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SACHS b805 – Die ultimative Design-Granate Made by Sachs

Dass die fränkische Motorradschmiede den Mut zu bewundernswerten Designstudien hat, konnte man auf der INTERMOT 2000 in München mit eigenen Augen sehen, als Sachs die BEAST 1000 der Weltöffentlichkeit präsentierte. Jeder, der dieses filigran ästhetische Kraftpaket zu Gesicht bekam, hatte einen merkwürdig verklärten Glanz in den Augen und umkreiste hechelnd das Objekt der Begierde, nicht ohne sabbernde Spuren zu hinterlassen.

Selbst der konservativste Kollege der schreibenden Zunft war voll des Lobes über dieses Motorrad pur(!) in Reinkultur und erhob es in den Olymp der absoluten Begierlichkeit. Ob diese wundervolle Studie zum Kauf – vielleicht in einer limitierten Kleinserie – feilgeboten wird, bleibt abzuwarten. Dass die BEAST 1000 das Zeug zu höheren Weihen hat, davon konnte sich die Motorradwelt überzeugen, als Honda das Konzept-Bike „New American Sports“ vorstellte, das – fast – wie ein Zwilling der Sachs aussieht. So war es nach dieser fulminanten Präsentation nicht verwunderlich, dass Sachs die nächste Stufe seines Innovationsfeuerwerkes zündete. Mit entsprechenden Pressemitteilungen wurde das Feuer der einschlägig angefressenen Motorjournalisten angefacht und am Lodern gehalten. Auf der Mailänder EICMA sollte die Sachs BOMBe gezündet werden, mit dem Hinweis auf deren Ungefährlichkeit für Körper und Seele, aber mit der Möglichkeit der ausbrechenden Suchtgefahr.

Die angekündigte Sachs BOMB – so der Konzeptname – wurde von den Marketingstrategen auf den Namen b805 getauft. Was die Taufpaten da auf der Mailänder Motorrad-Show aus dem Hut zauberten, zeigt nur den logischen Innovations- Weg auf, den die Franken seit der Präsentation der BEAST 1000 beschreiten. Herausgekommen ist mit der b805 ein super scharfes und megageiles Motorrad, bei dem sich das für die Formengebung verantwortlich zeichnende Team von target Design austoben durfte, um unkonventionelles Design mit innovativer Technik marktkonform umzusetzen. Schwerlich lässt sie sich in eine der bestehenden Kategorien einstufen: auf der EICMA tendierte die Gunst der Stunde in Richtung Café-Racer.

SACHS Beast 1000

Die Sachs Beast 1000 – eine atemberaubende Designstudie aus dem Hause Sachs

Pittoresk wie eine elegante Diva mit einem V-2-Power-Macho-Dome aus der Suzuki steht sie vor einem. Die übereinanderliegenden Doppelscheinwerfer ähneln mit der Front der BEAST 1000.

Technisch basiert die Sachs b805 auf der Roadster 800, die seit Herbst 2000 von den Händlern feilgeboten wurde. Das Herz ist der aus der Suzuki bewährte flüssigkeitsgekühlte 805 ccm 45°-V2-Motor, der seine 58 Pferdchen bei 6000 U/min und sein maximales Drehmoment von 71 Nm bei 4000 U/min abgibt. Die zwei 36er Mikuni Gleichdruckvergaser versorgen durch 2 Einlass-Ventile je Zylinder die 2 Brennkammern mit dem erforderlichen Kraftstoff-Luftgemisch. Abgasseitig wird ob der drohenden Verschärfung der abgasseitigen Normen ein Sekundärluftsystem verbaut. Über ein 5-Ganggetriebe und einen wartungsarmen Kardanantrieb werden die munter trabenden Pferdchen der 160/70er Pelle an der Hinterhand eingeschenkt. Am Vorderrad sorgt die aus der Roadster 800 bekannte Upside-Down-Gabel mit einem Gleitrohrdurchmesser von 40 mm für den nötigen Fahrkomfort, im Heck malocht eine Zweiarmschwinge mit zwei in der Federbasis stufenlos einstellbaren Federbeinen. Für den Notfall der negativen Beschleunigung beißen am Vorderrad zwei Vierkolben-Festsattel-Bremszangen in die beiden 320 mm großen Bremsscheiben. Am Hinterrad ist eine 180 mm Trommelbremse ausreichend dimensioniert. Die Verzögerungswerte lassen eine Scheibenbremse bei der Roadster – auf der die b805 ja basiert – nicht vermissen. Selbstredend, dass sich das eine oder andere bei den technischen Daten trotz der baulichen Nähe zur Roadster 800 in dem Vorserienstadium noch ändern könnte und vielleicht auch wird.

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Die Sachs b805 – eine Design-Ikone par excellence

In den Genuss der b805 konnten die potenziellen Eigner ab dem Frühsommer 2002 kommen. Um dem Anspruch dieses Motorrades gerecht zu werden, wurde sie als limited edition auf 150 durchnummerierte Exponate begrenzt werden. Selbstredend, dass die Einzigartigkeit einer jeden b805 durch ein Herstellerzertifikat bescheinigt und dokumentiert wird.

Bei der Sachs b805 wurde etwas umgesetzt, was in kreativen Köpfen an avantgardistischer Denkübung einer Designschmiede und eines Motorradherstellers in nicht allzu abgeschwächter Version die Chance hat, über eine Konzept-Studie hinauszukommen, um es bis in die Verkaufsräume und ergo auf die Straße zu schaffen. Wenn ausschließlich die lustvolle Begeisterung am Objekt Motorrad die kreative Hand des Designers lenkt, tja, dann kommt so etwas Wunderbares dabei heraus.

Wenn ich mich zu einem wohlaustarierten subjektiven Urteil hinreißen lassen möchte, kann ich als Fazit nur anmerken: Dieser intensiv rot kolorierte Feger macht Lust. Lust auf das Haben-wollen, das Unbedingt-brauchen-wollen und Lust auf mäandernde, feine Landstraßen, um den Triebstau auf dieses Motorrad loszuwerden!

 

Technische Daten:

Motor:

Zweizylinder-Viertakt 45° V-Motor, flüssigkeitsgekühlt, Hubraum: 805 ccm, Bohrung: 83 mm, Hub: 74,4 mm, Verdichtungsverhältnis 10 :1, Leistung: 58 PS (42,5 kW) bei 6000 U/min, max. Drehmoment: 71 Nm bei 4000 U/min, je eine obenliegende Nockenwelle, kettenangetrieben, vier Ventile je Zylinder, Kipphebel, Nasssumpfschmierung, 2 Mikuni Gleichdruckvergaser 36 mm, Digitale Transistorzündung (CDI), E-Starter, Sekundärluftsystem

Kraftübertragung:

Fünfganggetriebe, Primärantrieb über Zahnräder, Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Kardanantrieb

Fahrwerk:

Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, vorne Upside-Down-Gabel, Gleitrohrdurchmesser 40 mm, hinten Zweiarmschwinge, 2 Federbeine; Federbasis stufenlos einstellbar

Räder:

Speichenräder vo/hi 3,50 X 17 / 4,50 X 17; Reifen vo/hi 120/70 ZR 17 / 160/70 ZR 17

Bremsen:

vorne Vierkolbensattel-Doppelscheibenbremse Durchmesser 320 mm; hinten Trommelbremse Durchmesser 180 mm

Maße:

Länge/Breite/Höhe 2130/830/1070 mm; Radstand 1475 mm; Sitzhöhe 770 mm; Tankinhalt/Reserve 17/3 l; Lenkkopfwinkel 65°; Nachlauf 107 mm; Federweg vo/hi 120/108 mm

 

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Jochen Soppa

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