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Graz – Die traumhafte Stadt

Graz – die Landeshauptstadt der Steiermark ist die zweitgrößte Stadt Österreichs mit der größten zusammenhängenden Altstadt im deutschsprachigen Raum.

Sie hat ungefähr 280.000 Einwohner und gilt mit ihren 40.000 Studenten als bedeutende Universitätsstadt.

Graz hat nicht nur eine wunderschöne und sehenswerte Altstadt mit fein restaurierten Gebäudeensembles und mit viel Liebe gestalteten Plätzen und Parks zum Verweilen, es ist auch durch die Vielzahl an Universitäten aller Fachrichtungen eine äußerst lebendige Stadt, die sich weltoffen präsentiert. Die Aufzählung der individuellen Lokalitäten würde alleine schon ein Buch füllen. Besonders erwähnenswert ist das als „Bermuda-Dreieck“ bezeichnete Viertel rund um den Färberplatz und den angrenzenden Mehlplatz, in dem man wirklich die Zeit vergessen kann. Nicht nur beim Speisen, sondern auch – oder vor allem – beim Genuss der steirischen Weine und Biere. Stylische Bars, Gourmettempel, aber auch traditionelle Gastwirtschaften bieten dem Genussmenschen einen sehr angenehmen Zeitvertreib.

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Ein Denkmal zu Ehren Peter Roseggers, der viele Jahre seines sehr erfolgreichen Schaffens in Graz verbracht hat

2008 wurde an Graz der Titel „1. Genusshauptstadt Österreichs“ verliehen und die Stadt zählt zu den Genussregionen Österreichs. Sehr lebendig wirkt der interessante Spannungsbogen zwischen Tradition und Avantgarde, von den Schanigärten und Buschenschanken zu den Design-Gourmettempeln, die Verbindung von Kultur und Genuss in einer unvergleichlichen Art.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass das erste gedruckte österreichische Kochbuch 1686 in Graz entstand…

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Täglicher Bauernmarkt auf dem Kaiser-Josef-Platz. Frisch und regional von den Bauern aus der näheren Umgebung von Graz und zu vertretbaren Preisen

Besondere Erwähnung verdienen die Bauernmärkte der Stadt, auf denen die Landwirte der Umgebung ihr Obst und (oft schon küchenfertig geschältes, geschnittenes oder geraspeltes!) Gemüse, sowie die regional typischen Produkte zum Kauf feilbieten. Graz hat die höchste Marktplatzdichte Europas aufzuweisen und es ist lobenswert, dass solche Institutionen am Leben erhalten werden und die Stadtbevölkerung sich fernab von Supermärkten und Discountern direkt vom Erzeuger mit frischen Waren versorgen kann. Die größten Bauernmärkte findet man täglich am Kaiser-Josef-Platz gegenüber der Oper und am Lendplatz. Der Bauernmarkt am Kaiser-Josef-Platz ist der größte – von den fünfzehn in Graz regelmäßig stattfindenden Märkten – auf dem saisonale Feldfrüchte, Käferbohnen, steirischer Kren, Riesenfleischtomaten, Geselchtes, Gebackenes, Kernöl und noch viele andere Spezialitäten angeboten werden. Und: Auch der Grazer Krauthäuptel, welcher als Aristokrat unter den Salaten bezeichnet wird. Die Waren kommen aus einem Umkreis von maximal 50 Kilometern, darauf ist man besonders stolz. Hier kann der Besucher das typische Grazer Lebensgefühl spüren und gerade hier lässt es sich tief in die Seele der Murmetropole blicken. Das buntgemischte Publikum schätzt das reichhaltige Angebot regionaler Produkte und das schon seit Generationen. Von einem der Grazer Märkte sollte man sich unbedingt einen Becher Verhackertes und ein Grammelschmalz mitnehmen. Diese kalorienreichen Aufstriche auf ein frisches Stück Bauernbrot geschmiert: Eine Delikatesse.

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Die Vielfalt der Produkte die auf den Bauernmärkten angeboten werden ist ist äußerst mannigfaltig

 

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Paradeiser – also Tomaten – die auch wirklich nach Tomate schmecken und deren Geschmack nicht weggezüchtet ist

 

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Fertig portioniertes frisches Gemüse, das oftmals erst morgens auf den Feldern geerntet wurde

 

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Säfte und Beeren der regionalen Bauern

 

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Das findet sich nur auf Bauernmärkten: Birnen die keiner EU-Norm entsprechen müssen – welch ein Segen, das schmeckt der Connaisseur – und Zirbenholzscheite gegen Motten

Leider geht auch an Graz die Spur der Zeit nicht ganz vorüber – traditionelle Gastwirtschaften, welche zum Teil schon seit Jahrhunderten existierten müssen schließen, sei es, dass sie keinen geeigneten Nachfolger finden oder die Mieten drastisch erhöht werden mit der Folge, dass ein rentabler und wirtschaftlich sinnvoller Weiterbetrieb so gut wie unmöglich wird.

In einigen der wunderschönen innerstädtischen Parkanlagen, die für die Naherholung der Bevölkerung angelegt wurden und auch noch das Flair der k.u.k. Zeit atmen, werden vermehrt als Umschlagplätze für berauschende Substanzen missbraucht und so ist es nicht verwunderlich, dass sich dort ominöse Gestalten herumtreiben und der Personenkreis, der dort Ruhe und Erholung suchen wollte, diese idyllischen Stätten meidet. Es drängt sich der Verdacht auf, dass gewisse behördliche Institutionen vor diesen Problemen schlicht die Augen verschließen.

Als äußerst lobenswert muss festgestellt werden, dass die Bim (so wird die Straßenbahn in Graz genannt) zwischen den zwei zentralen Haltestellen Jakominiplatz und Hauptplatz – plus eine Haltestelle in beide Richtungen – von jedem kostenfrei benutzt werden kann. Daran können sich andere Städte ein Beispiel nehmen. Sehr vorbildlich!

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Der Hauptplatz mit der BIM. Vom Hauptplatz und dem Jakominiplatz kann der Fahrgast plus eine Haltestelle in beide Richtungen kostenfrei benutzten

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Abendliche Impression am Jakominiplatz. Schön sieht es zwar nicht aus aber der Platz ist der zentrale Umsteigknotenpunkt in der doch eng bebauten Stadt Graz

Es ist nicht nur die Stadt, welche einen in den Bann zieht, es ist das weltoffene Flair, die Herzlichkeit der gutaussehenden Menschen, welche allesamt stets gut gekleidet, hilfsbereit und höflich sind. Wenn man an einem der Würstelstände am Hauptplatz eine Käsekrainer oder ein Paar Frankfurter (bei uns Wiener) mit Senf nebst frisch geriebenem Kren goutiert, sind die sonst bekannten sozialen Schranken restlos aufgehoben.

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Am Hauptplatz befindet sich auch das Rathaus

 

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Der Hauptplatz wird für Events rege genutzt. So auch hier, als der österreichische Brausehersteller zu einem werbe- und medienwirksamen Auftritt einlud.

„Bitte gerne“, „Bitte danke“ hört man allerorts und das sind keine dem Marketing entsprungenen Floskeln – sie kommen meist von Herzen und vermitteln uns ein Gefühl von menschlicher Wärme. Durch den respektvollen und herzlichen Umgang miteinander wird eine unsichtbare Verbindung zwischen den Menschen gesponnen. Ein seidener Faden von Herz zu Herz, in dessen angenehmen Bann man sich nur allzu gerne ziehen lässt.

Dass es in einer Stadt, die sich aufgrund ihres historischen Altstadtkerns glücklich zu schätzen weiß, mit der Parkplatzsituation problematisch ist, diese Tatsache ist nicht von der Hand zu weisen und offensichtlich. Es gibt doch einige Tiefgaragen in Altstadtnähe sodass sie fußläufig bzw. mit der Bim bequem erreichbar ist. In Graz sind im öffentlichen Parkraum sogenannte blaue und grüne Kurzparkzonen mit exorbitant hohen Parkgebühren ausgewiesen und es kann nur jedem, der sein Fahrzeug parkt, der deutliche Rat erteilt werden: Behalten sie ihre Uhr und die Parkzeit im Auge, denn die Mitarbeiter/innen der Grazer Parkraumgesellschaft sind gnadenlos und schwärmen in Bataillonsstärke durch die ausgewiesenen Kurzparkzonen auf der Jagd nach Verstößen und sie sind dabei äußerst erfolgreich. Es wurde berichtet, dass sie bei einem Fahrzeug so lange stehen blieben, bis die Parkzeit abgelaufen war und sie voller Freude das Knöllchen endlich unter den Scheibenwischer klemmen durften. Hier muss aber der Fairness halber erwähnt werden, den Verstoß hat der Fahrzeuglenker begangen und nicht der „Parkraumsheriff“, der nur seiner Pflicht nachgeht – aber so ohne jegliches Toleranzgefühl, das passt irgendwie nicht zu einer Stadt, die das Herz am rechten Fleck zu tragen scheint.

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Hier gilt es als Automobilist aufzupassen: sonst wird es richtig teuer

Biegt man von einer der Haupteinkaufsstraßen, zum Beispiel der zentralen Herrengasse, in eine der kleinen Gassen ab, so finden sich sehr viele, heute schon unbekannte Gewerke, alteingesessene Handwerksbetriebe, welche bereits seit Generationen existieren und die sich auch heute noch reger Nachfrage nach ihren Diensten erfreuen können. Auch kleine Handelsunternehmen haben neben modernen Designerläden ihre Existenzberechtigung, völlig gegen heutigen Trend, durch den immer mehr von solchen Kleinodien vom Aussterben bedroht sind. Es kommt einem so vor, als setzten die Grazer hier ein deutliches Zeichen, dass nicht unbedingt das Schneller, Größer und noch höhere Rendite Einbringende das Maß aller Dinge ist, sondern auch das traditionell-Wertige.

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Idyllische und malerische Gassen in der Grazer Altstadt. Sie müssen nur von den Hauptstrassen abbiegen und Sie finden solche Kleinodien. Die hier lichtbildnerisch dargestellte Gasse ist die Davidgasse, die der bekannter Grazer Maler Hans Wolf in einer Federzeichnung abbildete. Dies ist in einem Bericht in der Klassik Lust ausführlicher zu lesen: Kunst und Wirklichkeit – Die Grazer Davidgasse

Sehenswert sind auch die Hinterhöfe, welche mit Murnockerln gepflastert sind. Die Murnockerln sind von der Mur natürlich rundgeschliffene Steine und üben auf den Betrachter eine einzigartige Faszination aufgrund ihrer eigenartigen Formen aus.

Als Grazer Institution können noch das Delikatessenfachgeschäft Frankowitsch in der Stempfergasse und das k.u.k. Hofcafé Edegger-Tax besonders zu einem Besuch empfohlen werden. Frankowitsch ist für seine belegten Sandwiches von der Brötchenbar berühmt und es gilt bei vielen: Kein Besuch der Stadt ohne bei Frankowitsch gewesen zu sein und das nicht nur wegen der Leckerbissen, auch getreu dem Motto: sehen und gesehen werden. Das Edegger-Tax war k.u.k. Hoflieferant und hält bis heute seine Tradition aufrecht, wobei die Geschäftsfassade aus Holzintarsien und dem einzigartigen Eingangstor noch berühmter sein mag als die diversen Kuchen und Feinbäckereien aller Art.

In Graz ist man dem dolce vita sehr zugetan. Die Grazerinnen und Grazer verstehen das Schöne und Angenehme des Lebens zu genießen. Es ist fast schon ein italienisches Lebensgefühl, das einen da umweht, gepaart mit österreichischem Charme.

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Das Leben genießen. Der Autor, Journalist und Kunstschaffende Prof. Bernd Schmidt in einem Schanigarten

Wo der Graz-Tourist auch unbedingt einen Besuch abstatten und die berühmte Erzherzog-Johann-Torte (die nach einem Geheimrezept hergestellt wird) mit einem Kleinen Braunen genießen sollte, ist das legendäre Café-Restaurant Erzherzog Johann – traditionell der Treffpunkt von interessanten Persönlichkeiten. Es befindet sich in dem denkmalgeschützten Wintergarten des barocken Palais-Hotel Erzherzog Johann in der Sackstraße – in unmittelbarer Nähe zum Hauptplatz, der mit dem Rathaus den historische Mittelpunkt der Altstadt bildet – mit Bauten aus der Renaissance, dem Barock und dem Biedermeier.

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Der denkmalgeschützten Wintergarten des barocken Palais-Hotel Erzherzog Johann in der Sackstraße

Vom Hauptplatz zweigt die zum Schloßberg ansteigende Sporgasse ab, in der die Häuserzeilen als kunsthistorisches Bilderbuch mit vielen Stilelementen bezeichnet werden können.

Sehenswert ist auch das Landhaus in der Herrengasse, unweit des Hauptplatzes, das zu den bedeutendsten Renaissancebauten Europas gezählt wird und welches das einzige original erhaltene Zeughaus sowie die größte historische Waffensammlung der Welt beherbergt.

Graz hat auch ein sehr stark ausgeprägtes kulturelles Leben aufzuweisen, sei es auf den Gebieten der Malerei, dem literarischen Schaffen, der Musik und natürlich nicht zu vergessen des Designs und der Architektur. So wie es den Anschein erweckt, ist Graz ein äußerst inspirierendes Fleckchen Erde, das der Kreativität äußerst förderlich zu sein scheint.

 

 

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Der etwas leichtere Weg auf den Schlossberg. Mitten in der Stadt und doch im Grünen

Die beste Aussicht auf Graz mit seiner beeindruckenden, historischen Dachlandschaft hat der Betrachter vom Schlossberg mit dem berühmten Uhrturm aus, welchen man per pedes, mit dem Lift oder mit der nicht minder berühmten Schlossbergbahn (eine Standseilbahn) erklimmen kann. Von diesem – mitten in der Stadt gelegenen – Schlossberg aus versteht man auch, warum Graz 1999 den Status eines UNESCO Weltkulturerbes verliehen bekommen hat. Die Grazer Altstadt wurde während der unheilvollen Bombenabwürfe des 2. Weltkrieges verschont, sodass die historischen Gebäude unversehrt blieben – mitsamt der beeindruckenden Dachlandschaft. Gerade diese wird durch strenge behördliche Auflagen in ihrem Originalzustand durch den behutsamen Austausch der Dachziegel erhalten.

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Blick vom Schlossberg auf das historische Dächermeer der Grazer Altstadt

Leider gibt es auch einige Bausünden zu sehen.

Ob man das neue, unübersehbare Kunstmuseum auf der gegenüberliegenden Seite des Murufers dazurechnen soll, das ist Geschmacksache. Der futuristische Bau, den die Architekten Peter Cook und Colin Fournier entwarfen, wird „friendly alien“ genannt und ist – wenngleich er in der Altstadt ein Fremdkörper ist, mit seiner Amöbenform durchaus faszinierend. Der Anlass für den Umbau des ehemaligen „Eisernen Hauses“ war der Titel „Kulturhauptstadt“, den Graz im Jahre 2003 ein Jahr lang tragen durfte.

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Dachsilhouette des „friendly alien“ genannten neuen Kunstmuseums der Stadt Graz. Aber die so futuristisch anmutende Dachkonstruktion hat ihren praktischen Nutzen

Da Graz auch eine Stadt des Designs und der Architektur ist, kann dieses Gebäude durchaus als ein äußerst interessantes Ausrufungszeichen der Architektur verstanden und interpretiert werden.

Die wohl schlimmste aller Bausünden – mitten in der Grazer Altstadt – ist die Dachkonstruktion eines namhaften Kaufhauses , das als eine der Institutionen der steiermärkischen Landeshauptstadt bezeichnet werden darf. Die mit Metallblech verkleidete Dach-Architektur sticht mit größtmöglicher Brutalität aus der harmonischen Dachlandschaft heraus. Da hilft auch keine wohlwollende Interpretation von architektonischer Gestaltungsfreiheit mehr. Man kann es eigentlich nicht verstehen, wie so etwas in einer Stadt, die als traditionsbewusst gilt, genehmigt werden konnte. Die Dachgestaltung wurde auch nicht so, wie es die Denkmalbehörde vorgab und wünschte, ausgeführt und schon schwebt das Damoklesschwert der Aberkennung des Weltkulturerbes der UNESCO über dieser liebreizenden Stadt Graz.

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So harmonisch sah das Ensemble im Jahre 1999 aus…

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… und so präsentiert sich ein Teil der Grazer Dachlandschaft heute. Da sei doch die Bemerkung erlaubt: Werden keine Pläne gezeichnet und Modelle von Bauvorhaben angefertigt, um das spätere Ergebnis im Modellmaßstab zu erahnen? In einem kürzlich durchgeführten Onlinevoting sprachen sich 99% einer wöchentlich erscheinenden Grazer Zeitung dafür aus, dass der Weltkulturerbe-Titel behalten werden soll. Bei solchen Dachkonstruktionen ist das allerdings mehr als fraglich. Zudem merkte der Alt-Bürgermeister von Graz im selben Artikel an, dass „die Altstadt in in ihrer Gesamtheit und ihrem Erhaltungszustand einzigartig sei und es die historische Bausubstanz zu bewahren gelte, sie dürfe nicht wirtschaftlichen Interessen geopfert werden“. Kommentar erübrigt sich…

Aber etwas Gutes hat dieses Dach im 6. Stock dennoch zu bieten: Ein Café, in dem es allerlei Delikatessen gibt mit einem atemberaubendem Blick über die Grazer Altstadt… da denkt man unwillkürlich an das Motto des Schriftstellers Guy de Maupassant, welcher angeblich täglich auf eine der Aussichtsplattformen des Pariser Eiffelturms pilgerte, „weil das der einzige Ort in Paris ist, wo man das verfluchte Ding nicht sehen muss”.

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Szenegastronomie auf dem Dach eines Grazer Kaufhauses

 

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Naja, etwas Hässliches kann auch schön sein, es kommt immer nur auf den Blickwinkel an

Ein Gebäude, das auch heute noch polarisiert ist das Elisabethhochhaus, das in den 60er Jahren erreichtet wurde, mit 25 Stockwerken und einer Höhe von 75 Metern das höchste Wohngebäude von Graz ist.

Nicht nur Graz ist eine Reise wert – auch in der Umgebung der Steirischen Landeshauptstadt gibt es bedeutende Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel die östlich der Stadt gelegene Basilika und Wallfahrtskirche Mariatrost, welche man von der Innenstadt aus bequem mit der Bimlinie 1 erreicht. Alleine die Fahrt ist schon ein Erlebnis – sie führt durch die doch recht schmalen Gassen von Graz und durch die bewaldeten Vororte, so dass die kleine Reise bis Mariatrost fast an einen Ausflug mit einer Gartenbahn erinnert.

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Basilika und Wallfahrtskirche Mariatrost im Abendlicht

Im Westen von Graz, inmitten eines traumhaften Parks mit Pfauen, ist ein Besuch von Schloss Eggenberg empfehlenswert, welches Fürst Hans Ulrich von Eggenberg als architektonische Allegorie des Universums planen ließ.

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Schloss Eggenberg östlich von Graz gelegen. Bequem mit der Bim aus der Innenstadt in kürzester Zeit erreichbar

15 Kilometer nördlich von Graz gelegen befindet sich der Schöckl, er wird auch als „Grazer Hausberg“ bezeichnet. Mit seinen 1445 Meter Höhe und seiner exponierten Lage hat man von dort aus – bei guter Sicht die halbe südliche Steiermark im Blick. Er ist entweder zu Fuß – oder bequemer von Sankt Radegund aus in 7 Minuten mit der Schöckl-Seilbahn – zu erklimmen. Der Schöckl ist die erste bedeutende Erhebung im Grazer Bergland am südlichen Alpenrand und ist auch deswegen herausragend durch seine relative Höhe zum Grazer Becken, welches sich auf 353 Höhenmetern befindet. Der Schöckl ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel und nicht nur bei Wanderern, sondern auch bei Mountainbikern sowie Hänge- und Paragleitern sehr beliebt. Durch seine Nähe zu Graz und seinem vielfältigen Terrain nutzt der Automobilproduzent Magna-Steyr den Schöckl auch als Testgelände für seine allradgetriebenen Fahrzeuge, für dessen Kompetenz er auf dem Gebiet der Weiterleitung der Antriebskraft der bodenberührenden Räder von Fahrzeugen in der Fachwelt bekannt und hochgeachtet ist. Die Mercedes G-Klasse wird zum Beispiel in Graz produziert. Die Mercedes G-Klasse wird zum Beispiel in Graz produziert.

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Der Schöckl. Grazer Hausberg. Er ist bequem von Sankt Redgund aus mit der Seilbahn erreichbar

Was man unbedingt besuchen sollte ist das steirische Weinland, auch steirische Toskana genannt – es liegt südlich von Graz. Eine liebliche Hügellandschaft mit Reben bepflanzt, aus deren Trauben berühmte und hochdekorierte Weine gekeltert werden. Das Weinland erstreckt sich bis zur slowenischen Grenze. Zahllose „Buschenschanken“ finden sich nahezu überall, die Geheimtipps sind meist etwas abgelegen, aber auch ein Ortsunkundiger wird sie entdecken, denn kleine Schilder weisen den Weg zu den idyllisch gelegenen Lokalitäten. Die Buschenschanken sind typisch österreichisch, in ihnen kredenzt der Winzer seine eigenen Weine zu bestimmten Zeiten des Jahres, meist von April bis Oktober. Dazu gibt es mannigfaltige, regionale Spezialitäten, um die nötige Unterlage für den Weingenuss zu schaffen.

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Gastgarten in der steirischen Toskana. Mitten in den Weinbergen gelegen stellen solche Oasen der Heimeligkeit eine Idylle in der heutigen schnelllebigen Zeit dar

Eine Besonderheit in der Südsteiermark ist die Klapotetz: Sie ist eine im Weinanbaugebiet weit verbreitete Vogelscheuche, bei der das Windrad über eine Welle Holzhämmer antreibt und das dadurch verursachte rhythmische Klappern soll die Vögel während der Traubenreife fern halten. Die auf einem Holzstamm sitzende Klapotetz wird nach alter Tradition am 25. Juli auf- und zu Allerheiligen wieder abgebaut.

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Eine überdimensionale Klapotetz in Kitzeck im Sausal. Mitten in der südsteirischen Weinbauregion gelegen ist der Ort sehr beliebt und damit auch gelegentlich überlaufen

Im Schilcherland – dem südweststeirischen Weingebiet um die Bezirkshauptstadt Deutschlandsberg herum – wird der weltweit einmalige Wein „Schilcher“ produziert, der gekeltert eine schillernde, hellrote bis blassrosa Farbe entwickelt – er ist so etwas wie das steirische Nationalgetränk. Erst durch Anregung Erzherzog Johanns – der heute noch verehrte Erneuerer und Wohltäter der gesamten Steiermark – wurde die Grundrebe des Schilchers, die Blaue Wildbacher Rebe in großem Stil in dieser Region angebaut.

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Anbaugebiet des Schilcher

Graz – eine Stadt, die sich ihrer Tradition bewusst ist und sie bewahrt, gleichzeitig aber auch neuarchitektonische Punkte setzt, ob manche als gelungen bezeichnet werden können, das ist subjektiv und bleibt dem Betrachter überlassen. Bausünden findet man überall – nur stechen sie in dieser harmonisch gewachsenen, ehrwürdigen Altstadt besonders eklatant ins Auge.

Graz, eine Stadt zwischen Klassik und Moderne, zwischen reizvollem Konservativismus und Avantgarde mit südlichem Flair und positivem Lebensgefühl – die Lebenslust liegt in Graz spürbar in der Luft.

Graz ist eine äußerst sehenswerte und attraktive Stadt und wer einmal dort gewesen ist, den zieht es ganz sicher wieder hin.

Zum Schluss möchte ich noch aus dem antiquarischen Buch „Die Alpen rufen!“ von Carl D. Koch zitieren, in dem er Graz so treffend charakterisiert: „Graz ist eine Perle der Alpenstädte… schöne alte Bauten kirchlicher und profaner Kunst weist diese Stadt auf, in weitem Umkreis reihen sich die Gipfel der Steirer Berge aneinander“.

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Ulrich Bänsch, Ursa Wolf

 

Den Bericht über die Grazer Davidgasse, die der Bekannte Grazer Maler Hans Wolf gezeichnet hat können Sie hier lesen: http://www.klassik-lust.de/kunst-und-wirklichkeit-davidgasse-graz-hans-wolf/

 

 

Zum Thema Steiermark gibt es auch einen äußerst lesenswerten Artikel, der Sie mit Sicherheit interessieren dürfte: http://www.klassik-lust.de/steiermark-das-ideal-vom-leben-vgv-steiermark-staatenbund-oesterreich/

13 Kommentare

  • Steffi sagt:

    Wirklich sehr schön beschrieben! :)
    Graz ist wundervoll und was vlt noch erwähnenswert ist, man kann ganz Graz toll mit dem Fahrrad erkunden auf einem der unzähligen Radwege.
    Ich als Grazerin mag das Kunsthaus sehr gerne! Vorallem bei Nacht wenn es schön beleuchtet ist! :)

    • Redaktion Klassik Lust sagt:

      Ganz herzlichen Dank dafür, dass es Ihnen gefallen hat. Wir haben auch sehr aufwändig recherchiert – nur dann kann der Schreiber auch mit dem Herzen schreiben. Denn – man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Mit dem Fahrrad haben wir Graz noch nicht erkundet, denn dieses Fortbewegungsgerät erfreut sich ja gerade in der Murmetropole sehr großer Beliebtheit.
      Mit ganz herzlichen Grüßen.
      Ihr Team der Klassik Lust-Redaktion

  • Roxana sagt:

    Als Grazerin kann ich nur sagen: Sehr gut getroffen!

    • Redaktion Klassik Lust sagt:

      Ganz ganz herzlichen Dank für das Kompliment!
      So etwas kann der geneigte Schreiber nur kreieren, wenn der Funke überspringt, über das was man beschreibt.
      Viele liebe Grüße
      Ihr Team der Klassik Lust-Redaktion

  • Elisabeth Drent-Friedl sagt:

    Graz ist wirklich eine traumhafte Stadt. Obwohl da geboren, wohnte ich nur zum Studium ein paar Jahr in Graz. Graz ist zurechtdie Gartenstadt, mit südlichem Flair und Klima. Die Altstadt ist ein Traum. Auch die Oper und das Theater. Der Stadtrand geht wunderbar ins Land über. Urban und rural in einer engen Verbindung. Die Schlossbergstiege ist die romantischste aller Stiegen. Ich liebe diese Stadt.

    • Redaktion Klassik Lust sagt:

      Ja, da haben Sie vollkommen Recht. Graz ist wirklich eine der schönsten Städte. Heimelig und weltoffen.
      Liebe Grüße.
      Ihr Team der Klassik Lust-Redaktion

  • Susan Shivas sagt:

    Wir waren schon mehrmals in Graz, es ist unsere Lieblingsstadt! Unsere Tochter hat in Graz studiert, und wir haben eine Menge Freunde dort. Sie haben Graz und Umgebung sehr gut beschrieben, und die Fotos Sind wunderschoen. Wir lieben Graz!

    • Redaktion Klassik Lust sagt:

      Liebe Susan Shivas,
      auch wir sind sehr oft in Graz und der Besucher, der mit offenen Augen durch die Stadt flaniert, muss sich ganz einfach in die Murmetropole verlieben. Auch die Nähe der Berge ist fantastisch.
      Mit herzlichen Grüßen
      Ihr Team der Klassik Lust-Redaktion

  • Karin sagt:

    Mein Gott war das jetzt schoen! Habe Euren wunderbaren, ja, mit dem Herzen geschriebenen, Artikel (und auch die Bilder) voll aufgesogen . GRAZ, die Ferienstadt meiner Kinder/Jugendjahre. Paradiesisch war es im Haus und dem grossen Garten meiner Grosseltern. Paradiesisch ist es geblieben fuer mich, durch meine bald 96-jaehrige Tante, die immer noch in Graz lebt, und die ich alle paar Jahre dort besuchen darf. Lebe selbst nun schon lange in Canada, habe aber meine Liebe zu Oesterreich … und im Speziellen zu Graz nie verloren. Vielen Dank fuer diese wunderbaren Einblicke ~ und fuer das Moeglichmachen herzerwaermender Erinnerungen. Liebe Gruesse aus Canada , Karin

    • Redaktion Klassik Lust sagt:

      Liebe Karin,
      ganz herzlichen Dank! Ja, den Artikel haben wir mit Herz geschrieben und mit noch mehr Herz und Zuneigung lichtbildnerisch dokumentiert. Es ist immer wieder erbaulich, wenn man schöne Erinnerungen an Orte oder Begebenheiten hat, die einem etwas bedeuten. Ich wage es einmal kühn zu behaupten: Solche Momente sind Sinnoasen in einer Zeit in der man sich nach solchen – schönen – Dingen immer mehr sehnt. Alle unsere Artikel in der Klassik Lust sind von den Autoren mit Herz, Sachverstand und der notwendigen Liebe zu den Objekten entstanden.
      Mit ganz herzlichen Grüßen nach Kanada
      Ihr Team der Klassik Lust-Redaktion

  • Haas sagt:

    War Jahrzehntelang in München aber Graz hat seinen besonderen Reiz

    • Redaktion Klassik Lust sagt:

      Lieber Herr Haas,
      Sie haben vollkommen recht. Graz hat seinen ganz besonderen Reiz, der – so wage ich jetzt mal ganz einfach zu behaupten – nahezu unübertroffen ist.
      Mit herzlichen Grüßen
      Ihr Team der Klassik Lust-Redaktion

  • Hans Dieter Dahmen sagt:

    Noch schoener ist Graz wenn unsere Moni in der Stadt ist,oder was meint ihr.Spass bedeute es ist wirklich eine wunderschöne Stadt.

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