig mit Strom, Gas, Wasser und Wärme versorgt. Die Bereiche, die sich nicht so prägnant im Fokus des Geschehens befanden, waren der Bereich Telekommunikation (eine Hauptabteilung), die sich für die Kommunikation der städtischen Ämter und Krankenhäuser verantwortliche zeichnete, der Blitzschutz und nicht zu vergessen: Die Straßenbeleuchtung, damit den Stuttgartern und Marbachern des Nächtens ein Licht aufging; und das alles mit schwäbischer Präzision wie ein sprichwörtliches Schweizer Uhrwerk.

Vielleicht hat der ein oder andere Leser oder Leserin zu Hause noch ein Organigramm, ein Buch (da wurden ja zahlreiche publiziert, nur alle sind sie verschollen), ein Telefonbuch (der Stadt Stuttgart, denn als quasi städtisches Unternehmen wurde die TWS in diesem Buch gelistet), TWS-Stimmen, Fotos (!) oder sonstige Schriftgüter zu Hause, die er nicht mehr benötigt. Wir sind für alles überaus dankbar, vielleicht lässt sich bei entsprechender Nachfrage über diese Zeit der TWS ein Buch produzieren mit historischen Zeitdokumenten, Geschichten, Anekdoten, Bildern, kurzum, etwas für die Nachwelt. Für unsere Kinder und Enkelkinder. Machen wir es, bevor es zu spät ist und die Dinge in Vergessenheit geraten oder unrettbar auf dem Müll gelandet sind. Schade wäre es! Denn die glorreiche Zeit der TWS und Stuttgart, sie sollte bewahrt und der Nachwelt in einer Publikation erhalten werden. Möglicherweise gibt es auch noch weitere Zeitzeugen, die ihr Erlebtes zu Papier bringen möchten. Denn wenn diese einmal nicht mehr sein sollten, dann sind gewisse Anekdoten für immer verloren. Schade ist auch, dass es kein oder nur noch sehr wenig Fotomaterial über die TWS gibt. Wo sind nur all die hunderttausende Lichtbilder abgeblieben?

Bewahren wir die Geschichte und die Geschichten, bevor sie auf nimmer wiedersehen verschwunden und endgültig in Vergessenheit geraten sind.

 

Schreiben Sie ganz einfach eine E-Mail an:

redaktion [at] klassik-lust.de

 

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Jochen Soppa, Ulrich Bänsch, Privat, Archiv, Technische Werke der Stadt Stuttgart AG

Bilder aus folgenden Publikationen: Betriebswerk Stöckach (1955), Stuttgart und die TWS (1983)

Leider war es der Redaktion nicht möglich, mehr Bildmaterial für diesen Artikel zu erhalten, da die Nachfolgeunternehmen der Technischen Werke der Stadt Stuttgart AG wohl „keinen Zugriff“ auf Bildmateial aus  dieser Zeit haben „…da wir die notwendige Recherche derzeit und auf absehbare Zeit beim besten Willen nicht leisten können. Leider gibt es auch kein zentrales Bild-Archiv, das man „anzapfen“ könnte“.

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3 Antworten zu “Technische Werke der Stadt Stuttgart AG – TWS”

  1. AFu sagt:

    Hallo,
    vielen Dank. Mein Kollege hat mir diesen Link gegeben, und ich hab mir das gleich durch gelesen.
    Genauso, wie ich gebürtiger Bad Cannstatter bin, bin ich auch gelernter TWSler. 🙂

    Wenige Tage bevor die L21 geräumt wurde, habe ich den Paternoster noch genau im Film festgehalten, und war auch je oben und unten in der Maschinerie drin. – Dies findet man auf Youtube, wenn man nach „Paternoster TWS“ sucht. 🙂

    • Redaktion Klassik Lust sagt:

      Recht herzlichen Dank. Ein tolles Zeitdokument!

      Redaktion Klassik Lust

      • Richard Willmann sagt:

        Danke für dieses „Denkmal“ das der TWS gesetzt wurde. Ohne den alten Zeiten hinterher zu weinen, aber dies war eines der Unternehmen in dem eine Kultur gewachsen ist und gepflegt wurde. Wir sprachen von „unserer“ TWS. Heute mag es Peterstaler geben, aber TWSler waren wir aus Überzeugung. Danke Ulrich Bänsch für Deine Mühen und diesen tollen Artikel.

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