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Quad 34, 306 und FM4. Best British HiFi

Englische HiFi-Gerätschaften haben schon immer ihre Liebhaber gefunden. Ganz besonders gilt das für Produkte aus dem Hause Quad. Sie überzeugen nicht nur das Ohr, sondern auch das Auge des Betrachters. Die ab 1982 angebotene 4er Serie ist ein hervorragendes Beispiel.

Bekannt wurde die von Peter Walker gegründete Firma durch ihre im wahrsten Sinne des Wortes epochalen Lautsprecher. Sie erzeugten den Schalldruck mit pro Lautsprechereinheit drei dünnen Folien, die zwischen elektrostatischen Hochspannungsfeldern in Schwingung versetzt wurden. Das Ergebnis war ein ungemein transparentes, naturgetreues Klangbild. Nicht wenige Experten sind der Ansicht, dass es im Lautsprecherbau seither nie wieder eine vergleichbare Neuerung gegeben hat. Die Quad Elektrostaten werden demnächst 60 Jahre alt, und wer einmal das Vergnügen hatte, sie zu hören, der betrachtet das Thema „HiFi und Fortschritt“ fortan aus einer neuen, vor allem aber viel höher angelegten Perspektive.

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Druckknöpfe für die Programmwahl am Quad 34-Vorverstärker. Linke Reihe Radio, Plattenspieler (Disc), CD-Player und Tonband. Rechte Knopfreihe für Monobetrieb und Klangfunktionen

Dass sich dieses Lautsprecherkonzept letztlich am Markt nicht vollumfänglich durchsetzen konnte, hat einfache Gründe: Die Lautsprecher sind zwangsläufig groß, sie müssen frei im Raum stehen und sie sind für Partybeschallung ungeeignet. Zudem muss der Hörer wie in einer Art überdimensionalem Kopfhörer auf den Punkt genau seine Hörposition einnehmen. Nur dann stellt sich eine phänomenal dreidimensionale Raumdarstellung ein. Insgesamt also ein Produkt für den einsamen Musikgenießer, der im Idealfall auch noch Opernliebhaber sein sollte.

Wenn Sie mit dieser Beschreibung etwas anfangen können, und Sie bisher diese Lautsprecher noch nicht kennen gelernt haben sollten, dann ist das jetzt die Aufforderung, dieser Unkenntnis schleunigst Abhilfe zu schaffen. Die gute Nachricht: Die Quad-Klassiker werden in Deutschland in der Nähe von Koblenz durch die Quad Musikwiedergabe GmbH gehegt und gepflegt, generalüberholt und sogar neu aufgebaut.

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Umfangreiche Klangeinstellmöglichkeiten am Quad 34-Vorverstärker

In dieser Geschichte wollen wir aber drei Quad-Produkte vorstellen, die erstens eine wunderschön kompakte Basis für eine Heimanlage bilden, und die, zweitens, auch mit bereits vorhandenen oder auch anderen konventionellen Lautsprechern kombiniert werden können. Im einzelnen handelt es sich dabei um den Vorverstärker Quad 34, den Endverstärker Quad 306 und den passenden UKW-Empfänger FM 4. Alle drei Geräte haben praktisch die identischen Grundabmessungen und bilden durch ihr schlichtes, reduziertes und dabei doch raffiniertes Design ein mehr denn je attraktives und modernes Ensemble.

Design und HiFi gilt in Kreisen der HiFi-Esoteriker gemeinhin als die Kombination von Wasser und Feuer. Motto: Was gut aussieht, kann nicht klingen. Produkte von Braun, Bang & Olufsen oder eben auch Quad haben dennoch stets ihr Publikum gefunden, und ich kann allen skeptischen Lesern versichern: Es ist durchaus Musik, die da aus den Quad-Oldies ans Ohr kommt.

Wer sich auf dem Gebrauchtmarkt nach den Geräten umsieht, der entdeckt zwei verschiedene Farbvarianten. Eine Serie ist „very british“ in einem aristokratischen beige-olive unterwegs, was gut zu entsprechend altenglischem Einrichtungsstil passt. Die andere Version entspricht dem nach wie vor gängigen Geschmack aller Design- und Architekturfreunde. Die ist nämlich in silbergrau-anthrazit gehalten und wird eben wegen dieser allgemein favorisierten Farbgebung im Preis auch höher gehandelt. Ferner muss auf die zum Einsatz kommenden Anschlussstecker am Vorverstärker geachtet werden. Frühe Versionen, der immerhin bis Mitte der neunziger Jahre angebotenen Geräte, waren mit fünfpoligen DIN-Buchsen ausgestattet. Die späteren Modelle dagegen trugen die allgemein üblichen Cinch-Buchsen im Rücken.

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Dezentes LCD-Display am Quad FM 4-Tuner. Ausschnitt und Drehknopf für die Sendeeinstellung wiederholen die Linienführung des Vorverstärkers

Der Quad 34-Vorverstärker ist nicht nur ein wunderschön kompaktes Gerät. Er bietet auch allerhand technische Vorzüge, gerade gegenüber so genanntem „High End-Material“. Zum einen ist da noch eine umfangreiche Klangregel-Einstellmöglichkeit und zudem der in der Praxis höchst nützliche Balance-Steller. Zudem ist bereits eine Phono-Einheit für Plattenspieler mit an Bord, die sich per Steckmodul für MM- und MC-Systeme anpassen lässt. Parallel zum Modell 34 gab es damals das noch umfangreicher ausgestatte Vorverstärkermodell Typ 44, das aber in der Abmessung höher baut und somit die Linie dieser Geräteserie ein wenig „versaut“.

Der Endverstärker von Typ 306 hat nichts weiter als einen Druckknopf zum Einschalten, was er dann auch mit einem deutlichen „Plopp“ aus den Lautsprechern kund tut. Die Kühlrippen auf der Front sind nicht nur Zierrat, das Gerät wird nach einiger Betriebszeit gut handwarm. Wird die Party zu laut beschallt, dann schützt ein eingebauter Thermoschalter den Verstärker vor Überlastung.

Das Radioteil FM 4 ist nur für UKW zuständig, die Abstimmung läuft noch ganz klassisch über einen Drehkondensator. Noch wird analog gesendet, und insofern darf auch in nächster Zeit noch munter auf den Radiowellen geritten werden. Senderstärke und Abstimmgenauigkeit zeigt das dezente LCD-Digitaldisplay mittels zweier vertikaler Segment-Balken an. Je höher, desto stärker. Die Stationstasten werden einfach durch langes Drücken beim jeweils erfassten Wunschsender einprogrammiert. Die Klangcharakteristik kann eher als kühl und klar, denn als röhrenartig rund und warm beschrieben werden. Dennoch ein Tuner, dem man gerne lauscht, etwa bei einer der Live-Übertragungen einer abendlichen Klassik-Veranstaltung.

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Quad 34-Vorverstärker, Quad 306-Endverstärker und Quad FM 4-Tuner. Eine zeitlos elegante Kombination

Quad-Geräte sind Lebensdauer-Geräte. Das heißt, in der Regel spielen diese Produkte lange Jahre ohne Probleme. Fällt beim 34er Vorverstärker etwa ein Kanal komplett aus, dann ist zumeist das Schiebepotentiometer für die Balanceeinstellung defekt. Im Inneren des Potentiometers hat sich dann der Gleitkontakt vom Kunststoffträger gelöst.

Bei hart beanspruchten Endverstärkern kann eine Erneuerung der Kondensatoren sinnvoll sein. Grundsätzlich würde ich nicht auf Verdacht erneuern. Wenn der Verstärker einwandfrei spielt, einfach weiter nutzen. Ist aber deutliches Brummen hörbar, ist höchstwahrscheinlich das Netzteil samt Elkos angeschlagen.

Auch der FM 4-Tuner hat eine Eigenheit, die der Gebrauchtkäufer beachten sollte. Im Geräteinneren ist – von vorne oben gesehen – rechts eine kleine Pufferbatterie für den Sendespeicher eingebaut. Bei alten Geräten kann sie defekt und vor allem ausgelaufen sein. Hier lohnt also vor dem Kauf ein Blick ins Innere (nur zwei Schrauben), um sich Gewissheit zu schaffen. Die Batterie gibt es noch als Ersatzteil.

Bleibt abschließend noch der Blick aufs Preisgefüge. Das ist bei diesen oft häufig genutzten Alltagsgeräten natürlich stark von dem gebotenen Zustand abhängig. Zerkratze und abgenudelte, dazu von Nikotinschwaden getränkte Schlachtschiffe will man nicht einmal mehr mit dem Putzlappen anfassen. Das ominöse, wenig genutzte und gepflegte Liebhabergerät wird dagegen gut honoriert werden, zumal dann, wenn noch sämtliche Originalverpackungen und Unterlagen mit im Set zu finden sind. Für ein Ensemble wie das gezeigte wird man derzeit mit rund 1000 Euro rechnen müssen. Für wahre HiFi-Klassiker eine günstige Sache. Bis jetzt noch.

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Eine Linie. Quad-Ensemble nicht nur für HiFi-Nostalgiker

Text und Fotos: Jo Soppa

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