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TABAK TRAFIK … eine Österreichische Institution

Korrekt und in Amtsdeutsch heißt das Tabakfachgeschäft in Österreich die TABAK TRAFIK, aber jeder nennt sie in dem Alpenstaat nur kurz °Trafik“. Es ist die Bezeichnung für eine Verkaufsstelle von Tabakwaren, Zeitungen, Schreibwaren, sowie für diverses Kleinzeug, auch Souvenirs und sogar Fahrkarten und Pickerln bekommt man dort. Die Trafik ist ebenfalls Lotto- und Totoannahmestelle. Welche Dinge in einer Trafik verkauft werden dürfen und welche nicht, ist in einem mehrseitigen Schriftstück von der Österreichischen Monopolverwaltungs-Gesellschaft akribisch dokumentiert, die das Tabakverkaufsmonopol peinlichst überwacht. Ordnung muss sein.

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Durch die geringe räumliche Größe einer Trafik kann das nahezu unüberschaubare Sortiment an Zeitschriften nicht vollständig vorrätig sein. Der nette Trafikant oder die freundliche Trafikantin bestellt selbstverständlich gerne den gewünschten Titel

Historisch gesehen waren die Trafiken nach dem zweiten Weltkrieg als Erwerbsquelle für Versehrte, Soldatenwitwen oder schuldlos verarmte Beamte gedacht. Auch heute noch werden Menschen mit einer anerkannten Versehrtheit bei der Vergabe von Trafiken bevorzugt. Im Jahre 1979 wurden die Vergabekriterien ausgeweitet, so dass ab diesem Zeitpunkt vermehrt Menschen mit Zivilbehinderung in den Personenkreis aufgenommen wurden, welcher eine Trafik leiten darf.

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Solche Kleinodien findet man doch eher selten: Nostalgie pur…

Es gibt sogar eigene Standesregeln für den Berufsstand der Tabaktrafikanten. Eine Trafik zu leiten ist eine ehrenvolle Aufgabe und die Vergabe ist anspruchsvoll und streng limitiert. Denn nicht jeder Bewerber erfüllt zum einen die erforderlichen Voraussetzungen und zum anderen die moralisch einwandfreie Vita für solch eine Amtsausübung.

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… sie stehen in Graz berechtigterweise unter Denkmalschutz, damit sich auch nachfolgende Generationen an diesen außergewöhnlichen und vielfrequentierten Objekten erfreuen können

Die TABAK TRAFIK dient zur Sicherung der Nahversorgung mit Tabakerzeugnissen, denn der Handel mit Tabakwaren ist in Österreich streng den Tabaktrafiken vorbehalten. Das Tabakmonopol geht auf das Jahr 1784 zurück, als Kaiser Josef II. das Tabakmonopol erließ, bei dem schuldlos verarmte Beamte, deren Angehörige, aber auch Kriegsversehrte das Recht einer Tabakverkaufsbewilligung erhielten. Und dieses Gesetz hat bis in die heutige Zeit mehr oder weniger Bestand.

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Klein aber fein. Wenn sich mehr als drei Kunden zur gleichen Zeit nach ihren Zigaretten oder der Leselektüre in dem Lädchen umschauen – dann heißt es bei wohlproportionierten Menschen: Bauch einziehen und Luft anhalten

Ein wesentlicher Grundsatz bei der Vergabe solch einer begehrten Trafik ist der, dass möglichst vielen, durch eine Behinderung eingeschränkte Menschen, eine wirtschaftlich nachhaltige Existenzgrundlage verschafft werden soll. Ein Kerngrundsatz, der in mach anderen Europäischen Ländern durchaus zu einem Denkanstoß anregen sollte. In Österreich ist das Tabakmonopolgesetz sowohl im Sozialgesetz, als auch im Wirtschaftsgesetz verankert.

Solch ein Tabakfachgeschäft dient dem Bestreiten des Lebensunterhaltes des Trafikanten und es besteht die Möglichkeit, dass es ein Nachfolgerecht für nahe Angehörige gibt. Der Trafikant genießt mit der Nahversorgung an Tabakwaren Gebietsschutz. Neben den Trafiken gibt es auch noch Tabakverkaufsstellen – dabei handelt es sich um bereits etablierte Unternehmen – sei es ein gastronomischer Betrieb oder ein Lebensmittelhandel – welche zusätzlich Tabakwaren verkaufen dürfen, so sie die Berechtigung dazu haben. Diese bekommen die Lizenz nur dann, wenn sich eine Trafik nicht rentabel führen lässt oder wenn sich die Tabakgrundversorgung der Bevölkerung auf andere Art und Weise nicht sicherstellen lässt.

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Ist das gewünschte Heft nicht in der Auslage zu finden, dann besorgt die nette Grazer Trafikantin um die Ecke selbst außergewöhnliche Zeitschriftentitel

Die österreichische TABAK TRAFIK ist eine nationale Institution – und ich wage es jetzt einmal ganz salopp zu formulieren: ein Kulturgut. Diese kleinen Lädchen, mit meist nur wenigen Quadratmetern Grundfläche, sind Mikrokosmen, die man einfach erlebt haben muss. Kulturhistorisch betrachtet: wertvoll.

 

Text & Fotos: Ulrich Bänsch

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