Mercedes 300SL - Ein Klassiker und eine wahre Geldanlage Mercedes 300SL - Ein Klassiker und eine wahre Geldanlage

Echt original

Ein originaler Oldtimer muss nicht echt sein, und ein echter Oldie muss nicht original sein. Was sich nach Spitzfindigkeiten anhört, ist in der rostigsten Branche der Autowelt gängige Alltagspraxis.

 

Streitobjekt Oldtimer. Nicht jeder Bugatti ist tatsächlich ein historisch korrekter Bugatti, und nicht selten werden aus einem Restaurierungsobjekt am Ende durch mysteriöse Zellteilung zwei, drei oder gar vier identische Fahrzeuge. Seit die Preise für rares Oldtimerblech weltweit in die Höhe schießen, kommen auch mehr und mehr dunkle Machenschaften der Szene ans Tageslicht.

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Wenn Lack und Chrom um die Wette funkeln, ist der Verstand des kritischen Oldtimer-Käufers schnell umnebelt. Gut, wenn man einen abgeklärten Berater zur Seite hat, der sich von Oberflächlichkeiten nicht blenden lässt

 

Michael Eckert ist Oldtimer-Sammler und Rechtsanwalt (www.oldtimeranwalt.de). Er kennt seine Pappenheimer und spricht gerne von einem „Argentinien-Auto“, wenn es um dubiose Fahrzeug-Oldies geht. Argentinien bietet sich an. Vor allem zur Legendenbildung. Käufer stehen auf Geschichten, am besten solche, die sich nicht schnell nachprüfen lassen. So tauchen sie denn auf, jene Kostbarkeiten, die einst einer verarmten Adeligen gehörten und wie durch ein Wunder in einer argentinischen Scheune die Jahrzehnte überlebt haben. Nur wenig aufgemöbelt wecken diese vermeintlichen Kostbarkeiten dann in blendendem Erhaltungszustand die Aufmerksamkeit – und vor allem Besitzgelüste – solventer Oldtimer-Enthusiasten.

Michael Eckert macht die Lage im Hochpreismilieu der Blechsammler an einem Beispiel anschaulich: „Ein Sammler findet in einem Schuppen das vergammelte Fragment eines Oldtimers. Zu restaurieren gibt es nicht mehr viel, aber er sägt das Rahmenteil mit der Fahrgestellnummer heraus. Vielleicht kann man es zur Abklärung der Historie einmal brauchen. Später packt ihn der Ehrgeiz und er baut anhand der alten Werksunterlagen rund um die Rahmennummer das Auto originalgetreu nach. Historie und Originalzustand stimmen.

Jetzt stelle man sich aber vor, ein paar Wochen nach dem ersten Sammler wäre ein zweiter Oldtimer-Freund in die Scheune gekommen. Er hätte die verrotteten Fragmente mitgenommen, und mit nicht minder großem Ehrgeiz gleichfalls das Auto wieder komplett und tadellos aufgebaut. Wer von den beiden Restaurateuren hat nun den richtigen Oldtimer?“

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Ein umfassend restauriertes Auto kann durchaus noch original sein, aber es ist nicht mehr im Auslieferungszustand original. Ein feiner, aber oft entscheidender Unterschied

Diese Geschichte macht die Problematik von „echt“ und „original“ anschaulich. Denn ein nagelneu gemäß Werksvorgabe nachgefertigtes Bauteil kann tatsächlich hundertprozentig original sein. Aber es ist nicht echt.

 

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum in den letzten Jahren die Nachfrage nach unrestaurierten Fahrzeugen stark zugenommen hat. Patinierte Oldies werden deshalb mitunter höher bewertet als top restaurierte Exemplare. Aber Vorsicht: Wie es Fälscher für historische Fahrzeugdokumente gibt, so gibt es auch Fälscher für Patina.

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Traum aller Oldie-Freunde: Ein Mercedes 300 SL in unrestauriertem Originalzustand, nach Jahrzehnten in einer stillen Garage wieder ans Licht gebracht. Inzwischen werden derart „durchpatinierte“ Autos im Wert höher bewertet als topp restaurierte Fahrzeuge. Diese Neusicht der Dinge bringt die bisherigen Bewertungsmuster von Oldtimern vollkommen durcheinander. Wie immer gilt: Der Markt macht die Preise

Wer also teures Klassikerblech erstehen möchte, der prüfe ausgiebig, ob Technik und vor allem die Historie des Fahrzeugs stimmen. Wer selbst nicht tief genug in der Materie verwurzelt ist, der muss sich verlässlichen Expertenrat sichern. Rat und Tat lässt sich etwa bei den Oldtimer-Experten des TÜV Süd einholen.

 

10 goldene Tipps zum Oldtimerkauf

 

  1. Wunschfahrzeug aussuchen.
  2. Informationen einholen. Angebote und Preise vergleichen
  3. Möglichst viele Fahrzeuge anschauen und somit Erfahrungen sammeln
  4. Fachkundigen Experten zur Besichtigung mitnehmen
  5. Positive Anpreisungen („…nie geschweißt…“) des Verkäufers notieren und in den Vertrag aufnehmen
  6. Alle Papiere penibel prüfen
  7. Vor Vertragsabschluss alles noch einmal in Ruhe mit neutralem Berater durchgehen
  8. Sachliche Preisverhandlungen führen
  9. Kaufvertrag schriftlich abschließen
  10. Fahrzeugübergabe quittieren und mit Fotos dokumentieren

 

Text & Fotos: Jochen Soppa

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