Sauerbrunn – Bad Sauerbrunn

Die in „Sauerbrunn“ enthaltenen Wörter „Sauer“ und „Brunn“ deuten unzweifelhaft auf einen Brunnen bzw. eine Quelle hin. Sauerbrunn ist als Heilquelle hochoffiziell zertifiziert und liegt ungefähr 6,3 Kilometer nordwestlich der Gemeinde Stainz in der Weststeiermark auf einer Höhe von etwa 500 Meter. Fährt der Besucher von Stainz Richtung Quellgebiet, werden idyllische Orte und Weiler wie Wald in der Weststeiermark, Marhof, Trog und Sauerbrunn durchfahren, während sich die Straße bergwärts hangelt. Er kutschiert entlang sattgrüner Wiesen, quellfrischer Wasserläufe und an blumengeschmückten Gehöften vorbei; meist mit Blick auf den Gebirgszug der bis zu 2.140 Meter hohen Koralpe, die sich das Land Kärnten und die Steiermark teilen.  Die letzten Kilometer bis zu der – mitten im Wald gelegenen – Quelle mäandert dann doch recht schmal, aber mit ausreichenden Randstreifen, bei dem der Automobilist dem entgegenkommenden Verkehr bequem ausweichen kann. Ein idyllisches, schmales Sträßchen, das noch nicht von der Obrigkeit zur Sperrung entdeckt wurde.

Straße nach Sauerbrunn

Eine idyllische Straße führt nach „Bad Sauerbrunn“; der geneigte Automobilist oder Motorradler möchte am liebsten stundenlang auf den sich so hinmäandernden Straßen weiterfahren

Sauerbrunn Straße im Wald

Die Straße – sie ist schlichtweg ein Traum und wird gerne auch von Wanderern benutzt

Sauerbrunn an sich bezeichnet eine lose Ansiedlung von Häusern und Gehöften – eine Streusiedlung ohne festen Ortskern –  in der Katastralgemeinde Trog nordwestlich der Gemeinde Stainz. Sie befindet sich am Oberlauf des Stainzbaches in einem relativ engen Tal, welches als „Sauerbrunngraben“ ausgewiesen ist.

Stainzbach

Der Stainzbach unterhalb von „Bad Sauerbrunn“

Bereits vor knapp zwei Jahrtausenden entdeckten die Römer die wohltuende Wirkung dieser Mineralquellen. Zahlreich Münzfunde aus der Römerzeit dokumentieren dies nachdrücklich. Es muss um die Zeit von 292 bis 408 n. Chr., also in der Zeit der römischen Kaiser von Constantinus bis Arcadius gewesen sein, als sie sich in der heutigen Steiermark aufhielten. Und die Römer, sie wussten sehr wohl, was ihnen bekömmlich und wohltuend war. Es ist bekannt, dass sie sich den Spa-Anwendungen mit Leidenschaft hingaben, innerlich wie auch äußerlich. Das Wort Spa ist heute in aller Munde, wenn es um Wohlfühlanwendungen geht – besonders in den hochpreisigen Hotelkategorien und die Marketingherrschaften bedienen sich dieses Wortes mit geradezu leidenschaftlicher Hingabe.

Die mit dem Namen „Sauerbrunnquelle“ titulierte Gegend ist unter vielen Begriffen bekannt, wobei der Name „Sauerbrunn“ der geläufigste zu sein scheint: „Die Stainzer Johannesquelle“ – so vermerkt in der wissenschaftlichen Literatur über Mineral- und Thermalquellen der Steiermark – ist nur eine von vielen Namensgebungen. Heute weist die Schautafel an der öffentlich zugänglichen Wasserentnahmestelle das sprudelnde Nass als „Erzherzog-Johann-Brunnen“ aus. Auch hier gedenken die Menschen dem legendären und vielgeliebten Erzherzog Johann, der so viel Gutes in der Steiermark für die Menschen vollbracht hat.

 

„Sauerbrunn“ oder „Bad Sauerbrunn“ – wobei angemerkt sein muss, dass Sauerbrunn nie offiziell mit dem Wort „Bad“ geadelt wurde – umfasst mehrere Quellen. Es bezeichnet das Gebiet, in dem der Trogbach in den Stainzbach mündet. Der Stainzbach entspringt am Reinischkogel, einem Berg der Koralpe, auf 1.390 m.ü.A. (Meter über Adria – wird bis heute in Österreich verwendet und bezieht sich auf den mittleren Pegelstand der Adria bei Triest, das ja einstmals auch zu Österreich gehörte) und durchfließt den Sauerbrunngraben.

Sauerbrunn Schild

Der nach Gesundung strebende Mensch, er ist am Ziel: Sauerbrunn

Sauerbrunngraben:

In diesem Gebiet wurden in den letzten Jahrhunderten etwa 8 Quellen (Sauerwasseraustritte) erwähnt, jedoch fehlen bei einigen gesicherte und genaue Informationen. Am bekanntesten ist heute die „Erzherzog-Johann-Quelle“, welche frei zugänglich ist und an dem man dieses Heilwasser trinken und es sich abfüllen kann. Die Namensgebungen „Erzherzog-Johann-Quelle“ erinnert daran, dass dieser berühmte Habsburger einstmals der Eigentümer dieser Quellen war.

Sauerbrunn Brunnen

Der Auslauf der Erzherzog-Johann-Quelle, die schon mit vielen Namen gesegnet war

 

Sauerbrunn Erzherzog-Johann

Eine Hinweistafel gibt Aufschluss über die Erzherzog-Johann-Quelle in „Bad Sauerbrunn“. Auch Peter Rosegger hatte die heilsame Quelle besucht

Die Sauerwasseraustritte befinden sich an der Mündung des Trogbaches in den Stainzbach. Der Trogbach fließt durch den Mausegger Graben und wird in der Literatur und laut Überlieferung oft auch Sauerbrunnbach, Falleggbach oder Mauseggbach genannt. Der Stainzbach fließt durch den Sauerbrunngraben. Dies sei nur eine dokumentarische Erläuterung, wir wollen Sie ja durch solche weitreichenden Darstellungen nicht verwirren…

Im Laufe der letzten Jahrhunderte wurden für die Quellen die unterschiedlichsten Namensgebungen geführt wie z.B. Bachquelle, Nebenquelle, Waldquelle oder auch Wegquelle. Gemeint ist aber immer wieder das selbe Quellgebiet mit seinen acht Quellen – jedenfalls nach dem heutigen Wissensstand.

Sauerbrunn Brunnen Auslauf

Typisch für den „Säuerling“ ist die rostbraune Färbung am Auslauf

Wie bereits angemerkt, ist die heute bekannteste die Erzherzog-Johann-Quelle. Sie wir gespeist aus dem – nur wenige Schritte vom Wasserspender entfernten – Brunnenhaus, von dem noch später die Rede sein wird. In dem sogenannten Mausegg-Graben sind 3 Quellen kartographiert: Die Erzherzog-Johann-Quelle (auch Stainzer Johannesquelle), sowie die „Nebenquelle“ und die im Bachbett aufsteigende „Bachquelle“, die sich etwa 60 Schritte talabwärts von der Erzherzog-Johann-Quelle befindet.

3 weitere schwache Quellen („Erste“- und „Mittlere Waldquelle“ sowie die „Wegquelle“) befinden sich einige hundert Meter vom Zusammenfluss der beiden Bäche entfernt. Über die restlichen Quellen gibt es keine gesicherten Angaben, sie sind nur in historischen Aufzeichnungen dokumentiert. Wird der Besucher ihrer ansichtig, so kann er sie an der rostbraunen Verfärbung des Austrittes erkennen.

Sauerbrunn Trogbach

Der Trogbach kurz vor dem Brunnenhaus

Von 1878 bis etwa 1980 befand sich neben dem Brunnenhaus eine Abfüllanlage, in welcher der Säuerling in Flaschen abgefüllt wurde. Somit kamen auch Menschen in den Genuss dieses Heilwassers, die den – damals – beschwerlichen Weg zu dieser Quelle nicht antreten konnten. Die abgefüllten Flaschen wurden unter den Namen „Stainzer Sauerbrunn“, Stainzer Säuerling“ oder „Stainzer Johannesquelle“ vermarktet. Das Abfüllgebäude schloss westlich an das Brunnenhaus an, welches heute für den Besucherverkehr verschlossen ist, da durch die austretenden Quellgase der eine oder andere Besucher ohnmächtig geworden war, wenn er sich zu lange im Inneren des Brunnenhauses aufgehalten hatte (gemessen wurden 88,6 % Co= Kohlendioxid).

Sauerbrunn Brunnenhaus

Das Brunnenhaus von Sauerbrunn. Bis 1978 befand sich im Anschluss an das Haus das Gebäude, in dem die Mineralwasserabfüllung stattfand. Vom ursprünglichen Abfüllhaus steht heute nichts mehr, man kann es sich nur noch in der Phantasie vorstellen, was für ein emsiges Treiben einstmals hier war

 

Sauerbrunn Inneres Brunnenhaus

Die Brunnenfassung im Inneren des Brunnenhauses mit einer Heiligenfigur in der Ecke. Heute ist das Brunnenhaus geschlossen, der Besucher kann nur noch von außen hineinblicken

 

Sauerbrunn Tafel Quellschutzgebiet

Selbstverständlich ist das gesamte Quellen-Areal ein Quellschutzgebiet

Das Wasser wurde 1935 hochoffiziell als Heilquelle eingestuft, es ist ein schwefelhaltiger „Calcium-Natrium-Hydrogenkarbonat-Säuerling“ – und das riecht und schmeckt man sehr deutlich. Die Heilwirkung, sie soll phänomenal sein. Als heilkräftig gilt das Wasser bei Gicht, Magen-, Darm- und Leberleiden, bei rheumatischen Beschwerden, Rachen- und Luftröhrenkatarr sowie Blutarmut. Dass das Wasser eisenhaltig ist, sieht man sehr deutlich an der rostbraunen Färbung der Quelle.

Sauerbrunn Tafel Wassertreten

Wassertreten ist heute nur noch eine der wenigen Anwendungen, die man in „Bad Sauerbrunn“ genießen kann

In der kleinen Parkanlage, in der sich der frei zugängliche Austritt der Erzherzog-Johann-Quelle befindet, gab es bis etwa 1970 ein Kur- bzw. Badehaus, das 1883 erreichtet worden war. Bis zu diesem Zeitpunkt fand hier ein richtiger Kurbetrieb statt. Ein kleines Restaurant mit angegliedertem Gastgarten befand sich ebenso dort wie Wannenbäder, in denen sich die Leidenden der Labsal hingeben konnten. Es waren nur wenige Behandlungsplätze vorhanden, aber für einen kleinen aber feinen Bäderbetrieb reichte es allemal und die Kuranwender wussten dies zu schätzen. Wenn sich der Betrachter dies heute vor seinem geistigen Auge vorstellt: Es muss sehr idyllisch gewesen sein.

Sauerbrunn Park

Ein wahres Kleinod ist der gepflegte Park am Rande der Erzherzog-Johann-Quelle

Die Gebäude bestehen heute nicht mehr, sie fielen schlussendlich einer Brandlöschübung der Feuerwehr zum Opfer – warum?

Sauerbrunn Rucksack

Der Wanderer hat neben einer leeren Flasche – in die er das Wasser der Erzherzog-Johann-Quelle abfüllen kann – eine kleine Brotzeit dabei. Denn die Restauration von einstmals; die gibt es heute in „Bad Sauerbrunn“ nicht mehr

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es Bestrebungen, in Sauerbrunn den eingestellten Kurbetrieb wieder aufzunehmen. Es existierten zahlreiche betriebswirtschaftliche Überlegungen, bis hin zu neu zu erbauenden Gebäuden. Da die Quellschüttungen jedoch nicht besonders ergiebig sind, versprachen die angedachten Projekte nicht in dem Maße den Geldsäckel zu füllen, wie es sich die renditelüsternen Investoren zu erhoffen gewagt hatten. Und auch hier ging es wieder einmal nicht um Idealismus, sondern nur ums Geld. Ganz egal, welchen Schaden man an der Umwelt, der Natur und den Menschen anrichtet – Investitionen müssen sich lohnen… In diesem Fall war das nicht gegeben und somit wurde ein Großprojekt nie umgesetzt, was rückblickend sehr positiv bewertet werden darf. Denn so ein Kleinod wie Sauerbrunn – oder „Bad Sauerbrunn“ – mit seinen Quellschüttungen – um es mit drastischen Worten auszudrücken – wäre völlig zerstört gewesen. Die liebliche Anmutung des Ortes mit seinem geradezu idyllischen, bezaubernden und liebreizenden Charme – sie wäre für immer ausradiert worden. So ist es bis heute Gott sei Dank eine Oase der Ruhe, wo sich die Menschen das heilsame Quellwasser für den Hausgebrauch abfüllen können. Über eine kleine Spende würde sich der „Verein zur Förderung des Bades Stainzer Johannesquelle“ freuen, denn die Vereinsmitglieder kümmern sich hingebungsvoll um das Areal.

Sauerbrunn Parkplatz

Für die Automobilisten wurde ein Parkplatz angelegt

Eine kleine Parkanlage mit Tischen und Bänken lädt die Besucher zum Verweilen ein, kleine Becken für Kneippsche Fußbäder erfrischen den Kreislauf – es ist ein Ort zur körperlichen und seelischen Gesundung und das Wasser aus dem Brunnen bietet sogar oft Heilung von dem einen oder anderen Zipperlein – so präsentiert sich heute die Erzherzog-Johann-Quelle.

Sauerbrunn Wanderschilder

Ausgehend von dem Quellgebiet in Sauerbrunn gibt es zahlreiche, idyllische Wanderwege

 

Sauerbrunn Korb mit Äpfeln

Im Herbst lässt sich Vielerlei sammeln…

 

Sauerbrunn Wald

Das Gebiet rund um Sauerbrunn erlaubt zahlreiche Einblicke in einen mystischen Mischwald. Vielleicht sind an diesen magischen Orten Elfen und andere Fabeltiere zu Hause? Wer weiß, wer weiß…

 

Sauerbrunn Wald Moos

Die bemoosten Steine… es ist wie ein Blick in eine andere Welt – und doch so irdisch

 

Sauerbrunn Wanderschild im Wald

Zahlreich Hinweisschilder im Wald zeigen dem Wanderer immer wieder den Weg nach Sauerbrunn, dem Ausgangspunkt zahlreicher Wanderrouten

 

Stainzbach Gänse

Unterhalb der Erzherzog-Johann-Quelle konnten wir ein paar Enten im Stainzbach erblicken. Ob sie auch auf Kuraufenthalt in „Bad Sauerbrunn“ waren?

 

 

Text & Fotos: Ulrich Bänsch

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1 Kommentar

  • CARISMA says:

    Das ist ein herzerfrischender und doch – erwärmender Beitrag, man kriegt stande pede Lust, dorthin zu fahren. Ein Traum von einem Ort, den zu besuchen es sich lohnt, sozusagen ein Geheimtipp. Die Fotos sind wunder wunderschön und runden diesen erhebenden und erhellenden Beitrag ab. Vielen Dank dafür. Diese Schönheit in Bild und Sprache ist wahrhaftig und erhöht die Schwingungen. Bitte mehr davon.

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