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Das Picknick

Vielleicht kann sich der eine oder andere an die Zeit erinnern, als seine Eltern ein Ritual zelebrierten, welches man so umschreiben kann: Es wurde aufs Land gefahren, um einem Picknick zu frönen und das wurde meist an ruhigen und abgelegenen Orten getan…

Es war schon eine schöne Zeit damals, als die Eltern mit den Kindern am Wochenende einen Ausflug ins Grüne unternahmen. Der Papa voller Stolz am Volant, die Mutter kümmerte sich im Vorfeld der kleinen Reise um das leibliche Wohl der Familie, in dem sie Speisen, Getränke, selbstgemachte Säfte und die Thermoskanne mit dem frisch gebrühten Kaffee wohlsortiert in einem Picknick-Korb – meist war er aus Weidengeflecht – platzsparend verstaute. Selbstverständlich durften solche Utensilien wie Teller, Tassen, Besteck sowie Salz und Pfeffer in der Ausstattung des Korbes nicht fehlen.

Früher gab es noch nicht die Vielzahl an Autobahnen, an gut ausgebauten Straßen sowie großzügig bemessenen Umgehungsstraßen, um sein Ziel möglichst schnell zu erreichen. Nein, man zuckelte gemächlich von Ortschaft zu Ortschaft und erreichte dennoch sein Ziel. Was heute in 1 oder 1,5 Stunden Fahrzeit bequem erreicht wird, war vor einem halben Jahrhundert eine Reise von ein paar Stunden. Früher jedoch – so kommt es einem heute vor – hatten die Menschen wohl „mehr Zeit“. Es war eine weniger schnelllebige Zeit. (Entschleunigung ist etwas, wonach wir uns heute immer mehr zu sehnen scheinen.)

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Was natürlich nie fehlen darf: Der Picknickkorb und eine Thermoskanne gefüllt mit heißem Kaffee

War die Ausflugsgesellschaft am angestrebten Ort der Ruhe und der zu erwartenden Sinnesfreuden angekommen, wurden zuerst die Liegestühle und der kleine Klapptisch -möglichst im Schatten um das Automobil – drapiert.

Picknick 23.11.2015

Ein Klapptisch mit der obligatorischen Tischdecke und das Allerwichtigste: Die Thermoskanne mit dem Kaffee

Die Mutter kümmerte sich in der Zeit, in der Vater und Sohn einen kleinen Spaziergang unternahmen, um die Darbietung der leiblichen Wohlgenüsse. Wenn mich heute jemand danach fragen würde, welche Art von Leckereien sich in dem Picknickkorb befunden hatten, so müsste ich zugeben, dass diese Erinnerungen im Laufe der Jahrzehnte sehr verblasst sind. Mit Sicherheit werden es dem Zeitgeist entsprechende Zubereitungen gewesen sein, über die sich alle zu guter Letzt hergemacht haben. Obligatorisch war der selbst gebackene Kuchen, der nach dem Mittagsmahle eingenommen wurde. Es war wahrscheinlich ohnehin nicht sehr wichtig, was genau da auf dem Klapptisch stand, denn draußen in der freien Natur schmeckt alles mindestens doppelt so gut wie zu Hause. Man lebte ein Stück Freiheit fernab des urbanen Gewimmels und die sonst so strengen Tischsitten mussten entspannenderweise auch nicht eingehalten werden. Was wollte man mehr? So ein Picknickausflug ins Grüne war und ist wie ein kleiner Urlaub.

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Ist es nicht schön und lieblich, wie der Papa seinem Sohn zur Feier des Tages ein Schlückchen aus seiner Kaffeetasse gibt?

Schöne Zeiten waren das damals, ein Grund mehr, so etwas bei passender Gelegenheit wieder aufleben zu lassen. Sie werden sehen, so ein Ausflug mit einem Picknickkorb ist nicht nur wie eine Reise in die Vergangenheit, er ist auch ein wertvolles Erlebnis, bei dem wir uns wieder auf das Genüssliche und Erholsame zurück besinnen und richtig schön entschleunigen können! So ein geruhsamer, sorgfältig ausgewählter Platz zum Picknicken ist wie eine Oase der Ruhe und des Friedens. Aus diesem Ansinnen heraus sollte so ein Fleckchen Erde schon etwas abseits der Zivilisation gesucht werden…

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Picknick heute. Picknickdecke und alles was zu einer zünftigen Brotzeit dazugehört, verpackt und transportiert in den Rucksäcken

 

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Die Picknickutensilien waren meistens im Kofferraum immer dabei. So konnte dem kulinarischen Genuss in der Natur überall gefrönt werden

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Ulrich Bänsch, Privat

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