Krabbenfänger – VW Buggy

Ich traf ihn an der Beach. Dort, wo in hitzeflimmerndem Sonnenglast 60 Kilometer weißer Sandstrand sich von Bay St. Louis bis nach Pascaguola ziehen – Mississippi Public Beaches. Paradies für Segelboote, Austernfischer, Strandläufer und Krabbenfänger wie Mike Gentile von Gulfport.

„Home-made Dune-Buggy?“ fragte ich ihn vorsichtig als ich sein feuerrotes Spielmobil erblickte.

„Sort of“ – in etwa – „but basically it´s a Volkswagen“, meinte er lächelnd und ich hatte meinen Aha-Effekt.

Der Motor zum Beispiel ist ein biederes 40 PS/ 1300er Käferaggregat, das nur „Eins-in-Eins“ getunte Megaphone ein wenig satteren Klang verpassen. Achsen, Stoßdämpfer, (4-Gang-) Getriebe, Lenkung – alles German-made. Darauf ein schwarzmattierter 2-inch Überrollbügel, die „Rollbar“, an dem das Kutschendach verspannt ist und weils stabil sein soll, vorn drauf ein „straight frame“ – eine aluminiumgerahmte Flachglas-Winschutzscheibe mit den Abmessungen 16 x 42 inches, was außerordentlich stilvoll aussieht. In diese Kategorie fallen auch die beiden „Buggeye“-Scheinwerfer (J.C. Whitney Typ) und  die Blinker und Spiegel, die Mike wohl überlegt von einem Honda-Motorrad abgeschraubt hat. Beim Rest hat Amerika das Sagen: Der Aufbau ist ein Ford-T-Typ und ganz aus Fiberglas modelliert und das 7-einhalb Tönnchen hintendrauf ein originales US-Bierfässchen, aufpoliert und nachverchromt.  Der Durst ist jedoch VW-gemäßigt und Normal 89 Oktan-Benzin tuts vollauf. Die Armaturen sind original – oder wie Mike sagt „stock german!“. Die Felgen jedoch sind breite Chevy 14 inch (vorne)/15 inch hinten SS-Mags und siehe da – sie machen sich recht gut. Auf ihnen sind mächtige Pneumant Supreme-Radial „Starfire“ P 275/60 R 15 Reifen aufgezogen, das gibt einen ganz unheimlichen Drag im losen Sand!

Die Enamel-Lackierung ist dagegen gewiss was für Kenner: sie nennt sich „Bittersweet Orange“ und stammt aus der Ford-Farbpalette. Die Sitze – na klar, sattes Kunstleder oder wie man es vornehmer bezeichnet: Nagdyhayd.

Alles in allem, meint Mike hat ihn der flotte Dünenflitzer rund 3.500 Dollar gekostet, das sei ihm aber der Spaß wohl wert.

Er hat ihn nahezu komplett selbst aufgebaut und nennt seinen fröhlichen Strandkäfer „crab-catcher“ – Krabbenfänger, und versichert uns, dass die Ausbeute immer zufriedenstellen ist.

An zweibeinigen Krabben nämlich, so um die 1,70 Meter große…

 

 

Text & Fotos: Oluf Zierl

 

Als wir in unserem Archiv gestöbert haben, entdeckten wir von unserem – leider viel zu früh verstorbenen – Freund und Kollegen Oluf Zierl ein paar Schätze, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Oluf Zierl, der Motorradjournalist, Fotograf, „Harley-Papst“, Autor mehrerer Bücher (u.a. das zur Legende gewordenen 2-bändige Werk „Harley-Davidson – Geschichte und Mythos“), Chefredakteur und Mitarbeiter zahlreicher Magazine. Die Qualität der Lichtbilder ist zwar nicht die beste, aber ein historisches Zeitdokument aus den 80er Jahren, als man noch der analogen Fotografie frönte.

 

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