Peter Rosegger – der Wahrheit auf der Spur

Peter Rosegger- der vielgerühmte steirische Heimat-Poet – gründete 1876 die Monatszeitschrift „Heimgarten“ in Graz – und die er 34 Jahre lang leitete und größtenteils auch selbst geschrieben hat – heraus. 1916 erschienen ausgewählte Artikel daraus in den „Gesammelte Werke“ Peter Roseggers, die sich zu einem Dauerbrenner bis in die heutige Zeit entwickelte. Antiquarisch sind die Sammlerstücke heute gesuchter denn je.

Aus diesem Buch „Heimgärtners Tagebuch“ möchten wir Ihnen nun heute ein Schriftwerk vorstellen, dass aktueller ist denn je:

„Je länger der sogenannte Volkswohlstand dauert, je hässlicher wird das Land. Die Wälder werden abgeholzt, die Berge aufgeschürft, die Bäche abgeleitet, verunreinigt. Die Wiesen werden mit Fabriken besetzt, die Lüfte mit Rauch erfüllt, die Menschen unruhig, unzufrieden, heimatlos gemacht. Und so fort. Und alles des Geldes wegen. Ja, zum Teufel, was ist denn an dem Gelde, dass ihm die ungeheuren Opfer gebracht werden! Dass die Armen nach so viel Geld trachten, um sich den anständigen Lebensunterhalt leisten zu können, das ist gut zu verstehen. Aber dass die wohlhabenden noch mehr haben wollen, obschon die Erfahrung überall lehrt, dass „noch mehr“ das Leben nicht verschönert, sondern verelendet, die Jugend verdirbt, die Alten unempfindlich macht für die wirklichen und wertvollen Genüsse. Was bedeutet ein prachtvoller Palast, wenn er in einer Gegend steht, die kahl ist und voll schmutziger Fabrikabfälle und bedeckt mit einer unreinen, stinkenden Luft und bewohnt von unzufriedenen, feindseligen Menschen! Was ist dagegen ein schlichtes Haus in grüner, friedlicher Landschaft, mit ruhigem Erwerb, mit freundlicher Nachbarschaft! Die Freude an großer Unternehmungen in Ehren,aber nur dann, wenn diese Unternehmungen nicht bessereWerte verwüsten, nicht den Frieden, die Genügsamkeit, die Schönheit, die reine Lebensfrohheit zerstören. Es ist ja ganz unfassbar, wie dieses höllische, „immer noch mehr Geld haben wollen“ die gescheitesten Leute zu Toren, die rücksichtsvollsten Menschen zu Straßenräubern machen kann. Zu Straßenräubern habe ich gesagt. Ein starkes Wort. Man wird nicht dem Wanderer, der arglos das Land bereist, um seine Schönheit zu genießen – wird ihm nicht diese Schönheit weggenommen, der erquickende Wald, das klare Wasser, die gesunde Luft weggenommen? Und den Einheimischen, wir ihnen nicht die liebe traute Landschaft zerstört? Der Fabriksherrkann sich anderswo schöne Erdenwinkel aussuchen, solange es deren noch gibt, er baut sich Schlösser in noch unentweihten Gegenden, wodurch er freilich anhebt, sie zu entweihen, oder er geht in Kurorte, wo schöne Landschaft geschäftlich erhalten und krampfhaft noch mehr verschönert wird, um ihm Vergnügen zu machen.Jene Einheimischen aber, denen er mit seinen Gründungen die Heimatgegend vehäßlicht hat, die müssen sitzenbleiben bei den qualmenden Schloten, verderbten Wässern und Lüften, bei den Abfallhaufen und bei den Hunderten fremden Arbeitern, die jeden Augenblick wütend zu werden drohen, weil sie etwas tun müssen, was sie nicht tun wollen, nämlich reiche Leute noch reicher machen. Ist das denn nicht verrückt zum Rasendwerden? – Doch gemach. Die altgesessenen Einheimischen sind ja froh, wenn in ihren Tälern gebaut wird, sie geben die Naturschätze und Schönheit und Gesundheit ihrer Heimat mit Freuden hin – es kommt ja Geld ins Land! Und während sie Geld gewinnen, verlieren sie ihre Scholle, ihre Persönlichkeit, ihre vornehme Festständigkeit, springen ab und verlaufen sich in der Welt. Ob sie anderswo verlumpen oder reich werden, das Beste ist dahin – das friedliche Heim in naturfrischer Landschaft. – Und solche Erscheinungen nenn man Volkswohlstand.

Geld kann vieles Gutes stiften, aber noch mehr Schlechtes. Hier ist nur davon die Rede, dass Geldgier in unserer Zeit so oft die Natur verdirbt, die Schönheit der Landschaft zerstört, die Welt verekelt.“

Dieses Werk hat Peter Rosegger im Jahre 1908 geschrieben, es ist eine philosophische Weisheit die vor über hundert Jahres zu Papier gebracht wurde und heute noch genauso aktuelle und wahr ist wie damals. Vielleicht auch noch aktueller mit einem Blick und einer Deutung aus der Vergangenheit in die Gegenwart und einer Bewertung für die Zukunft. Die beiden Bände „Heimgärtners Tagebuch“ wurden von seinem Sohn Dr. Hans Ludwig Rosegger 1929 in einem Vorwort zu der Gedenkausgabe der Auswahl  in sechs Bänden Peter Roseggers Werke als „Eine umfassende Philosophie in Mosaik!“ beschrieben.

 

 

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