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Honda Dax – Endstation Sehnsucht

Da steht sie nun vor mir. Die Dax. Die Honda Dax. 24 volle Jahre – also fast ein Vierteljahrhundert – habe ich auf diesen Moment warten müssen. Meine Dax. Klein, mit knuffelig wirkenden Reifchen, handlich, einfach zum verlieben. Da überkommen mich auf einmal sentimentale Gefühle. Da steht’s, das Objekt meiner jugendlichen Sehnsucht und Begierde.

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Der Autor und seine Honda Dax ST 50, Baujahr 1997. Seit 2000 ist sie seine: „Lebe Deine Träume und träume nicht Dein Leben!“

„Die Dax ist das reine Vergnügen mit zwei kleinen Rädern“, „Draufsetzen und losdaxen – Sie wissen dann, was wir meinen!“ So stand’s geschrieben im Prospekt Mitte der 70er Jahre. Illustriert mit Bildern, die auch nachts vor meinem geistigen Auge immer präsent waren, oder wenn mich der Mathe-Unterricht mal wieder anödete und ich mich für einige kurze Augenblicke „wegbeamte“. War ja eh nicht weiter schlimm, denn kapiert habe ich – damals – sowieso nix von den mir ehedem nebulös erscheinenden, akrobatischen Zahlenspielen.

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Das waren die geheimen Sehnsüchte – der Prospekt aus den 70er Jahren

Die Honda ST 50 G – wie ihre vollständige, hochoffizielle Namensgebung war – stand anno 1976 mit 1.328 Märkern in der Preisliste des 76er Motorradkataloges. Der Katalog, er wurde wie eine Bibel für mich. Stundenlang saß ich an meinem Schreibtisch, die Füße auf selbigem hochgelegt, adäquate Musik klang aus dem Telefunken-Cassettenrecorder, so träumte ich vor mich hin. Heute weiß ich, ich habe es damals schon verstanden, mir meine Sinnoasen zu schaffen. Selbstredend, dass ich mir alle entsprechenden Prospekte über das Objekt meiner Begierde besorgte. Sie existieren auch heute noch. Der Motorradkatalog war das erste Kompendium über Motorräder, das ich mein Eigen nannte. Die Folgen waren verheerend, so meine Eltern. Um den wahren Preis des Kataloges vor den allzu neugierigen Blicken meiner Angehörigen zu verbergen, überklebte ich den Preis mit gelbem Tesaband. Dort klebt es auch heute noch bombenfest, und nicht einmal ich weiß heute mehr, was der Motorradkatalog damals wirklich gekostet hat. Ich wusste, welche Einstellung meine Eltern zu Motorrädern hatten: Ich „dürfte“ den Autoführerschein mit 18 machen – den sie auch bezahlen würden – aber ein Motorrad? Nein, das käme niemals in Frage. Ein Auto würden Sie auch noch finanzieren… Der Wink mit dem Zaunpfahl, es war schon eher ein Marterpfahl, bedeutete mir Unheilvolles. In Gedanken sah ich mich schon auf der Straße kampieren. Kein „Moped“. Was das für einen Heranwachsenden von 15 Jahren damals bedeutete, kann man sich heute nur schwer vorstellen. Es war wie eine soziale Ausgrenzung nahe am Rande der Asozialität. Jeder, der was auf sich hielt, fuhr mit 15 Mofa und mit 16 stand die Kreidler vor der Haustüre. Kreidlers Florett RS-L mit M-Lenker in potthässlichem Giftgrün koloriert, das war damals der angesagteste Renner. Mit dem Teil ließen sich die Mädels am vortrefflichsten aufreißen. Mir aber gefiel sie nicht sonderlich. Schon deswegen nicht, weil mir die Typen, die mit den Dingern herumheizten, aufs äußerste unsympathisch waren. Aber Kreidler war halt damals an dem Stuttgarter Gymnasium, das ich mit meiner Anwesenheit beglückte und pflichtgemäß zu besuchen pflegte, DAS Kleinkraftrad überhaupt. Schon möglich, dass die ausgeprägte Antipathie auf Gegenseitigkeit beruhte. Und außerdem kostete die Kreidler damals 2.605 DM. Ein Preis, der über Jahrzehnte ein imaginäres Loch in meine – damaligen – ohnehin nicht vorhandenen Barmittel gerissen hätte.

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Ein schöner Rücken kann auch entzücken – so sagt man…

Aber ich hatte mich ohnehin in die Dax verguckt. Nein, das ist nicht die richtige Beschreibung für mein damaliges Gefühlsleben. Ich war in das kleine, knuffelige Zweirad unsterblich verliebt. Aber die Eltern, sie blieben hart. Da half kein Bitten und kein Betteln. Auch nicht so abstruse Versprechungen, wie „mehr lernen“ zu wollen. Allein schon die Tatsache, dass ich mich zu so einer Äußerung hinreißen ließ, kam schon dem Tatbestand einer Kapitulation sehr nahe. „Es kommt kein so blödes Motorrad ins Haus“. Endlose Diskussionen führten zu keinem besseren Ergebnis. Für mich damals unverständlich und nicht nachvollziehbar. Ich heulte oft vor Wut. Heute aber – mit einigen Jahren Abstand – kann ich es besser verstehen. Es war die elterliche Für-Sorge, die ihren einzigen Sprössling keinen unnötigen Gefahren aussetzen wollten.

Insgeheim fing ich dennoch an, auf die Dax zu sparen und hoffte auf ein göttliches Wunder. Aber über die magische Schallmauer von 100 Mark kam ich nicht hinaus. Ich wünschte mir inständig einen warmen Geldsegen. Aber von wem? Träume versetzen vielleicht doch Berge, dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn und einem unerschütterlichen Optimismus, der mir Gott sei Dank bis heute erhalten geblieben ist, bloß mit einer realistischeren Einschätzung des älter gewordenen Enthusiasten.

Natürlich gab es neben der Honda Dax auch noch andere Zweiräder, die ich zu präferieren gedachte, die meine Begierlichkeit weckten und die in die nähere Wahl kamen. Da war die Suzuki RV 50. Auch sie schön knuffelig klein mit den Ballonreifchen. 1.976 DM hat sie anno 1976 gekostet. Noch unerreichbarer als die Dax, obwohl die „nur“ 352 Mark günstiger war. Aber die gedanklichen Exkursionen und Träumereien gingen immer wieder zu der Dax zurück…

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Ein emotionaler Energiespender: Die Dax, sie ist für den Gourmet ein Quell der Freude, auch wenn`s gemächlich zugeht. Stilvoll und funktionsorientiert mit ihren 2,4 PS und glänzend poliert wie eine Weihnachtskugel!

2 1/2 Jahrzehnte später

Obwohl ich – berufsbedingt – heute andere Dimensionen gewohnt bin, stellt sich mit der Dax bei mir ein Fahrgefühl, ein Feeling ein, das sich nur so nennen lässt: ursprünglich. Kein Hypermotor mit einer Literleistung jenseits von Gut und Böse. Da werden nicht die thermodynamischen Verbrennungsvorgänge bis zum letzten Quäntchen ausgequetscht. Daxen ist ein gemütlich-beschauliches Fahren. Schon alleine wegen der Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Das ist mitunter ein nicht ganz ungefährliches Spiel. Hier erlebe ich hautnah, was aktive Sicherheit in unserem Sprachgebrauch für eine Bedeutung hat – wenn die vermaledeiten Blechkarossen im Zentimeterabstand an mir vorbeischrammen. Da suche ich freiwillig ruhige, verkehrsarme Nebensträßchen. Und in Tempo-30-umfriedeten Straßen bin ich der absolute King. Ich halte locker mit allem Schritt, was auf der Straße kreucht und fleucht. Die Dax, da tobt sie wie ein junger Hund. Die 2,4 Pferdchen – die das kleine viertaktende Motörchen aus 49 ccm produziert – haben schon etwas Mühe, die fast 100 kg Kampfgewicht an Zuladung seines Meisters in Fahrt zu bringen. Aber wenn man höchst engagiert am Gasgriff dreht, dann geht’s recht flott voran und wenn die Fuhre erst mal in Schwung ist, dann gibt’s kein Halten mehr. Es ist halt leider mal so, dass sich in der Mokick-Leistungsklasse jedes Kilogramm Gewicht ihres Reiters gleich negativ bei der Beschleunigung bemerkbar macht. Die Dax wäre mit mir – seinerzeit als ich 16 war – sicherlich schneller vom Fleck gekommen.

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Der kleine Kraftspender, auch wenn es eher für eine gemütliche Reise reicht

Dank der Fliehkraftkupplung entfällt der Griff zum Kupplungshebel. Die drei Gangstufen lassen sich sauber und satt einlegen und ich lerne die Vorzüge einer Schaltwippe zu schätzen, besonders wenn man mit solchen Quadratlatschen in dem Format kleiner Kindersärge gesegnet ist wie ich. Auf der Ebene schwingt sich die Dax mit ihrem Reiter recht schnell in den Bereich ihrer behördlich genehmigten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h hinauf, darüber geht leider nicht mehr allzu viel, aber das liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch an meinem Luftwiderstandsbeiwert; die Eiger-Nordwand im Fahrtwind…. Bergab geht´s aber schon nahe an die 60 km/h. Stellt sich die kleinste Steigung in den Weg, versetzt sie der äußerst dynamischen Fortbewegung einen leichten Dämpfer. Da hilft nur eins: Gasgriff am Anschlag und immer sauber die Gänge wechseln, um das Drehmomentband optimal auszuschöpfen, sonst wird die Erklimmung von Hügeln, die sich einem in den Weg stellen, äußerst zäh und man liegt schnell im Clinch mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen aller Couleur. Es artet dann zwar in Arbeit aus, aber die Steigungen werden doch deutlich erträglicher und man erklimmt nicht schneckengleich die geologischen Ungereimtheiten. Das stimmliche Frohlocken der 2,4 Pferde am Geschirr wirken durch die Art des Klangbildes einer Nähmaschine recht wohltuend auf die Gemütslage und die Psyche des Fahrers. Mit dem Kleinkunstwerk der kleinen PS-Fabrik lässt es sich jedoch wieselflink durch die Kurven surfen – die Dax ist ein Kurvenräuber und -wetzer par excellence. Je nach Fahrweise konsultiere ich nach 80-100 km eine Tankstelle, um der Dax Frischgezapftes in den unter der Sitzbank befindlichen Tank zu füllen. 2-2,5 l Sprit auf 100 Kilometer ventilieren durch den Keihin-Schiebervergaser.

Heute bedeutet „daxen“ für mich Erlebnislyrik in Reinkultur und die Fahrtstrecken werden zu wahren Lustkilometern.

Und wenn ich auf der Dax sitze, dann bin ich noch mal 16!

Aber mit Mopett!

Mit meiner Honda Dax!

Als Jugendlicher sollte sie für mich das Tor zur mobilen, motorisierten, individuellen Freiheit sein. In dieser Phase des mobil-sein-wollens ergaben sich aus heutiger Betrachtungsweise auch Parallelen zu den Jahren nach dem Krieg, als man sich mit dem ersten mühseligst ersparten verbrennungsmotorgetriebenen Fortbewegungsmitteln auf die Suche nach neuen Welten machte, und auch „größere“ Distanzen überwinden wollte.

Und genau so erlebe ich sie heute!

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Man kann`s bergab auch krachen lassen

Meinen Motorradkatalog habe ich über die Jahre gehütet wie ein Gralshüter seinen Palastschatz… Er ist im Laufe der Jahre durch das viele Träumen mit ihm etwas zerfleddert. Aber er ruht heute in einer schützenden Hülle. Und manchmal packe ich ihn wieder aus, blättere in ihm herum, und die alten Erinnerungen werden wieder wach, so als wären die zurückliegenden Jahre nicht da gewesen.

Die Dax aber, sie ist für mich immer wieder ein Ausflug in einen vergangenen Traum. Ein Traum, der so weit zurückliegt und schon unwirklich erscheint und doch so wach geblieben ist….

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Stilechtes Ambiente: das Instrumentarium der Honda Dax mit homöopathischer Laufleistung auf der Uhr

Technische Daten

Honda Dax ST 50:

Motor:

Bauart:

Einzylinder-Viertakt-Motor; luftgekühlt;

Hubraum: 49 ccm;

Bohrung: 39,0 mm;

Hub: 41,4 mm;

Leistung: 2,4 PS (1,8 kW) bei 7000 U/min;

max. Drehmoment: 3,1 Nm bei 4500 U/min;

Verdichtungsverhältnis: 10,0 : 1;

Obenliegende kettengetriebene Nockenwelle;

2 Ventile;

Nasssumpfschmierung;

Keihin-Schiebervergaser;

CDI-Zündanlage;

Kickstarter;

Wechselstromlichtmaschine; Batterie 12 V/3 Ah;

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Kraftübertragung

Primärantrieb über Zahnräder;

Fliehkraftkupplung;

3-Ganggetriebe;

Sekundärantrieb über Kette;

Fahrwerk:

Pressstahlrahmen;

Hydraulische Telegabel vorne;

Standrohrdurchmesser 25 mm;

2 Federbeine hinten;

Räder:

Teilbare Felgen vo/hi 2.50 x 10 / 2.50 x 10;

Reifen vo/hi 3.50 x 10 / 3.50 x 10;

Bremsen:

Vorne Trommelbremse Durchmesser 110 mm;

Hinten Trommelbremse Durchmesser 110 mm;

Maße und Gewicht:

Länge/Breite/Höhe 1550/590/980 mm;

Radstand 1045 mm;

Sitzhöhe 740 mm;

Lenkkopfwinkel 65°;

Federweg vo/hi 93/68 mm;

Gewicht vollgetankt/fahrfertig 75 kg;

Zulässiges Gesamtgewicht 255 kg;

Zuladung 180 kg;

Tankinhalt/Reserve 2,5/0,5 l;

Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h;

Verbrauch: 2,0-2,5 l/100 km

Preis 1991: 3.070 DM

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Der Tank befindet sich unter der Sitzbank

 

Historie

Honda Dax

Bereits in den 60er Jahren hatte Honda mit der CZ 100 einen 49 ccm und 43 kg leichten Winzling im Programm, der sich dank seines kleinen, handlichen Formates großer Beliebtheit erfreute. Als motorisiertes Mini-Zweirad konnte man es ohne weiteres in einem Wohnwagen oder auf einem Boot verstauen. 1968 wurden in Hamamatsu die ersten Prototypen der späteren Honda Dax gebaut. Ein kleines 2-sitziges Motorrad mit Pressstahlrahmen, größer und komfortabler als die CZ 100, aber immer noch in handlichem Format. Dank der umklappbaren Lenkerhälften und des auslaufsicher verschließbaren Tanks unter der Sitzbank bot die Dax also auch die besten Voraussetzungen, um sie platzsparend zu verstauen und selbst in Mittelklassefahrzeugen im Kofferraum mitzunehmen. Der Motor entstammt im Wesentlichen aus dem der SS 50, und dieser Motor basierte im Prinzip auf dem Erfolgsrenner C 100 Super Cub, der seit 1958 überaus erfolgreich gebaut wurde und mittlerweile das am meisten produzierte Motorrad der Welt ist.

1970 stand die Honda Dax erstmals als ST 50 in der deutschen Preisliste des Importeurs. Mit 4,5 PS bei 8800 U/min und einer angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h war die Dax ein Kleinkraftrad und rutschte demzufolge in den hohen Versicherungstarif. 10-Zoll Räder, ungedämpfte Telegabel, Halbautomatik, ein 3-Ganggetriebe und der millionenfach bewährte 1-Zylinder-Viertakt-Motor, der ein Ausbund an Zuverlässigkeit bei geringem Wartungsaufwand war und ist, fand seinen Käufer- und Liebhaberkreis. Die Dax sollte als Fun-Bike auch die Lücke zwischen dem kleinsten Motorrad der Welt – der Monkey – und dem Kleinkraftrad SS 50 schließen. 1973 wurde die Kleinkraftrad-Dax ST 50 von der ST 50 G als versicherungsgünstiges Mokick – mit 2,1 PS bei 5000 U/min, Höchstgeschwindigkeit 40 km/h – abgelöst. Die Drosselung wurde über verkleinerten Ein- und Auslass, sowie über die Zündverstellung bewerkstelligt. Gleichzeitig gab es beim Honda-Händler auch die ST 70 E mit 72 ccm und 5,2 PS bei 8000 U/min, die laut Werksangaben 75 km/h schnell rennen sollte, aber der Fahrer froh sein konnte, wenn die Fuhre an der 70 km-Marke knabberte. Beide Daxen waren noch mit einer 6-Volt-Magnetzündung ausgerüstet, wobei die 41 Watt Lichtmaschine recht häufig überfordert war, speziell bei der 50 DM teureren 70er, denn diese verfügte auch über eine Blinkanlage und Fernlicht. Der Motor war baugleich mit der 50er, hatte aber einen größeren Kolben und Ventile sowie eine andere Vergaserbedüsung. Aber wer die 70er Dax fahren wollte, der brauchte schon den damaligen 1er Motorrad-Führerschein. Bis Ende der 70er Jahre wurde die Dax-Familie über 35.000-mal verkauft. Der – bei allen gleich große – Tank von 2,5 l, davon 0,5 l Reserve, lehrte den Fahrer Tankstellen-vorausschauend zu fahren, denn je nach Fahrweise war der Tank nach 80-100 km staubtrocken. 1977 gab es ein Facelift bei der Dax mit anderer Farbgebung und anderer Typenbeschriftung. „K3-Baureihe“ hieß sie nun im Branchenjargon. 1980 wurde die Dax aus dem offiziellen Verkaufsprogramm von Honda heraus genommen. 8 Jahre später – 1988 – stand der Kult-Klassiker wieder in den Preislisten von Honda. Jedoch gab es die Dax nunmehr „nur“ als Mokick, mittlerweile durften sie aber vom Gesetzgeber her 50 km/h schnell sein. Die Auflagen des Antimanipulationskataloges zeigten ihre Folgen. Abrissschrauben, ein um 2 mm verlängertes Pleuel, etwa halb so große Ventile und im Querschnitt reduzierte Kanäle sollten dem ungezügelten Frisierdrang restriktiven Einhalt gebieten. Denn die frühen Daxe ließen sich vortrefflich – illegalen – Leistungssteigerungen unterziehen. Sie liefen dann wie die sprichwörtlich gesengte Sau. Richtig komfortabel gab sich die neue Dax: Verbessertes Fahrverhalten durch eine hydraulisch gedämpfte Telegabel, Hauptständer, CDI-Zündung, 12-Volt-Elektrik, eine neue Schaltwalze sorgte für leichteres Schalten und die Nockenwelle war nun endlich kugelgelagert. Bei den früheren Daxen war die gleitgelagerte Nockenwelle einer der ganz wenigen Schwachpunkte, ebenso wie der mechanische Steuerkettenspanner, der von einem hydraulischen ersetzt wurde.

1997 stellte Honda die Dax-Produktion nach 28 Jahren vollständig ein. Wer heute eine gebrauchte Dax sein Eigen nennen möchte, muss für eine guterhaltene 50er zwischen 1.200 bis 1.600 € und für eine 70er zwischen 1.400 und 1.800 € auf den Tisch blättern. Die millionenfach produzierten Motoren sind wie schon erwähnt bei geringem Wartungsaufwand sehr zuverlässig. Das Einzige, was sie nicht sonderlich mögen, sind synthetische Motoröle, denn diese können Probleme mit der Fliehkraftkupplung bereiten. Dass die Dax Zeit ihres Lebens ein beliebtes Objekt der Tuning-Begierde war und ist, zeigt sich auch an der Vielzahl der Firmen, die sich dieses Themas annehmen. Da bekommt man die Dax straßenzugelassen mit bis zu 144 ccm und bis zu 20 PS. Ein kultiges und szeniges Tuningobjekt. Und wer heute noch eine neue Dax haben möchte: Da gibt’s bei einigen Anbietern noch die chinesische Kopie; Jincheng nennt das Dax-Plagiat „Trail Rider“, mit 85 ccm Hubraum, 7,5 PS bei 8500 U/min, Scheibenbremsen und Handkupplung für ca. 2.000 €.

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Ursa Wolf, Bänsch

1 Kommentar

  • Nagel sagt:

    HONDA-DAX-ERLEBNISSE……ein Traum wurde wahr….
    Hallo DAX -FREUNDE und LIEBHABER
    …das könnte mit heute 58 Jahren auch meine Geschichte in den 70 ern gewesen sein.
    Toll geschrieben mit den gleichen Problemen wie ich mit meinen Eltern hatte.
    2016 habe ich das alles nachgeholt…. Mit 56….
    Meine Frau war mit Freundin und Schwester auf ihrer alljährlichen Städtereise– und ich???
    Packte die 70 ccm DAX in ladenneuem Zustand in den Grand Cherokee,verzurrte sie gut und fuhr in unsere 2. Heimat,wo ich schon in den 70ern mit meinen Eltern und im Opel Kadett zum Camping war–an den Gardasee….
    Bei meinem dortigen Hotelier, wo ich schon lange hinkomme , löste das Öffnen der Heckklappe große Freude aus und die Gäste fragten mich um mich herumstehend wo ich mit dem Ding hinwill.
    Als sie dann so vor uns stand und der Motor vor sich 4-tackend hingrollte kam schon mehr Begeisterung auf.
    Lange Rede kurzer Sinn–in 6 Tagen Urlaub fuhr ich mit der DAX fast 750 km–am ersten Urlaubstag gleich nach dem Frühstück bei bestem Wetter komplett 164 km rund um den Gardasee.
    Egal wo ich hielt würde es fotografiert-bewundert-manche Frauen wollten ein Bild wo sie auf der DAX sitzen als Andenken….
    Ich war am Ledrosee-Tennosee-Iseosee-Idrosee -bin ins Hinterland gefahren-auf den Monte Baldo soweit es ging….und sie hat mich abends immer sicher zurückgebracht und dank der tollen Sitzbank und Position ohne Rückenschmerzen.
    Dann kam der große Moment:
    Ich fuhr mit der Honda DAX zu unserem alten Campingplatz nach Padenghe bei Desenzano den es immer noch gibt–fuhr in den Platz der terrassenförmig angelegt ist genau auf den Platz wo unser Zelt stand damals-und wo ich mit Prospekten der DAX damals saß und davon träumte eine DAX zu haben.
    Ich fuhr all die Straßen im Ort entlang als wäre die Zeit stehen geblieben,hielt am Eiscafé das es damals schon gab und dachte mir bei einer Tasse Capuccino….die DAX neben meinem Tisch geparkt–darauf musste ich jetzt -auf diesen Moment-,für den ich früher alles gegeben hätte,üüüber 40 Jahre warten.!!!!
    Es ist kindisch ,ich weiß –ich fahre einen Geländewagen,einen Jaguar Cabrio und eine Harley-Davidson Heritage Softail 1450 ccm……
    Aber diesen Moment–diese Reise in meine eigene Vergangenheit- diese Stimmen der Eltern heute noch im Ohr als das Thema einmal wieder auf dem Tisch war…..
    Ein unglaublich schöner Moment der mich wieder für die Dauer einer Woche 16 Jahre alt sein ließ ….
    Niemandem kann ich dieses Gefühl beschreiben und nur Wenige (…..oder sind es mehr als man glaubt…) kann mir das nachempfinden…
    Ich dachte an nix-weder an meine eigene Firma,noch an einen alternativen Top-Urlaub,den ich sicherlich auch hätte verbringen können……alles Unsinn.
    Ich kaufte mir morgens auf dem Markt ein Baguette,ein Stück Schinken und Salami-ein Stück Käse Grana Padano,ein Glas schwarze Oliven,ein kleines Fläschen Rotwein “ Bardolino“— packte alles auf den Gepäckträger in die Kühltasche samt Taschenmesser- dann gings morgens um 8 Uhr wieder los und ab ins Hinterland, schraubte mich über 72 Kurven immer weiter nach oben auf Straßen wo ab und zu mal ein 500er Fiat kommt(.. Andere Autos kämen garnicht aneinander vorbei…) bis ich aus einem kühlen Ca 700 m.langen stockfinsteren Tunnel im Kegel meines Scheinwerfers in der Ferne den Ausgang sah….Dort angekommen hielt ich an,hörte nur Vogelgezwitscher-kein Mensch weit und breit-setzte mich auf eine Holzbank mit Tisch,und schaute von ganz oben auf den in seiner vollen Pracht vor mir in Türkis schimmernden Gardasee….
    Raus mit Schinken-Käse und Salami-ein Schluck Rotwein aus dem Fläschchen….
    Von weiter Ferne hörte man das Tuten eines Schiffes auf dem See und sonst nichts.
    Just in diesem Moment klingelte das Handy–es war meine Frau die mir aus Lissabon berichten wollte…..
    Ich nahm das Gespräch nicht an weil es mich gerade aus meinen 70er Jahre Träume riss…..schickte aber eine SMS mit dem Hinweis ….“ Melde mich heute Abend 19 Uhr –bin gerade im Paradies!!!!“
    Bestes Wetter-mutterseelenallein–etwas zu essen und zu trinken-die DAX vor mir im Sonnenlicht glänzend–dafür wäre ich früher über den „Brenner“ gelaufen….
    Wieder wurde mir bewusst wie wenig man doch braucht um wirklich zufrieden zu sein…
    Wieder wurde mir klar wie sich die Jahrzehnte und auch ich mich verändert haben….
    Aber es wurde mir auch klar wie gut es mir tat mich in die 70er “ zurück zu Beamen“…..
    ….und erst nach ein paar Stunden und Abklapperns einiger kleinen Bergdörfer oberhalb des Gardasees fuhr ich ins Hotel zurück-quasi wieder ins Jahr 2016…..
    Gerne würde mich interessieren wem es schon ähnlich erging….
    PS
    Auf die Frage meiner Frau wie denn meine Ferien waren zeigte ich ihr Bilder–und nebenan die gleichen Bilder aufgenommen aber 1974….
    Sie hat es verstanden –aber vor dem Hintergrund damaliger Träume–war und bin nur ich es der es “ versteht“
    Beste Grüße aus Baden-Baden
    Peter

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