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Eine Ode an das Buch

In Zeiten der digitalisierten Welt propagieren zahlreiche Anbieter den bibliophilen Genuss von Schriften in Bits und Bytes.

Bücher in digitalisierter Form werden immer zahlreicher, seit die Tablets einen Siegeszug ohne Gleichen angetreten haben, um uns in allen Lebenslagen zu begleiten und mit Informationen jeglicher Art zu beglücken. Dank dem fast flächendeckenden mobilen Internetzugang erleben wir einen regelrechten Informationsrausch, sofern wir uns dieser Möglichkeit bedienen wollen.

So ist es auch nicht ausgeblieben, dass es heute en vogue ist, Schriften nicht nur als Bücher zu lesen, sondern in Bits und Bytes verpackt auf dem Tablet oder dem Kindle zu konsumieren. Ist ja nicht schlecht. Platzsparend wird der Verbrauch eines Buches nicht in Zentimetern und Gewicht gemessen, sondern in Gigabyte Speicherbedarf. Dem Verbraucher wird suggeriert, dass er sein „Buch“ immer dabei hat und er es überall lesen kann. In Sekundenschnelle kann er sich ein neues Buch herunterladen und es auf seinem Tablet speichern. Zahlreiche Features gibt es – der Leser kann sich Seiten merken und zum Teil auch mit Anmerkungen versehen. Schöne heile Welt. Fast. Aber die Hardware verbraucht beim Nutzen Strom. Und was dann, wenn es gerade spannend wird und der Leser genüsslich auf einem Berg unter einem schattigen Baum sitzt und der Akku leer wird? Keine Steckdose weit und breit, und wahrscheinlich hat er auch das benötigte Ladekabel vergessen. Aus ist es mit dem Lesegenuss…

Einen unbestreitbaren Vorteil hat jedoch das digitale Buch: Es ist platzsparend und leicht. Wer schon einmal eine Büchersammlung transportiert hat, der weiß wovon ich rede.

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Einen unbestreitbaren Vorteil hat das Tablet gegenüber den herkömmlichen gedruckten Büchern: Die darin enthaltenden Informationen des Lesestoffes sind wesentlich platzsparender. Es ersetzt jedoch nicht den unnachahmlichen Reiz eines Buches

Neben dem nicht nötigen Verbrauch von elektrischer Energie, welches das Lesen des digitalen Buches bedingt, hat jedoch das Papier-Buch noch andere, entscheidende Vorteile aufzuweisen. Das haptische Erlebnis, ein Buch in der Hand zu halten. Das Umblättern der Seiten, da hat sich seit Gutenberg – dem Erfinder des Buchdrucks – nicht viel verändert. Der Geruch des Papieres, das Gefühl des Blattes zwischen Daumen und Zeigefinger. Nehmen sie es einmal bewusst wahr – das Fühlen des Papieres. Ja, sie werden feststellen, es gibt Papiere hoher und minderwertigerer Qualität. Je älter das Buch, um so interessanter auch die olfaktorischen Reize des in die Jahre gekommen Schriftguts.

Ein Buch können sie auch als Unterlage benutzen oder damit eine lästige Fliege ins Jenseits befördern. Machen sie das einmal mit einem Tablet, da werden sie sehr schnell feststellen, was sie davon haben. Ich habe gemerkt, obwohl ich den neuen Medien ja durchaus positiv gegenüberstehe:

Es ist ergonomisch angenehmer und bequemer – wenn ich auf dem Sofa sitze und ein Schriftstück lesen möchte – ein Buch in Händen zu halten als ein Tablet. Neben dem angenehmeren Handling – im Sinne des Wortes – kommt bei einem Tablet immer noch die Sorge und Anspannung dazu, dass es aus Versehen den Händen entgleitet, einschlafen beim Lesen geht also gar nicht.

Ein Tablet ist immer noch ein sehr fragiles Instrument, da kann es schon passieren, wenn es einmal auf den Boden fällt, dass etwas daran kaputt geht. Ein Buch kann darüber nur müde lächeln.

Ein Buch ist immer noch ein Buch und es ist noch lange nicht ausgestorben.

 

Text & Fotos: Ulrich Bänsch

1 Kommentar

  • Sonja Morgenstern sagt:

    Selten hat mir so jemand aus dem Herzen geschrieben. Endlich mal jemand, der das was viele denken und fühlen aufgeschrieben und veröffentlicht hat. Toll
    Sonja Morgenstern

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