Die Liebe zu BMW

Was war die Initialzündung bei einem Menschen, wenn er ein besonderes inniges Verhältnis zu einer Automobilmarke bekommen hat? Wie hat sich solch eine Beziehung entwickelt? Das ist im einen Fall einfach zu beantworten, in den meisten Fällen jedoch ist es – beschreiben wir es ruhig einmal als Liebesbeziehung – eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage.

Ist die Entscheidung davon geprägt welches Auto der Vater gefahren hat oder der Nachbar in der Garage stehen hatte? Eines lässt sich mit Sicherheit relativ leicht beantworten: Eine Antipathie für ein Automobil des Herstellers X oder y entwickelt man ziemlich leicht und auch schnell. Meist geht der Funke davon aus, dass der Fahrer jemand ist, den man überhaupt nicht ausstehen und leiden kann. Sei es der Lehrer, der einen ständig piesackte, und – natürlich völlig zu Unrecht – mit schlechten Noten bedachte, oder der Nachbar, den man sowieso nicht leiden konnte, weil er einen dabei erwischte wie man auf seinem Grundstück sich an den reifen Kirschen labte. Solche Momente, die einem als unbewusst erscheinen mögen, sie prägen Kaufentscheidungen und aus dem Unterbewusstsein heraus bestimmte Entscheidungen. So etwas begleitet einen – bewusst oder unbewusst – meist das ganze Leben; das Urteilsvermögen ist in solchen Situationen oftmals nicht sonderlich objektiv ausgeprägt.

BMW – der Name ist Programm und emotional aufgeladen. Leidenschaft und Technikverliebtheit, sowie ein außergewöhnliches Design. Einem Design, das die Schöpfer so gestaltet haben, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum der gestalterischen Werke nicht bereits nach der Präsentation auf irgendeinem der zahlreichen Automobilsalons abgelaufen ist. Ein Styling, das auch nach Jahrzehnten noch immer gefällig anzusehen ist und nicht verwelkt. BMW ist beseeltes Material in dem Segment automobiler Premiummarken mit prickelndem Liebhaberspaß und dynamischen Motor- und Fahrerlebnissen.

Die gesamten Modellreihen der 7er BMW einträchtig versammelt. Die bajuwarischen Luxusliner verkörpern das High End-Segment automobiler Kunst und technischem Können

Es geht noch weiter; bei uns „Best Ager“ – also die Generation 50 + (das ist per se schon eine deprimierende  Zahl, die so nur auf dem Papier existiert (sic!)) –  sind gewisse Handlungen und Vorstellungen noch immer im Unterbewusstsein wie eingebrannt: BMW, Daimler und Porsche, das ist die Premium-Liga. Alle, die sich darunter tummeln, das ist das Gewöhnliche. Bei den genannten, da assoziieren wir: schwer, stabil, massiv, langlebig, robust, High-Tech, Qualität.  Wobei hier Porsche eine Sonderstellung einnimmt. Der Rest? Plastik, fragil, leicht, Massenware. In unserem Unterbewusstsein und der subjektiven Wahrnehmungen hat sich das bis heute so manifestiert. Das spiegelte sich auch sehr deutliche in den Auto-Quartetten wider mit denen wir in unseren jungen Jahren gespielt und gewetteifert haben, wer die gewinnfähigsten technischen Daten auf der Karte stehen hatte. Da ging es auch um das Prestige, denn wer die besten Karten hatte befand sich eindeutig auf der Siegerstraße und da waren die BMW meist immer vorne mit dabei, das steckt in unseren Köpfen genau noch so drin – denn sie waren meist die Gewinner.

Mit so einem Bildnis fing eine innige Beziehung zu BMW in jungen Jahren an. an. Oftmals sind es Initial-Zündungen, die einen ein ganzes Leben lang begleiten

Was hat meinen automobilen Lebensweg geprägt? Da musste ich sehr intensiv nachdenken, sind wir Angehörigen der schreibenden Zunft doch mit sehr vielen neuen Eindrücken auf zwei und vier Rädern konfrontiert. Es war in den 60er Jahren des 20. Jahrhundert, die Leidenschaft für Automobile war schon seit der Windelzeit mehr als nachhaltig ausgeprägt, und das sehr zum Leidwesen meiner Eltern, die sich gerne eine musische Begeisterung des Sohnemann gewünscht hätten, sich dieser jedoch beharrlich weigerte und lieber die neuen Modelle der Automobilmarken von A bis Z fehlerfrei herunterreferieren konnte die in den kindliche Dunstkreis gerückt waren, kaum war dieser Jüngling der Sprache mächtig. So enthielten die besorgten Eltern jegliche automobilen Bildnisse dem Jungspross vor. Das nützte jedoch alles nichts, als eine Fotografie aus irgendeinem Autoheft dem Sohn in einem unbedachten Moment in die Hände fiel und diese sorgfältigst aufbewahrt wurde und wie ein unermesslicher Schatz behandelt wurde. So nahm alles seinen Anfang… Es zeigte Tourenwagen von Ford und BMW auf der Rennstrecke bei einem – wahrscheinlich – erbitterten Kampf darum, wer von beiden Herstellern das bessere Material und den bessere Fahrer hatte.

Farbige Malstifte besaß ich schon und so wurden die Markensignaturen abgemalt: BMW und Ford. Lange konnte ich mich nicht zwischen den beiden Automobilherstellern entscheiden, wem meine ganze Zuneigung zuteil werden sollte. Das Ford-Emblem ließ sich zwar leichter abmalen… aber BMW, das war schon was. Etwas ganz anderes. Ford war aus meiner damaligen kindlichen Sichtweise der Automobilhersteller für den kleinen Mann. Sie fuhren zuhauf auf der Straße herum und die, die so ein Vehikel in meinem näheren Gesichtsumfeld fuhren, die waren mir nicht sonderlich sympathisch. Das sagt jedoch nichts gegen das Automobil als solches etwas aus. Das kapierte ich schon damals.

BMW X2 in einem kunstvoll arrangierten Ambiente. Ein Stllleben par excellence

BMW, das war schon ein ganz anderes Kaliber. Da roch man schon den Hauch der Ober- und Luxusklasse; Automobile, die sich in den 60er Jahren nicht jeder leisten konnte. Ein elitäres Gschmäckle umwehte die BMW-Fahrer. Das mussten Leute sein, die es im Leben zu etwas gebracht haben. Dachte ich zumindest in meinem kindlichen Leichtsinn. Und irgendwann gelang es mir sogar das BMW-Logo einigermaßen unfallfrei zu Papier zu bringen. Denn dank Papas Hilfe wurden die Kreise rund (es war doch simpel und einfach – nur draufkommen muss man halt erst einmal…), und der Junior konnte sich der farblichen Ausgestaltung mit den Farben Blau und Schwarz auf dem weißen Papier widmen. Das beste war jedoch in den folgenden Jahren, dass ich keine Menschen kennenlernen musste, die einen BMW fuhren und die mir unsympathisch geworden sind.

Meine Eltern besuchten in regelmäßigen Abständen meine Cousine in Dingolfing, und da bekam ich als begeisterter Nachwuchsautomobilist mit, wie BMW die Hans Glas GmbH mit seinen Produktionsstätten des legendären Goggomobils übernahm. Ich kann mich noch daran erinnern, als die letzten fabrikneuen Goggos noch Jahre nach Produktionsende an einer Dingolfinger Tankstelle für ein paar hundert Mark verkauft wurden – und keiner wollte sie haben. Dingolfing und BMW, das faszinierte mich. Und das, obwohl ich in der Stadt geboren wurde und aufwuchs, die man getrost als den Nabel der automobilen Welt – ohne dabei  rot zu werden – bezeichnen kann: Stuttgart. Jedoch: Das Feuer für BMW war entfacht. Vielleicht war das Bildnis, das ich über Jahre so sorgfältig aufbewahrte und die danach folgenden Malübungen des Emblems die Initialzündung? Möglich und ziemlich wahrscheinlich.

Ein befreundeter KFZ-Lehrling erwarb schließlich einen schon ziemlich betagten und heruntergerittenen 02er und bei dem war dauernd irgendwas kaputt. War das herrlich, wir schraubten, dass es eine wahre Freude war. An einem BMW zu schrauben, das hatte schon etwas ganz Besonderes. Na ja, das ist jetzt etwas übertrieben. Zumindest durfte ich nach Anweisung das entsprechende Werkzeug darreichen.

Mit dem BMW 318 ging es in der Fahrschule auf die Straßen Stuttgarts. Der erste Prüfungsanlauf endete tränenreich, aber letztendlich klappte es doch…

Dann kam der Tag, an dem ich mich bei einer Fahrschule anmeldete um den heiß ersehnten Führerschein zu erlangen. Die Fahrschule hatte 2 Fahrzeuge zur Auswahl. Einen VW Golf und einen 3er BMW. Die Fahrstunden kosteten bei beiden das Gleiche. Und obwohl ich zu diesem Zeitpunkt emotional sehr mit der Marke VW und hier speziell mit dem Käfer verbandelt war, welche Entscheidung war gefallen? Zu Gunsten des BMW. Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, ich glaube es war ein 318er der ersten Baujahre. Mir imponierte sehr, das leicht um den Fahrer herumgezogene Armaturenbrett, was einen sehr ergonomischen Touch hatte. Das hatte was und war ein deutlicher architektonischer Wurf der BMW-Innenarchitekten, da bei allen Fahrzeugen der damaligen Zeit das „Brett“ in dem Wort Armaturenbrett noch sprichwörtlich so gemeint war. Obwohl der Fahrlehrer mich durch die hinterhältigsten Sträßchen Stuttgarts gescheucht hatte und  in die engsten Parklücken rückwärts bei dichtestem Verkehr einparken ließ – der BMW konnte nichts dafür. Auch dass ich beim ersten Mal durch die praktische Prüfung gefallen bin – was durch eine sehr fragwürdige Entscheidung seitens des Fahrprüfers gefällt wurde, und den Fahrlehrer auf die Palme brachte – der BMW, er konnte nichts dafür.

So kam es, dass BMW das gesamte automobile Leben mit einer sehr wohlwollenden Aufmerksamkeit bedacht und die Modellentwicklungen äußerst sorgfältig begleitet wurden. Emotional und später auch medial.

Ein Mensch, der einen Automobilhersteller mit Aufmerksamkeit und einem einhergehendem Maß an Zuneigung – sagen wir es doch ganz einfach: mit Liebe – bedenkt, das hat etwas mit dem Bewusstsein zu tun. Wie entwickele ich eine tiefe und innere Zuneigung zu dem Objekt der Begierde? Es sind Prägungen, die einen meist das ganze Leben lang begleiten.

BMW sprengt Horizonte; wo Automobile vom Alltagsauto zum Klassiker reifen und später Kultstatus erreichen. Das Markenimage verkörpert Dynamik, Luxus und Tradition. Auf der sportlichen Habenseite können unzählige Erfolge in beinahe allen Rennsportserien weltweit verbucht werden, und mit solchen Pfründen ließ es sich früher trefflich wuchern.

Die herrliche Pracht der schöpferischen Leistung deutscher Motorenkonstrukteure – nein, eigentlich sind es Künstler. Die Entwickler schufen ein Paradebespiel grandioser 12-Zylinder Motoren

Kraftvolle Motoren zeichneten schon von jeher jedes BMW-Automobil aus. BMW ist nicht sachlich, nüchtern und kühl, sondern warm, emotional und seriös, sowie sportlich mit einer Prise Eleganz. Das ist ein Statement. BMW ist Lifestyle.

Eigentlich ist es ganz einfach. Mit der nötigen inneren Einstellung und der Bereitschaft etwas zu tun und in die Tat um zu setzen, etwas das den Menschen erquickt und labt, das Herz sowie die Seele erfreut.

Ich habs gemacht und es stimmt mich voller Glück – die Liebe zu dem bajuwarischen Automobilhersteller: BMW

 

Solche Bildnisse wie dieser BMW X1 sind Sujets, vor denen der Besessene andächtig verweilt

 

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: BMW AG

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