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MZ RT 125

Nach den Modellneuheiten der letzten Jahre des 20. Jahrhunderts aus der traditionsreichen Zschopauer Motorradschmiede, beackerte MZ nun auch den Markt der 125er. Diese Motorradklasse ist ja dank der Liberalisierung des alten 3er Führerscheines auch für die Automobilisten interessant geworden, die ihren Führerschein vor dem 1. April 1980 gemacht haben. Gerade die 125 ccm Motorräder haben eine fulminante Zulassungssteigerung aufs Parkett gelegt. Da wollte man in der Zschopauer Motorradschmiede nicht hintenan stehen und sich auch ein Stückchen des zu verteilenden Kuchens sichern.

 

Leider hat MZ immer noch mit Imageproblemen zu kämpfen. Ihnen haftet das „Gschmäckle“ aus alten DDR Zeiten an, als der Motor im blechernen 2-Takt Sound malerisch anmutende blaue Rauchwölkchen aus dem Auspuff ausstieß, in der Frequenz wie das Motörchen drehte. Archaisch anmutende Technik aus dem motortechnischen Mittelalter. Aber dass aus dem ostdeutschen Werk Motorräder hervorkommen, die mit den zwei anderen deutschen Motorradbauern BMW und Sachs mithalten können, beweist schon alleine die Tatsache, dass die Fangemeinde immer größer wird. Skorpion, Baghira und Mastiff heißen die tatkräftigen Beweise der Motorradbaukunst. Dass MZ diese recht ansehnlichen Motorräder auch sehr erfolgreich verkaufte, beweist eindrucksvoll, dass man in Zschopau den richtigen Weg eingeschlagen hat, und sollte auch den letzten Zauderer und Zweifler eines Besseren belehren.

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Schlichte und klare Formensprache: Ein klassische Naked-Bike

Nach einer wechselvollen Odyssee heißen die Motorräder nun wieder MZ. Seit 1996 gehört MZ zu dem malayischen Hong-Leong-Konzern, was den Zschopauern offenbar recht gut bekommt, waren sie davor doch finanziell sehr in Bedrängnis geraten. Der malayische Mutterkonzern brachte die Entwicklung des 125 ccm Motores erst ins Rollen. Der Motor soll in Lizenzfertigung auch in Malaysia gebaut werden und war sozusagen ein Pilotprojekt. Ende 1997 wurde mit dem Projekt RT 125 unter dem Entwicklungsleiter Jürgen Meusel begonnen, und bereits Mitte 1998 gab der neue Motor auf dem Prüfstand seinen ersten Schnaufer von sich. Gleichzeitig wurde die Fahrwerksentwicklung auf dem fahrdynamischen Prüfstand voran getrieben. Im Herbst 1998 war die Zeit gekommen, die ersten Prototypen auf der Straße zu testen. Der Motor ist so konzipiert, dass er ohne großen konstruktiven Aufwand auch als 250er Motor gebaut werden kann. Gefertigt wird das Motorrad auf einer hochmodernen Fertigungslinie. MZ ist übrigens seit Ende 1999 mit der Qualitätssicherungsnorm ISO 9002 zertifiziert, was für die Motorräder und deren hohen Qualitätsstandard spricht.

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Die Ur-RT 125 aus Zschopau hörte nach dem 2. Weltkrieg noch auf den Namen IFA

Der Stammbaum der RT 125 reicht weit zurück. Seine Ahnen erblickten noch vor dem zweiten Weltkrieg als DKW 1939 das Licht der Welt. Nach dem Krieg wurde die RT als DKW in der Bundesrepublik weiter gebaut und in der DDR als IFA RT 125 und später dann als MZ RT 125 noch bis 1962. Damals war die 125er sowohl in der westlichen, wie auch in der östlichen Hemisphäre das am meisten gebaute 125 ccm Motorrad. Ein grundsolider 2-Takter, der sich vortrefflich kopieren ließ. BSA baute die RT als Bantam, Harley-Davidson nannte es Hummer und Yamahas erstes Motorrad hieß YA1. Gutes und Bewährtes wird doch liebend gerne kopiert!

Steht man vor MZ`s RT 125 und betrachtet es so, wie es dasteht und optisch auf den Betrachter wirkt: Ein Motorrad, das sich auf das Wesentliche beschränkt, was man zum Fahren braucht. Ohne unnötigen Firlefanz und modisch unterworfenem Schnickschnack. Ein Naked Bike, ein vollwertiges Motorrad. Mit seiner 770 mm Sitzhöhe auch für kleinere Fahrer geeignet. Der erste subjektive Eindruck suggeriert einem das Gefühl, auf einem größeren Motorrad zu sitzen. Die Sitzposition ist angenehm entspannt und aufrecht. Die 133 kg Leergewicht lassen es sehr leicht handeln. 187 kg kann man der Fuhre als Zuladung zumuten. Der Motor macht einen leistungsstarken Eindruck, er ist für seine Hubraumklasse im Vergleich zu anderen Herstellern durchzugsfreudig.

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Die RT 125 verkörpert das puristische, schlichte Motorrad-Design mit seiner klassischen und schlichten Schönheit

Ein Novum sind für das 1 Zylinder 4-Takt-Motörchen seine 4 Ventile, die von 2 obenliegenden Nockenwellen über Zahnriemen angetrieben werden. Eine Ausgleichswelle sorgt dafür, dass der Motor vibrationsarm läuft. Das Drehzahlband ist relativ breit nutzbar, so dass man es auch mal schaltfaul angehen lassen kann. Ab 6000 U/min setzt nochmals ein kräftiger Schub ein, bevor die echten 15 PS bei 9000 Umdrehungen der Kurbelwelle erreicht werden. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt.

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Die Motoren-Konstrukteure verzichteten bei der Gestaltung des Motors auf sonst im Motorenbau übliche Effekthascherei

Die RT liegt satt auf der Straße, und das Fahrwerk ist auch auf schlechteren Fahrbahnen nicht überfordert. Straßenbauliche Ungereimtheiten wie Längs- und Querrillen steckt das Fahrwerk souverän weg. Insgesamt macht es einen grundsoliden Eindruck. Die Fahrwerksabstimmung darf als gelungen im Lastenheft abgehakt werden. Dazu tragen auch die breiten Reifen bei, die der RT zu einem bulligen Äußeren verhelfen. Die Grimeca Scheibenbremsen, die vorne und hinten verbaut sind, machen einen vertrauenserweckenden Eindruck und sind ausreichend dimensioniert und gut dosierbar. Das 6-Ganggetriebe ist auf die Motorcharakteristik ebenfalls gut abgestimmt, so dass keine Drehzahllöcher entstehen.

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Die Scheibenbremsen sorgen für nachhaltige Verzögerungsmomente

Die Höchstgeschwindigkeit hat die 125er selbst mit so einer Wanne wie mir relativ problemlos leicht – ich will fast behaupten souverän – erreicht. Nach Tacho waren das so um die 120. 115 km/h sind da wohl realistisch. Dreieinhalb Liter Superbenzin hat die RT auf 100 Kilometer durch den Mikuni Vergaser goutiert. Will man den Basispreis von 6.490 DM noch in die Höhe treiben, kann man sich aus dem Zubehörregal noch mit ein paar kleinen Nützlichkeiten bedienen. Da gibt es eine Abdeckung für den Soziussitz, eine Cockpitverkleidung, eine Kühlervekleidung, passende Koffer und einen Motorschutzbügel. Die 80 km/h-Version riegelt elektronisch mit einem Drehzahlbegrenzer ab.

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Die Instrumentarien versorgen den Fahrer über die notwendigen Daten

Klassik Lust-Profil

Nachdem MZ mittlerweilen nur noch in den Geschichtsbüchern steht sind diese sehr guten Motorräder und Leichtkrafträder relativ günstig erhältlich. Aus den Zschopauer Fabrikationshallen kamen zu jeder Zeit exzellente Zweiräder die es wirklich verdient haben, dass ihnen der Zweirad-Enthusiast mehr Bedeutung schenkt.

Technische Daten

Motor:

Motor:                                   1 Zylinder Viertakt

Hubraum:                             124 ccm

Bohrung x Hub:                   60 x 44 mm

Verdichtung:                        11,2:1

Leistung:                              15 PS/11 kW bei 9000 U/min

Drehmoment:                      11,2 Nm bei 8500 U/min

Höchstgeschwindigkeit     115 km/h

Gedrosselt:                          80 km/h

Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, eine Ausgleichswelle, Vier Ventile, Tassenstössel, 2 obenliegende Nockenwellen angetrieben über Kette, Nasssumpfschmierung, Mikuni VM 24 Schiebervergaser, Kontaktlose Transistorzündung, E-Starter, 12 V 180 W Drehstromlichtmaschine, 12V/9Ah Batterie

Kraftübertragung:

Primärantrieb über Zahnräder, Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe

Fahrwerk:

Stahlrohrrahmen unten offen, Telegabel vorne, zentral angelenktes verstellbares Mono-Federbein hinten, Zweiarmschwinge

Räder:

Alu-Gussräder           vo/hi         2.75 x 17/4.00 x 17

Reifen                         vo/hi        110/70-17/130/70-17

Bremsen:

Vorne                          Doppelkolbensattel Scheibenbremse Durchmesser 280 mm

Hinten                        Einkolbensattel Scheibenbremse Durchmesser 220 mm

Maße und Gewicht:

Radstand                                           1355 mm

Sitzhöhe                                             770 mm

Gewicht (vollgetankt)                      133 kg

Zulässiges Gesamtgewicht            320 kg

Zuladung                                           187 kg

Tankinhalt/Reserve                         13,5/3,6 l

Lenkkopfwinkel                                62,5 Grad

Nachlauf                                           102 mm

Federweg vo/hi                                130/130 mm

Farben:                                               Schwarz/Rot/Gelb

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Werk, Archiv

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