L1020164 verkleinert 29.09.2015

Klassik Lust – Erlesene Gedanken zum Thema

KlassikLust

Erlesene Gedanken zum Thema

Auch wenn es eher im Trend läge, erst ordentlich Lust zu gerieren, bevor man man sich mit dem Begriff Klassik auseinandersetzt, wollen wir hier das Pferd einmal sozusagen: beim Kopf aufzäumen. Auf der Bedeutungssuche gibt das Internet erste Auskunft, und das etymologische Wörterbuch vertieft das dankenswerterweise noch.

 

Also: klassisch ist entlehnt aus dem mittellateinischen Eigenschaftswort classicus. Das bedeutet mustergültig oder vorbildlich und bezieht sich zunächst auf die höchste der altrömischen Bürgerklassen.

In der Kunst wird der Ausdruck Klassik oder klassisch zunächst vor allem für Literaten und ihre Hervorbringungen angewandt; in der Folge jedoch auch für andere Kreative. So bilden zum Exempel Joseph Haydn,Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven die Wiener Klassik, eine Stilrichtung in der Musik, die man zwischen 1780 und 1827 (Beethovens Todesjahr) ansetzt. Die Klassiker im engsten Sinn werden meist noch erweitert um Antonio Salieri, Michael Haydn, Carl Ditters von Dittersdorf und andere, die als Vertreter der Zeit der Wiener Klassik bezeichnet werden.

In der bildenden Kunst spricht man von der klassischen Moderne, die sowohl die Malerei Pablo Picassos oder George Braques umfasst und versucht, die Welt in alle möglichen Perspektiven zu zerlegen, als auch zum Beispiel die Arbeiten Wassily Kandinskys, die Wege der Abstraktion beschreiten. Die klassische Moderne präsentiert sich vielfältig – in Impressionismus, Jugendstil, Expressionismus, Fauvismus, Kubismus, Bauhaus, Dada, Surrealismus und Abstraktion et cetera, bevor sie in Farbfeldmalerei, Minimal Art, in Happening, Fluxus, Aktionskunst, in Performance, Neue Wilde und Medienkunst mündet.

In der Literatur sind unter Deutscher Klassik (im Gegensatz etwa zur Romantik) vor allem Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und einige ihrer Zeitgenossen gemeint. Die literarische Epoche, die sich aus der Aufklärung entwickelt hat, entfaltet sich vor allem unter Herzog Karl August von Sachsen-Weimar und Eisenach am Ende des 18. Jahrhunderts; erstaunlicherweise nicht in einer der Metropolen – etwa Berlin oder Hamburg – , sondern im kleinräumigen Weimar. Dem Ideal der Aufklärung verpflichtet, glaubt die Klassik an die Erziehbarkeit des Menschen zum Guten. Ihr Streben zielt daher auf Humanität und echte Menschlichkeit, auf das Schöne, Gute und Wahre. In der Folge geht es um Harmonie und Totalität in allem menschlichen Bemühen.

Mit klassisch ist daher im Allgemeinen eine zeitlos gültige, unbestreitbar große künstlerische Leistung gemeint.

Zeitlich lässt man die literarische Klassik meist mit Goethes 1. Italienischer Reise (1786) beginnen; doch benennt zum Beispiel Manfred Geier in seiner Biographie der „Brüder Humboldt“ das mehrtägige Treffen der beiden Dichtergrößen Goethe und Schiller mit den Gelehrten Alexander und Wilhelm von Humboldt im Dezember 1794 in Jena als den Anfang der Epoche.

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Goethes epochales Werk: Faust

Ganz anders benützt den Ausdruck klassisch allerdings der Hausknecht Melchior in der Posse „Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nepomuk Nestroy: Der recht begriffsstutzige Diener wendet ihn nämlich auf so ziemlich alles an, was ihm staunenswert oder verwunderlich erscheint. „Das ist klassisch!“, lautet daher sein andauernd (und durchaus auch störend) verwendetes, geflügeltes Wort, das bald schon zum Running Gag wird.

 

Ja, und die Lust?

Die wollen wir erst gar nicht näher definieren.

 

Text: Bernd Schmidt

Fotos: Ursa Wolf, Ulrich Bänsch

 

Literatur & Quellen:

Bibliographisches Institut (Hg.), Weltbild Taschenlexikon in 10 Bänden. Mannheim 2006.

Manfred Geier, Die Brüder Humboldt. Eine Biographie. 2. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2009.

Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassik; http://de.wikipedia.org./wiki/Moderne#Kunstgeschichte.

Paul Reimann (Hg.), Nestroys Werke in zwei Bänden. Berlin und Weimar 1969.

Elmar Seebold (Hg.), Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. Aufl. Berlin 1999.

 

 

 

2 Kommentare

  • Redaktion Klassik Lust sagt:

    Klassik Lust – Erlesene Gedanken Gedanken
    So der Titel dieses von unserem Autoren Prof. Bernd Schmidt geschriebenen Essays.
    Die Quellenangaben am Schluss geben Aufschluss darüber, dass sich unser des Sprachstils viel gerühmter und für seinen Wortwitz bekannter Schriftsteller, die Erkenntnisse zu dem Thema Klassik Lust „er-lesen“ hat.

    Redaktion Klassik Lust

  • Johannes Huber sagt:

    Dieser Artikel: Er ist ein Meisterstück der Literatur. Mit dem nötigen Sarkasmus!!
    Wunderbar

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