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Bumsti – der ultimative Seelentröster von Steiff

Kuscheltiere: Unbestritten waren sie in der Kindheit – neben den Eltern – das Wichtigste für uns. An damals, vor gefühlten Jahrhunderten, an die wir uns nur noch dunkel entsinnen können, ist die Erinnerung an gewisse wichtige Dinge geblieben, die sich nachhaltig in unser Gedächtnis eingeprägt haben. Und dazu zählt auch das obligatorische Kuscheltier.

Meistens war es ein Teddybär oder ein anderes nachgebildetes Tier. Auch bei den heute heranwachsenden Kindern sind diese Kuscheltiere die Wichtigste – ich traue es mich jetzt gar nicht niederzuschreiben, aber es ist doch so – Bezugsperson in den Anfangsjahren ihres Lebens.

Hat das Kind seinen textilen Gefährten nicht in den Händen und kann es ihn nicht an sich drücken – es kommt einer mittleren Katastrophe gleich. Nie darf es außer Sichtweite sein, sonst fängt das sehnsuchtsvolle danach Wimmern und in der nächsten Stufe der Eskalation nach ihm zu Schreien an. Der Nachwuchs kann weder ohne die Eltern, noch ohne das liebgewordene Etwas leben. (Wollten wir auch nicht. Von dem Nucki, an dem man permanent gesaugt hat, einmal abgesehen.)

Der auf dieser Seite abgebildete Teddybär ist ein wahres Prachtexemplar unter den mit Kindheitserinnerungen gefüllten Dingen. 70 cm groß und 1.650 Gramm schwer. Bumsti heißt der Bär und begleitet seine Besitzerin voller Stolz über Jahrzehnte durch ihr Leben – auch heute noch. Unzählige Umzüge hat er überstanden, war mal im Umzugskarton über Jahre in Vergessenheit geraten, auch fristete er zeitweise ein trauriges Dasein in irgendeinem Keller, ausgerechnet dort, wo man vorzugsweise unliebsame Dinge deponiert.

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Heute genießt Bumsti wieder seine Rolle: Er thront angemessen auf dem Chefstuhl

Aber irgendwann fällt er ihr wieder in die Hände. Erinnerungen werden wach und sie werden aus dem Gedächtnis geborgen, was für ein Schatz Bumsti doch eigentlich war und immer noch ist. Er war der Seelentröster, dem die Besitzerin in ihren Kindheitstagen alles anvertrauen konnte. Ein Freund zum Kuscheln, zum an sich Drücken, der selbstredend seine Besitzerin in jeder Lebenslage beschützt hat. Es wurden ihm Dinge, die nicht unbedingt für die Ohren der Eltern bestimmt waren, anvertraut – so wichtig war dieser enge Freund. Und das Wesentlichste: Er verstand sie immer, dessen war sie sich sicher, selbst wenn er nicht antworten konnte, um seine Meinung dazu kund zu tun. So entwickelte sich in den Jahren des Größerwerdens eine immer innigere Beziehung zu diesem – ich sage es jetzt einmal ganz überspitzt – liebevollen Wesen.

Bumsti ist ein Teddy aus dem Hause Steiff, gefüllt mit Holzwolle und er ist etwa um 1960 – als sie ein Kind von 6 Jahren war – in ihr Leben getreten. Es ist bis heute eine noch andauernde, sehr innige Beziehung. In Kindheitstagen war Bumsti oft der einzige Seelentröster und so ist es nicht verwunderlich, dass ob der vielen Liebkosungen die Handflächen und die Fußsohlen im Laufe der Zeit schon etwas gelitten haben und doch ziemlich verschlissen wurden. Der Vater hatte ein Einsehen und nähte Stoffstreifen über die Blessuren. Da ja Bumsti auch gelegentlich der Körperpflege bedurfte, so wurde er von der liebevollen Teddymama mit einem feuchten Waschlappen abgerieben. Das erfreute ihn dann doch nicht so ganz und sein vorher so schön aufrecht stehendes Fellkleidchen ist an manchen Stellen sichtbar nicht mehr gar so flauschig.

(Heute lassen sich die Plüschtiere sogar in der Waschmaschine reinigen.)

Dann war die Liebe zu dem Kuscheltier irgendwann einmal erloschen – oder hat nur pausiert… Es werden andere Dinge im Leben wichtiger als solche treuen Begleiter.

Vielleicht schämt man sich auch dafür, wenn der Schulkamerad oder die Schulkameradin in das heimische Zimmer zu Besuch kommt und dort liegt noch so ein Teddybär aus Kindheitstagen. Wie schrecklich peinlich.

Wegschmeißen? Kommt in den meisten Fällen überhaupt nicht in Frage. Lieber wird es in irgendeiner dunklen Ecke zwischengelagert. Und jedes Mal, wenn man den alten Freund zu Gesicht bekommt, dann wird es einem warm ums Herz. Die Liebe zu ihm und die Kindheitserinnerungen, sie sind sofort wieder schlagartig präsent. Bumsti ist so ein Fall. Er ist mittlerweile in das heimische Wohnzimmer gezogen und hat den allerbesten Platz bekommen. Er steht – meistens – im Mittelpunkt und jeder, der ihn sieht, bekommt ein verklärtes Leuchten in seinen Augen. Im Laufe des Lebens wird jeder von uns auch selbstbewusster und kann zu den Gefühlen stehen, für die man sich in der Jugend noch geschämt hat. Es ist ein Ausdruck von Stolz und Liebe, dass die Besitzerin ihn immer noch hat und er nicht den Weg alles Irdischen gehen musste. Nämlich den der Entsorgung.

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Bumsti ist jetzt auch schon in die Jahre gekommen und es gesellten sich in den letzten Jahren ein paar weitere Kuscheltiere dazu

 

Angebotssituation

Vielleicht haben Sie ja auch noch so ein herzallerliebstes Kuscheltier?

Gehen Sie doch einmal in den Keller – möglicherweise schlummert in irgendeiner dunklen Ecke der Seelentröster der Kindheit. Der gute, alte Freund, es wird Ihnen nicht böse oder gram sein, dass er ein so trostloses Dasein fristen musste – er liebt Sie bedingungslos.

Was sein könnte ist, dass er den Geruch des Kellers angenommen hat und meistens ist es dann schnell wieder aus mit den schönen Kindheitserinnerungen. Es gibt jedoch Abhilfe: Entweder Sie gehen im Internet auf Spurensuche, wie Sie das unangenehme Odeur wieder losbekommen oder Sie bringen es übers Herz, ihn für ein paar Tage in das Tiefkühlfach des Kühlschrankes zu verfrachtet oder in Ihre Kühltruhe – je nach Größe. (Vorsicht ist jedoch angebracht, damit das Plüschtier dort nicht mit anderen Gerüchen konfrontiert wird und diese annimmt.) Danach wäre es hilfreich, wenn es eine ganze Weile an der frischen Luft sein kann. Am besten in der Sonne. Wir haben dieses bei einem Liebling so gemacht und es hat tatsächlich funktioniert. Eine generelle Gebrauchsanleitung kann dafür leider nicht gegeben werden. Einfach ausprobieren.

 

Klassik Lust-Profil

Die Liebe und Leidenschaft zu einzelnen Objekten früherer Tage hat ja viel mit Kindheitserinnerungen und Emotionen zu tun. Dazu gehört auch das – damals über alles geliebte – Kuscheltier. In diesem Falle der Bumsti. Führende Hersteller unserer Kindheitslieblinge waren Steiff, Hermann oder Kösen.

Es ist immer wieder ein erhabenes Gefühl, wenn solch ein Schatz aus irgendeiner Gerümpelecke geborgen werden kann. Die Freude: Meist unbeschreiblich. Und es ist etwas Altes und Wertiges, das die letzten Jahrzehnte meistens gut überstanden hat. Zudem hat der Eigner oder die Eignerin damit wieder ein Stück Kindheitserinnerungen präsent – und vielleicht wird es seiner Aufgabe das eine oder andere Mal wieder gerecht: Als Seelentröster.

 

Übrigens – DEN Bumsti gibt es nur einmal!

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Wer kann diesen Augen schon widerstehen? Bumsti der Seelentröster in allen Lebenslagen

Bumsti Gemälde eingescannt 14.06.2016

So malte – die später bekannt gewordene – Malerin IHREN Bumsti als Kind.

Text & Fotos: Ulrich Bänsch

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