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8 Halbe sind auch ein Ganzes – Chrysler PT Cruiser

Die Geister die ich rief – so oder so ähnlich kann man nur das umschreiben was aus den geheiligten Hallen der Chrysler-Design-Päpste entsprungen ist. Zuerst nur als kleiner Appetithappen auf internationalen Motorshows als Designstudie hatten die Marketingstrategen recht bald erkannt, dass sich mit diesem Wägelchen – welches mittlerweile diesen adretten Namen PT Cruiser trägt – Geld verdienen läßt. Man erinnert sich wieder an das aufregende Design der 50er Jahre – die Hot Rod Ära, American Graffiti… Reminiszenzen an eine vergangene Zeit. Mit dem PT Cruiser hat man die strategische Nischenbesetzung von außergewöhnlichen Automobilen im DaimlerChrysler Konzern konsequent fortgeführt. Es wurde damit geradezu ein neuer Oldie-Kult ins Leben gerufen. Retro-Welle, Retro-Design heißt das neue Zauberwort. Es werden Ur-Instinkte an eine bessere automobile Ära heraufbeschworen und wieder ins Leben zurückgeholt.

In einer Zeit des automobilen Allerleis kommen solche fast schon vergessenen animalischen Gefühle wieder hoch. V8: Synonym für schier unbändige Power, Muscle Cars, Drehmoment ohne Ende, lustvolles Röhren aus armdicken Sidepipes… V8 Macho Sound, mit Leistungsentfaltungen wie Schlagwetterexplosionen. Man war in der Lage mit den Reifen schwarze Streifen auf den Asphalt zu kolorieren wann immer man wollte. „Reifen kochen“ hieß das magische Zauberwort.

Mit diesem außergewöhnlich mutigen Design wird die Sehnsucht nach einer Zeit geweckt, in der man solchen Leidenschaften noch bedenkenlos frönen konnte. Da kommt dieses Wägelchen auf den Markt, das Erinnerungen an diese scheinbar bessere automobile Zeit weckt: Der Chrysler PT Cruiser.

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Cooles Design – eine Reminiszenz an die Muscle Car Ära nur etwas kleiner

Das Styling des PT Cruiser soll assoziieren, Erinnerungen wecken wie das damals doch war: Deftig kernige V8-Geräuschkulisse mit wilder ungestümer Kraftentfaltung von Hubräumen im Wassereimerformat als das Wort Hubraum dieses Wort noch für sich in Anspruch nehmen durfte. Als der Sound aus den rudimentären Schallschluckern in Form von armdicken Sidepipes das Trommelfell wohlig massierte. Geräuschdämpfung war ein Fremdwort und eine Beleidigung für jeden Hot Rodder. Das „Rohr“ war nur dazu da, damit es nicht in die Krümmer regnete (Anmerkung des Autors: ein wenig Euphorie darf doch schon sein! oder? sic!)

Der Cruiser paßt in die derzeit herrschende Philosophie der trendigen Edellaster. Ein schlichtes Raumfahrzeug mit hohem Nutzwert und der erwünschten Variabilität. Ein Frachter im XL-Format. Die Verkörperung der Philosophie des Flexible Activity Vehicle (FAV). Ein luxuriöses Familiengefährt mit dem man auch größere Transportaufgaben ohne Probleme zu lösen im Stande ist. Mit einer ausdrucksstarken Nase bei der man meinen könnte, daß sie einen Luftwiderstandsbeiwert des Mount Rushmore haben könnte, aber mitnichten. Aerodynamische Finesse aus dem Windkanal, ohne die klassischen Stilelemente der Hot Rod Ära wesentlich wegzudesignen. Das Design zeigt uns Formgebung par Excellence wie aus dem Lehrbuch für Automobil Designer: Wie die vordere Türe in den Kotflügel und in das Auslaufblech der A-Säule greift, ein Kunstwerk der Stilistik. Man erlebt den Stoff aus dem die Liebe zum Blech geprägt wird.

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Der Chrysler PT Cruiser schwamm auf der Retro-Welle

Einen kleinen Wermutstropfen gilt es dennoch zu vermelden: Unter der wunderschön geschwungenen Motorhaube grummelt leider kein guter alter Graugussmotor mit 8 Töpfen und Hubräumen im Wassereimerformat sondern „nur“ ein halber 8 Zylinder mit zwei Liter, der zur Markteinführung in Deutschland an der Kurbelwelle zeitgemäße 141 Pferdchen entfaltete.

Sieht man dem Cruiser mal unter sein adrettes Kleidchen, wird man eines ganz nett verpackten 4 Zylindermotors ansichtig. Im Verborgenen werkelt alles, was eine moderne Verbrennungskraftmaschine auszeichnet:

2,0 Liter DOHC-Motor, 16 Ventile auf vier Zylinder verteilt, eine sequenzielle Mehrpunkt-Einspritzung, 141 PS bei 5.600 U/min. Das maximale Drehmoment von 186 Nm wird bei 4.400 U/min erreicht.

Der PT Cruiser stellt ein automobiles Zeitdokument dar, der in seiner formalen Gestaltung eine wesentliche Interpretation zum derzeit herrschenden Zeitgeist ermöglicht, und in seiner konstruktiven Ausprägung eine wichtige Momentaufnahme zum derzeitigen Stand der Technik liefert.

Er ist ein Fahrzeug, das sich aus dem automobilen Allerlei durch sein Design abhebt. Er läutete ein neues Zeitalter ein: Die Retro-Welle. In gewisser Weise gebührt diese Auszeichnung ja schon dem Prowler von Plymouth, aber dieses Wägelchen ist schon zu sehr in einem Nischensegment angesiedelt, um hier von einer „Massenbewegung“ zu sprechen.

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Er verkörpert auch die Leichtigkeit des Seins. Unkonventionell

Der Chrysler PT Cruiser: Ein Auto, das auf der Welle des Retro-Designs schwimmt und eine überaus gelungene Interpretation der amerikanischen Hot Rods mit ihren gewaltigen V8 Motoren zu sehen ist. Ein Beispiel auch dafür wieviel Schönes und Faszinierendes ein Automobil zu leisten im Stande ist, dass Technik nicht kalt, nicht tot sein muß.

Der PT Cruiser: er hat die Qualität zu einem automobilen Denkmal zu werden. Ein wahres Kunstwerk auf Rädern: Raubtiergesicht, markante Mitte, starker Abgang. Sein Blick mit den scharfen Äuglein flößt Respekt ein. Autodesign ist Kunst!

Man kann automobile Träume nur verwirklichen, wenn man aus Ihnen erwacht. So geschehen bei dem geistigen Urvater des PT Cruisers. Dem Chrysler Design-Chef Tom Gale – seines Zeichens ein bekennender Hot Rodder – der für das Styling und letztendlich für die Markteinführung maßgeblich verantwortlich war. Wir brauchen mehr von solch mutigen Designern, und letztendlich derartige Markentingstrategen in den Konzernzentralen, damit solche wunderschönen Autos nicht nur als mutige Designstudien auf Automobilmessen herumgezeigt werden und dann in irgendwelchen Asservatenkammern, oder bestenfalls in den konzerneigenen Museen verstauben. Denn das eigentliche Leben spielt sich auf der Straße ab! Und da gehören solche Autos hin!

LET THE GOOD TIMES ROAR !

Tja, vielleicht ist es auch ein genialer Schachzug der Marketingstrategen, bei dem man gezielt auf ein paar Ur-Instinkte abzielt und sie versucht zu wecken: wer wollte nicht so sein wie die rebellisch Heranwachsenden mit Ihren Rod`s, wie sie in dem Film „American Graffiti“ um die Häuser cruisen… und nun kann man in reiferem gesetztem Alter mit einem solchen Wägelchen noch einmal den kleinen verkappten Rebellen raushängen lassen, ganz unter dem seriösen Mäntelchen des großen Raumangebotes, das dieses Fahrzeug zu bieten hat und den ökonomischen Vorzügen des FAV (Flexible Aktivity Vehicles). Ein bißchen Hot Rod Feeling und das Freiheitsgefühl des Cruisen.

Der Chrysler PT Cruiser: Eine Hommage an vergangene gute alte automobile Zeiten mit einer großen Zukunft.

Angebotssituation

Der Chrysler PT Cruiser wird seit dem Sommer 2010 nicht mehr produziert. In der jüngeren Vergangenheit wurde diese Designschmuckstück das ein oder andere Mal in den Medien verunglimpft – manches Mal vielleicht auch nicht ganz zu Unrecht. Jedoch – und das sollte man nicht außer Acht lassen – er hat polarisiert. Die einschlägigen Medien waren voll der Freude über dieses Fahrzeug, dass sich doch so deutlich von dem herrschenden Mainstream des automobilen Einerleis abhob. Man bekommt sie heute schon relativ günstig. Und sie werden bei den einschlägigen Fans mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit wieder vermehrt ihre Liebhaber finden.

KLASSIK Lust Profil

Besonders die Chrysler PT Cruiser Cabriolets werden in absehbarer Zeit ihre zukünftigen Liebhaber finden, besonders – und das gilt für die ganze Modellbaureihe – wenn sie in das Youngtimerfähige Alter kommen.

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: Werk, Chrysler, Archiv

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