Mercedes-Benz S-Klasse-Limousine der Baureihe 126

Seine königliche Hoheit – die Mercedes Benz S-Klasse W 126

Es gibt Automobile der Oberklasse und es gab einen denkwürdigen Vertreter, der unzweifelhaft als die Symbiose von Luxus, Stil und ausreichender Motorisierung anzusehen ist: Die Mercedes-Benz S-Klasse W 126. Einer der letzten Vertreter seiner Zunft, bevor die wie geleckt wirkenden Karosserieformen ihren Einzug in die Automobilhistorie hielten.

Groß und mächtig – die S-Klasse W 126 mitten auf dem Stuttgarter Schlossplatz

Der Mensch hat ja bei manchen Dingen die Eigenschaft, äußerst wertkonservativ zu sein. Das bitte ich jetzt nicht als negativen Unterton anzusehen, sondern als durchaus positiv gemeint.

Als ich der neuen S-Klasse (W 126) das erste Mal angesichtig wurde – bei der Fa. Bosch, als ich als damaliger Schüler einen Ferienjob bei ebendiesem Automobilzulieferer hatte – war ich schockiert. Ich empfand den W 126 als Kulturschock und als Verrat an dem Vorgänger (W 116) und an der Sache schlechthin. Hatte  man sich doch an dieses Automobil im Straßenverkehr gewöhnt und dieses als Inbegriff DER S-Klasse und  des Luxus definiert. Und jetzt das: Ein Schiff, ein Schlachtross, das vieles verkörperte: Opulenz, Macht, gravitätisches Auftreten, Souveränität und Überlegenheit. Die Wertewelt bedurfte einer kleinen Kurskorrektur. Ein neues Anspruchsdenken in diesem Segment der Repräsentations-, Oberklassen – bzw. Luxus-Automobile.

Der W 140 sieht auf diesem Lichtbildnis zart und filigran aus, stand dem W 126 jedoch – von den Abmessungen her betrachtet – in nichts nach

Es wurde der Luxusliner schlechthin, der durch sein Äußeres und die unnachahmliche Aura als Platzhirsch wahrgenommen wurde und auch heute noch wird. Aber wie es so ist, man gewöhnt sich an den neuen Anblick und nach kürzester Zeit wird der präsente Anblick im Straßenverkehr innerlich akzeptiert.

Der Luxusliner entwickelte sich zu DEM Repräsentationsfahrzeug und ist auch heute noch eine Augenweide

Wir schreiben den September 1979, als anlässlich der IAA in Frankfurt die neue Generation der S-Klasse der staunenden Weltöffentlichkeit präsentiert wurde. Zu Beginn der Auslieferung an die Kunden standen 4 Motoren zur Auswahl; vom 2,8 Liter 6-Zylinder Vergasermotor mit 156 PS bis zum klangvollen 5 Liter V8-Leichtmetallmotor mit Kraftstoffeinspritzung und 240 PS. Neben der Normalversion gab es auch den SEL – also die verlängerte Variante dieses an sich schon monströsen Oberklasse-Automobils. Mit 140 mm ist der verlängerte Radstand deutlich ausgefallen, was letztendlich der Beinfreiheit der Fondpassagiere zu gute kam. Deutlich ersichtlich ist dies an den langen Fondtüren.

Viel Leichtbau wurde umgesetzt, um den Treibstoffverbrauch zu reduzieren

Im Lastenheft bei der Entwicklung des W 126 standen neben der Erhöhung des Fahrkomforts auch die aktive und passive Sicherheit im Vordergrund, aber auch eine deutliche Reduzierung des Treibstoffverbrauches. Die Karosserieform wurde gegenüber dem Vorgängermodell deutlich windschlüpfriger gestaltet, was zusammen mit der Verwendung  von gewichtsreduzierenden Materialien in Summe einen reduzierten Kraftstoffverbrauch von etwa 10% bewirkte.

Die Hinterachse der S-Klasse – eine gewaltige Konstruktion. Mit ein Bestandteil, um den Insassen in der S-Klasse ein Gefühl zu vermitteln, wie auf Wolke-7 zu schweben

Die beiden 8 Zylinder-Motoren der Vorgängerbaureihe wurden durch Aggregate ersetzt, die einen größeren Hubraum aufwiesen und mit einem Leichtmetall-Kurbelgehäuse aufwarten konnten. 5 Liter statt 4,5 Liter Graugussmotor und 3,8 Liter statt 3,5 Liter Graugussmotor. Durch die Hubraumerhöhung erzielte höhere Leistung bei einer Reduzierung des Gewichtes ermöglichte den V8-Fahrzeugen verbesserte Fahrleistungen bei gleichzeitiger Reduzierung des Kraftstoffverbrauches. Unverändert übernommen wurde der 2,8 Liter 6-Zylindermotor, den es mit Vergaser oder Einspritzanlage gab. Der W 126 entstand unter der Ägide des späteren Mercedes-Benz Vorstandsvorsitzenden Prof. Werner Breitschwerdt und des legendären Fahrzeugdesigners Bruno Sacco.

Zu einer Zeit, als Stuttgart noch Stuttgart war!

Die Auslieferung der neuen S-Klasse fand ein paar Monate nach der Präsentation statt und die Fertigung endete zwischen den Monaten August und Oktober 1991. In der 12-Jährigen Produktionszeit wurden insgesamt 818.036 Limousinen in den Produktionshallen im Werk Sindelfingen hergestellt. Davon liefen 97.546 mit Dieselmotor vom Band. Lange Jahre stellte die S-Klasse der Baureihe W 126 die erfolgreichste Oberklasse-Baureihe in der Geschichte des Unternehmens dar. Der Nachfolger des W 126 wurde im März 1991 auf dem Genfer Automobil-Salon vorgestellt. Es war der W 140.

Der Nachfolger des W 126: Der W 140. Zur Einführung verspottet, da er deutlich zugelegt hat, noch größer und noch mächtiger – heute fangen die Sammler so langsam aber sicher an, sich um ihn zu reissen und er ist der Geheimtipp

Das war und ist Heimat. Gemütlich gediegenes Ambiente

Ja, die S-Klasse: Wenn man die „Kanzleitüren“  öffnet und sich in einen der Wohlfühlsessel geschmeidig gleiten lässt, umweht den Menschen etwas Erhabenes. An das kathedrale Raumgefühl, an das muss man sich erst einmal gewöhnen. Traditionelle Innenarchitektur – einfach zeitlos. Es ist besonders angenehm, wenn die Türen mit einem satten Plopp geschlossen werden; dieses sanfte und satte Geräusch schafft den Nimbus des Vertrauens, das findet man heute in fast keinem Automobil mehr. Das war noch deutsche – nein schwäbische – Wertarbeit. Und danach? Es umgibt einen der Klang der Stille. Aristokratisch scheint die Limousine erhaben über den Asphalt zu schweben, eben feinster automobiler Hochadel! Von außen wehen die Geräusche gedämpft herein. Fahren wir – nein wir gleiten und schweben – und nehmen uns Zeit für einen erlebnisreichen Tag in den wir mit Muße, galant sowie entspannt flanieren. Distinguierter Luxus eben. Fehlt eigentlich – besonders im Winter – nur noch der knisternde und wohlig behagliche Wärme abgebende Kamin; da wäre der Connaisseur fast geneigt, sich ein edles Tröpfchen zu genehmigen.

Wenn die mächtigen Kanzleitüren ins Schloss gefallen sind, dann herrscht im Innenraum: Stille!

Von seinem Aussehen her, ist der W 126 – nach unserer subjektiven Meinung zu urteilen – der logische Nachfolger des zur Legende gewordenen 300 SE /Typ 112. Beide waren Repräsentationslimousinen klassischer Schule. Barocke charismatische Opulenz und Eleganz sowie einfach … gigantisch anzusehende Schönheiten. Phänomenale Automobile.

Der 126er ist aus unserer Sicht der logische Nachfolger des 300 SE (W 112) der 60er Jahre. Wer wollte dmals nicht in so einem villenähnlichen Anwesen residieren mit solch fantastischen Automobilen vor der Haustüre? Eigentlich sind die Wünsche und Träume auch heute noch die gleichen

Das war das Ultimative. Repräsentative Auffahrt durch perfekt manikürte Rasenflächen, großzügiges Schlafgemach für die Automobile, rosenumrankte Terrasse – herrlich

Im Vergleich des W 126 zu seinem Vorgängermodell konnte man ja fast schon geneigt sein, von einem spektakulären Evolutionssprung der Formensprache zu sprechen. Da wirkt der 116er von seinem äußeren Erscheinungsbild eher zart, feingliedrig und filigran gegenüber dem als voluminöses Dickschiff anzusehenden Typ 126. Und das, obwohl der W 116 von den äußeren Dimensionen her nicht viel kleiner war als die neue S-Klasse…

Der sich leicht nach vorne neigende und erhabene massige chromumrandete Kühlergrill mit den verchromten vertikalen Querstreben wird von den leicht nach hinten gerückten Breitbandscheinwerfern flankiert. Ein majestätisches Erscheinungsbild, wie eine wuchtige und imperiale Residenz und glanzvoll in Szene gesetzt. Skulptural eben.

Das Gesicht war straßenbeherrschend. Gutmütig, vertrauenserweckend und mit dem obligatorischen Stern auf der Motorhaube

Durch seine monumentale Wirkung versinnbildlicht der W 126 Stärke, Macht und Dominanz und setzt für das ästhetische Empfinden neue Maßstäbe. Er verkörpert moderne und traditionelle Stilelemente, welche das automobile Selbstwertgefühl deutlich steigert und das Automobil auch nach Jahrzehnten nicht modisch verwelkt wirkt. Ihn als Design-Ikone zu bezeichnen dürfte wohl nicht anmaßend sein, spricht doch eine wohltuende Konstanz in der Designsprache von Mercedes-Benz aus diesem stattlichen Landsitz – oder sollen wir es besser formulieren: Schwerer Luxuskreuzer, Luxusresidenz oder Luxus-Yacht? Oder ist die S-Klasse ein repräsentatives Statussymbol der Königsklasse? Man darf es sich aussuchen…

Voluminöse Wuchtwumme. „Da wo ich bin, ist vorne“

Und wie sieht es heute aus? Es gibt Automobile, bei denen das optische Haltbarkeitsdatum schon einige Monate nach der Präsentation abgelaufen zu sein scheint.

Länge läuft. Trotz ihrer Größe wirkt die S-Klasse wohlproportioniert und leicht. Ein gelungener Wurf des Meisterdesigners Bruno Sacco

Das Wort „S-Klasse“ ist in der Zwischenzeit zu einem Synonym für zahlreiche Produkte geworden wenn etwas mit Luxus, Größe und Qualität bezeichnet wird. Quasi eine Umschreibung für Highend, als ein Innovationsführer, der dem Stand der Technik entspricht, aber auch Würde ausstrahlt und Werte verkörpert sowie als ein Ausdruck höchster Exklusivität und stilvoller Eleganz.

In einem Ambiente, in dem sich die S-Klasse sichtlich wohlfühlt

Die Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe W 126 ist eine zeitlose Ikone des Automobilbaus.

Man residiert in der S-Klasse mit beherrschendem Blick auf den, in der Sichtachse nach vorne majestätisch thronenden, Stern auf der Kühlerhaube.

Die S-Klasse macht überall eine gute Figur. Die Wertentwicklung hat in den letzten Jahren deutlich angezogen und ein Ende ist noch lange nicht abzusehen. Sichern Sie sich heute noch ein gutes Exemplar – denn preiswerter werden sie wahrscheinlich nicht mehr

Es waren Landhäuser auf Rädern, Anwesen mit Motoren und herrschaftliche Residenzen mit Stoßstangen.

Einfach herrlich!

Vor adligen Repräsentationsbauten fühlt sich der Sternenkreuzer gut aufgehoben

Drei Mercedes-Benz Limousinen-Baureihen: Kompaktklasse (Baureihe 201), Mittlere Klasse (Baureihe 124) und S-Klasse (Baureihe 126). Auf der Einfahrbahn und Teststrecke in Stuttgart-Untertürkheim

 

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Mercedes-Benz Classic

 

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2 Antworten zu “Seine königliche Hoheit – die Mercedes Benz S-Klasse W 126”

  1. CARISMA sagt:

    Sehr schön, herzerwärmend, da werden Erinnerungen wach, mein Vater hatte in den 60 iger Jahren einen so schönen Mercedes … so bequem, über Land zu fahren. Danke für den wunderbaren Artikel.
    PS: Manche Leute böser Zunge sagen, deutsche Automobile hätten einen Hauch von einem Panzer … nun denn, der Erfolg gibt der Marke Recht.

  2. Franklin Dogood sagt:

    Ein sehr schön formulierter Artikel über eines der besten und schönsten Autos der Geschichte. So schwer und robust, wie der W 126 wirkt so federleicht fährt er sich. Er wirkt tatsächlich wie ein Schiff, aber es reicht tatsächlich ein einziger Finger um das Lenkrad zu bewegen.
    Der Komfort, welchen man in diesem Automobil hat, ist kaum mit anderen Fahrzeugen zu vergleichen. Im meiner Kindheit hat der W 126 aus diesem Grund den Spitznamen „Sofa-Auto“ bekommen.
    Durch diese Popularität wurde diese Modellreihe in Südafrika vereinzelt sogar bis ’94 gebaut.
    Für mich ist auch die Coupé Variante zu erwähnen, welche für mich das schönste jemals gebaute Coupé ist.

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