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IMCO TRIPLEX Sturmfeuerzeug – Eine österreichische Legende

Schon 14 Jahre bevor das amerikanische Zippo Sturmfeuerzeug 1932 auf den Markt kam, gab es bereits – ein heute zum Kultstatus erhobenes – benzinbefeuertes Sturmfeuerzeug:

Das österreichische IMCO. Man kolportiert, dass genau dieses IMCO den Zippo-Gründer George G. Blaisdell dazu inspiriert hat, ein völlig neues – dem Wind trotzendes – Feuerzeug zu konstruieren.

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IMCO TRIPLEX SUPER – die Österreichische Sturmfeuerzeug Legende. Jahrzehntelang gab es sie an jeder Straßenecke, heute scheinen Sie wie vom Erdboden verschluckt zu sein und man bekommt sie nur noch gebraucht für einen stolzen Preis in einschlägigen Internet Auktionsportalen

IMCO, das klassische Sturmfeuerzeug, wurde ab 1918 bis 2012 in Wien hergestellt.

Der Wiener Julius Meister gründete 1907 die Österreichische Knopf- und Metallwarenfabrik Julius Meister & Co. in der Donaumetropole, und dieses Unternehmen fertigte in den Anfangsjahren seines Bestehens ausschließlich Knöpfe für das Militär. Nach dem unheilvollen Ersten Weltkrieg ließ die Nachfrage nach diesen Artikeln spürbar nach und Julius Meister suchte sich ein neues Standbein, um die Auslastung seines Unternehmens zu gewährleisten und seine Belegschaft in Lohn und Brot zu halten. Es gab aus diesen schrecklichen Kriegsjahren jede Menge leere Patronenhülsen, aus denen der findige Unternehmer fortan Feuerzeuge herstellte. Die Formgebung der ersten IMCO Feuerzeuge lassen den Ursprung deutlich erkennen. 1922 wurde das erste Patent auf dieses Benzinfeuerzeug angemeldet.

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Das Kult-Feuerzeug schlechthin…

Was sich als vorteilhaft herausstellte war, dass der Feuerstein (Auermetall) von seinem Landsmann, dem Chemiker Carl Freiherr Auer von Welsbach, erfunden wurde und so die österreichische Industrie eine führende Position auf dem Gebiet der Feuerzeugproduktion einnehmen konnte.

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Der patentierte Windschutz lässt sich nach oben schieben (linke Gehäusehälfte)

1936 entwickelte Julius Meister das TRIPLEX Super Benzinfeuerzeug, das – bis auf technische Verbesserungen in den 50er Jahren – bis heute unverändert hergestellt wird. Im selben Jahrzehnt wurde die Palette der Benzinfeuerzeuge um die Modelle Junior und Streamline ergänzt. Das TRIPLEX Super war das erste halbautomatische Feuerzeug, bei dem die Flamme bereits beim Öffnen der Verschlusskappe entzündet wird – die Zündvorrichtung ist mit dem Öffnungsmechanismus kombiniert. Ein weiterer Vorteil ist, neben dem verstellbaren, patentierten Windschutz, die räumliche Trennung von Feuerstein und dem Vorratsbehälter für das Benzin, da beim Ersetzen des Feuersteins weder Benzin verdunsten kann, noch hierfür Werkzeug benötigt wird. Zum Befüllen des Tanks mit Feuerzeugbenzin muss dieser nur aus dem Gehäuse gezogen werden – die Prozedur gestaltet sich äußerst leicht.

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In den Schacht wird bei Bedarf ein neuer Feuerstein eingesetzt und das ohne mechanische Hilfsmittel

 

In den 60er Jahren wurde die Produktion nach Tribuswinkel bei Baden – in der Nähe von Wien – verlagert, da sich der Zeitgeschmack gewandelt hatte und die Ansprüche gestiegen waren. So wurde die Angebotspalette entsprechend angepasst und erweitert. Kunststofffeuerzeuge mit Piezo- und Reibrad-Zünder waren nun begehrt und wurden nachgefragt, welche zudem mit Gas und nicht mehr mit Benzin betrieben wurden. Im Laufe der Jahrzehnte wurden ca. 70 unterschiedliche Feuerzeugmodelle bei IMCO hergestellt, die in einer dreistelligen Millionenauflage weltweit verkauft wurden. Im Jahre 2012 schlossen sich die Pforten für die Feuerzeugproduktion – nach einem Schaden an den Produktionswerkzeugen – für immer. Jedoch, es gibt noch Unternehmen, die wahre Werte erkennen: 2013 erwarb die japanische Firma Windmill den Markennamen und die dazugehörigen Rechte zur Fortführung der Produktion dieses Kult-Sturmfeuerzeuges, und so werden die TRIPLEX Benzinfeuerzeuge heute wieder, wie eh und je, in den einschlägigen Geschäften angeboten. Nur nicht mehr „Made in Austria“.

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IMCO blieb der Stellenwert eines Zippos versagt, was auch daran gelegen haben mag, dass Produkte von jenseits des großen Teiches beim Käufer immer etwas hipper und angesagter waren, was auch an der Marketingstrategie von Zippo gelegen haben mag. Das Feuerzeug wurde immer imposant in Szene gesetzt und auch von den Filmschaffenden entsprechend aufgenommen, gewürdigt und damit beworben. „Productplacement“ wird diese Art von Marketing heute schwergewichtig genannt.

Ob diese Produkte dann auch wirklich die besseren waren, als die weniger auffällig platzierten, bleibt mal dahingestellt. Einen Vergleich zwischen den österreichischen IMCO und amerikanischen Zippo Sturmfeuerzeugen anzustellen, gestaltet sich schwierig – keines ist im Vergleich schlechter oder besser, die beiden sind einfach nur anders. Das IMCO ist etwas filigraner und aparter zum Ansehen und nicht gar so simpel wie das Vergleichsprodukt – meine Meinung.

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Das IMCO TRIPLEX ist zwar etwas höher aber schmaler in der Gesamtausführung und zudem etwas leichter

Anders als beim Zippo, genügt bei dem IMCO TRIPLEX ein Daumendruck, um die Flamme zu entzünden. Das hängt damit zusammen, dass bei dem österreichischen Sturmfeuerzeug der Zünd- und Öffnungsmechanismus kombiniert sind. Dadurch entsteht auch eine geringere Verdunstung des Benzins (über den Docht) beim Öffnen. Und es verfügt über einen Windschutz. Zudem ist es gegenüber dem Zippo, von der Kubatur her gesehen, etwas kleiner und leichter im Gewicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Tank – wird er mit dem Docht entnommen – als Kerze Verwendung finden kann.

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Der Benzintank mit dem Docht ist von dem eigentlichen Gehäuse getrennt und kann zur Not auch als Kerze benutzt werden

 

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Ein Daumendruck genügt, um die Flamme zu entzünden. Das hängt damit zusammen, dass der Zünd- und Öffnungsmechanismus kombiniert ist

Das Feuerzeug erfüllt im Übrigen die ISO 9994 Standards, sodass keine Kindersicherung – gemäß den europäischen Bestimmungen – vonnöten ist.

 

Angebotssituation

Neue IMCO TRIPLEX Benzinfeuerzeuge „Made in Austria“ gibt es nicht mehr. Aber diese, noch original in Österreich gefertigten Feuerzeuge, erleben derzeit einen – ich möchte es jetzt einmal vorsichtig formulieren – regelrechten Boom. Schauen Sie doch einmal in die einschlägigen Online-Versteigerungsportale: Innerhalb weniger Jahre zeichnet sich eine Wertsteigerung von bis zu 700% (!) ab. Selbst in Österreich ist es nahezu unmöglich, noch ein neues IMCO TRIPLEX in irgendeiner Trafik zu erstehen. Man könnte annehmen, dass in irgendeiner verstauben Ecke des Lagers noch das eine oder andere auf seine Entdeckung warten müsste: Fehlanzeige.

 

Klassik Lust-Profil

Gehen Sie mit offenen Augen über Flohmärkte oder auch durch Trödelläden auf die Suche nach einem der begehrten Feuerzeuge – möglicherweise hat der Verkäufer den sich abzeichnenden Wertzuwachs noch nicht erkannt und Sie können günstig an so ein Sturmfeuerzeug kommen.

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Schlichtes harmonisches Design, da wird das IMCO TRIPLEX schnell auf den Thron eines Kunstwerkes gehoben. Hintergrund: Ausschnitt aus dem Gemälde „Bibliobär“ von Ursa Wolf

 

Text & Fotos: Ulrich Bänsch

 

 

 

2 Kommentare

  • RADULOVIC DRAGISA sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Ich habe zufällig von meinem Opa so ein Feuerzeug geerbt. IMCO- JUNIOR VIENNA
    AUSTRIA 6600. Es funktioniert immer noch tadellos. Es ist 70-80 Jahre alt.

  • Heiko sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren !
    Habe mir diese Feuerzeuge auf Vorrat gekauft, war allerdings mit dem Docht
    nicht zufrieden bis dieser geändert wurde. Den ausgefranzten habe ich durch
    einen Zippodocht ersetzt. Habe mich gewundert daß die Feuerzeuge auf einmal
    weg waren. Der Preis von ca: 25€ für die Neuen ist allerdings hoch, wenn dies
    noch die gleiche Verarbeitungsqualität und Materialstärke ist.

    Mit freundlichen Grüßen, H.

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