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Braun CSV 13 – schöner verstärken

Vintage-HiFi wohin das Auge blickt. Mitten drin seit jeher die schlicht-eleganten Gerätschaften der in Sachen Industriedesign Richtung weisenden Frankfurter Firma Braun. Bei Musikhörern wie Designliebhabern gleichermaßen beliebt, sind die RÖHRENVERSTÄRKER aus den frühen sechziger Jahren.

 

Wer heute noch Schallplatten hört, der liebt auch Verstärker mit Röhren. Und wer dazu noch Wert auf vorbildliches Design legt, der trifft zwangsläufig auf Produkte der Marke Braun. Aber es wäre ein Fehler, Braun-Geräte nur auf ihr ästhetisches Erscheinungsbild zu reduzieren. Auch aufgeschraubt können sich die Produkte sehen lassen, und nicht zuletzt beweisen die vielen nach wie vor einwandfrei funktionierenden Geräte, dass in den „guten, alten Zeiten“ vielleicht nicht alles optimal, aber vieles doch ganz richtig gemacht wurde.  Langlebigkeit war noch eine Selbstverständlichkeit. Eingebaute Obsoleszenz sollte erst viel später in die industrielle Fertigung Einzug halten.

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Von „Design-Guru“ Dieter Rams ganz auf Linie getrimmt. Zusammen mit dem Braun-Plattenspieler PS 500 bildet der CSV 13 ein Duo mit gemeinsamer Bauhöhe, Breite und Tiefe. Im Original sind die Bakelit-Drehknöpfe des Verstärkers anthrazit oder in dunklem Olivgrün gehalten. Die hier sind aus „Alu natur“ nachgefertigt. Schaut auch gut aus.

Röhren-Radios und -Phonokombinationen gab es von Braun einige. Reine Röhrenverstärker dagegen sind nur in drei Baumustern entstanden. Der CV 11 als kompakte Endstufe (Spitzname Schuhkarton) ist eine nur in geringer Stückzahl produzierte Seltenheit, die vor allem bei Braun-Gerätesammlern hoch im Kurs steht. Weit größere Verbreitung haben die Stereo-Verstärker CSV 13 und CSV 60 gefunden. Sie sehen gleich aus, lediglich das Innenleben unterscheidet sich. Das CSV 60-Modell ist mit einem leistungsfähigeren PL 500-Röhrensatz in der Endstufe und entsprechend größeren Ausgangsübertragern  ausgestattet. Die frühen Modelle haben rechts drei Kippschalter (für mono, Rausch- und Rumpelfilter), die späteren (/1-Serie) vier. Der vierte Schalter ist für die Tonband-Hinterbandkontrolle.

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Eingangsvielfalt. An den CSV 13 lasssen sich auch moderne Digitalquellen unter „band“ oder „radio“ anschließen. Vier Eingänge für Plattenspieler gibt es allerdings keine. Phono 2 bis 4 sind lediglich Geräuschfilter.

Musikliebhaber attestieren dem „kleineren“ CSV 13 die besseren Audio-Qualitäten. Begründet wird diese Einschätzung mit den im 13er Modell eingesetzten Endröhren vom Typ EL 84. Diese Röhrentype wurde seinerzeit eigens für Audiozwecke entwickelt. Pro Kanal sind zwei dieser Röhren im Einsatz, was für eine Musikleistung von zweimal 12 Watt gut ist. Das hört sich nach schwachem Brustton an, reicht aber mit entsprechend wirkungsgradstarken Lautsprechern durchaus für Lautstärken aus, die dem nachbarschaftlichen Frieden sehr abträglich sein können.

 

Der ebenso markant wie funktional gepfeilte Eingangswahlschalter eröffnet den Zugriff auf vier Quellengeräte. Radio, Mikrofon, Tonband und Plattenspieler. Für den Plattenspieler gibt es insgesamt vier Wahlmöglichkeiten, wobei drei davon (schrittweise) Höhenfilter aktivieren. Gedacht für die damals noch gebräuchlichen Schellacks, die über eine moderne Anlage natürlich mit hohem Störgeräuschpegel liefen, den der Höher auf diese Weise abmildern konnte.

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Schlichte Eleganz. An den geschwärzten Belüftungsschlitzen lässt sich gut erkennen, dass die EL 84-Endröhren ganz schön hitzig zur Sache gehen. Deshalb den Verstärker immer gut belüftet aufstellen, nichts auf das Gerät legen.

Aber auch der Standard-Phonobetrieb ist mit dem heute ungewöhnlichen CCIR-Entzerrer beschaltet. Kurze Info: Bei der Schallplattenproduktion werden beim Schneideprozess die hohen Frequenzen angehoben und die tiefen Töne abgeschwächt. Die Elektronik gleicht diese „Verzerrung“ beim Abspielen wieder gehörrichtig aus. Deshalb spricht man von einem „Entzerrer-Vorverstärker“.  Wie die Platten „verzerrt“ wurden, darüber herrschte in der Nachkriegszeit zwischen den einzelnen Plattenproduzenten lange Uneinigkeit. Erst in den 60er Jahren setzte sich durch die Marktbedeutung die amerikanische RIAA-Norm einheitlich durch. Wenn Sie noch ältere Schallplatten haben, dann finden Sie in den Begleitinformationen zur Platte auch oft einen Hinweis auf die bei der Produktion eingesetzte Schneidenorm.

 

Unser Braun CSV 13 folgt also noch nicht der amerikanischen Norm. Die CCIR entspricht der in den fünfziger Jahren hierzulande gebräuchlichen DIN-Entzerrung. Der Unterschied zur RIAA-Norm ist bis 1000 Hz unerheblich. Darüber ist die Höhenanhebung bei der DIN-Entzerrung etwas geringer. Das heißt, wird eine nach RIAA geschnittene Platte auf dem CSV 13 abgespielt, dann werden die Höhen minimal lauter als vom Plattenhersteller vorgesehen wiedergegeben. Die Frage, ob das richtig oder falsch ist, darf ruhig der Hörer selbst entscheiden. Denn im Zweifel hält der Braun-Verstärker noch ein kanalgetrenntes Klangregelwerk für individuelle Abstimmung bereit.

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Damit wurde stilecht CSV 13 gehört: Ella Fitzgerald singt Irving Berlin-Klassiker. Zeitlos perfekt und zum Niederknien schön.

Im Vergleich zu modernen Röhrengeräten ist das Anschlussfeld des CSV 13 geradezu üppig ausgestattet. Neben den speziellen Fünfpolbuchsen für die Braun/Quad-Elektrostaten findet der Braun-Hörer noch einen Achtpolanschluss für das separate Radioteil und gleich drei Paare an Lautsprecherbuchsen. Ein Paar für 4 Ohm-Lautsprecher, ein Paar für Boxen mit je 8 Ohm Anschlusswiderstand und ein Paar für hochohmige 15 Ohm-Lautsprecher. Zu beachten ist beim Anschließen der Lautsprecher lediglich, dass niederohmige Boxen (4 Ohm) nicht an den hochohmigen (15 Ohm) Ausgang gelangen. Das könnte zur Überlastung der Übertrager-Trafos führen. Unsere Thöress-Schallwände haben wir an den 8 Ohm-Buchsen angestöpselt. Auch in diesem Fall kommen die für die damalige Zeit üblichen DIN-Buchsen zum Einsatz. Die sehen zwar mickrig aus, und sind für alle HiFi-Akteure mit Hang zu armdicker Verkabelung eine lächerliche Zumutung, erweisen sich aber in der Praxis als verpolungssicher und in unserem Aufbau nicht als ohrenfällige Klangverhinderer. Zumal wenn die in so einem Fall einzig wahre Lautsprecherverkabelung zum Einsatz kommt, nämlich simpler gewebeummantelter Kupferlackdraht, der zu einem Strang verdrillt ist.

Eine Braun-Besonderheit, die auch noch bei späteren Transistorgeräten weiter gepflegt wurde, ist zudem die regelbare Loudness-Funktion, die zugleich auch die Kanalbalance reguliert. Von der als ideal empfundenen Grundeinstellung ausgehend, korrigiert der Verstärker dann beim Leiserstellen die Frequenzbereiche von alleine nach. Der Effekt: Auch bei Zurückdrehen der Lautstärke bleibt das gefühlte Klangvolumen voll erhalten. So viele Manipulationsmöglichkeiten bei der Klangabstimmung sind natürlich für den heutigen „High Ender“ das reinste Teufelszeug. Denn der Mann mit den Goldohren betrachtet jeden zusätzlichen Schalter im Gerät nicht als Komfortgewinn, sondern als böse Klangbehinderung.

 

An dieser Stelle muss ein wichtiger Punkt erwähnt werden:  Die Braun CSV-Röhrenverstärker waren tatsächlich elementarer Bestandteil der ersten deutschen High End-Stereoanlage. Bekanntlich nahm seinerzeit Braun-Entwicklungs-Ingenieur Hasselbach mit der englischen Firma Quad Kontakt auf, um die 1957 neuartigen, von Peter Walker entwickelten elektrostatischen Lautsprechersysteme ins Braun-Sortiment aufnehmen zu können. Dieses Vorhaben klappte, allerdings verbunden mit der Limitierung auf maximal 500 Lautsprecherpaare. Entsprechend begehrt sind die wenigen heute im Umlauf befindlichen Braun LE 1-Elektrostaten. Bei richtiger Aufstellung im Raum spielen diese elektrostatischen Flächenlautsprecher noch immer derart überragend durchsichtig und räumlich, dass einem der Glaube an den technischen Fortschritt im Lautsprecherbau abhanden kommen mag.

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Als der Braun CSV 13 gerade flammneu war, kam auch diese Platte auf den Markt. Eine RCA Living Stereo mit dem noch jugendlichen Gary Burton am Vibraphon. Genial die Version des Alltime-Klassikers „Funny Valentine“ auf Seite zwei.

In Verbindung mit dem CSV 13 bildeten die LE 1-Elektrostaten ein echtes Traumpaar, das sich in jenen Tagen freilich nur wenige Auserwählte leisten konnten. Eine Stereoanlage zum Gegenwert eines Autos stellten sich in den frühen sechziger Jahren nur sehr wohlhabende Menschen mit außerordentlichem Anspruch an die Wiedergabequalität ins Wohnzimmer. Eigens für die LE 1, deren Statorflächen auf mehrere tausend Volt Hochspannung aufgeladen werden, hat der CSV die zwei speziellen Fünfpolbuchsen mit Signal- und Netzspannung, an denen die Lautsprecher – mit entsprechender Originalverkabelung – direkt angedockt werden konnten bzw. können. Stromversorgung und Musiksignal laufen dann über je eine gemeinsame Leitung zu den Lautsprechern. Wer diese Spezialkabel nicht hat, kann die LE 1 selbstverständlich auch „konventionell“ verkabeln, und Stromversorgung und Signal getrennt führen. Letzteres ist für alle „Kabelgläubigen“ ohnehin ein Muss.

Die vom Hersteller anvisierte Wunschkombination mit den LE 1 erklärt auch die umfangreichen Klangregelmöglichkeiten des Braun-Verstärkers. Konstruktionsbedingt mangelt es den Elektrostaten sowohl an Tiefbass als auch an den letzten Sternschnuppen in den Hochfrequenzlagen. Mit den Klangreglern und der Loudnessfunktion ließ sich entsprechend gegensteuern.

 

Deshalb vielleicht der wichtigste Tipp in Verbindung mit dem CSV 13 und seinem stärkeren CSV 60-Bruder: Kombinieren Sie diese Verstärker nicht mit üblichen Bassreflex-Lautsprecherboxen. Das Klangbild könnte dann schnell ins flauschig-wummerige kippen. Ideal sind die Verstärker für wirkungsgradstarke, eher schlank abgestimmte Schallwandler. An klassischen Schallwandkonzepten fühlt sich der CSV 13 sehr wohl.

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Guter Partner für den Phono-Eingang des CSV 13: Tonar Diabolic E-System im Schiller-Phono-Holzbody. Drückt energisch in die Eingangsröhren und geht direkt ins Tanzbein.

Ausprobiert haben wir unser Exemplar an Thöress Duplex-Schallwänden, und das ging sehr gut zusammen. Kein mitleidiges Aufstöhnen, getreu dem Motto: Schöne Nostalgie, aber gebt mir bitte wieder einen richtigen Verstärker. Mit der genannten Kombination lässt sich die Plattensammlung frei von unliebsamen Gehörrückständen erobern. Allerdings handelt es sich bei unserem gehörten CSV 13 auch um ein rundum überholtes Exemplar – mit neuen Silizium-Gleichrichtern und einem kompletten Satz heutiger Folienkondensatoren. Im Vorverstärkerzug steckten zudem neue ECC 803S-Röhren von JJ, die EL 84-Endstufe wurde von historischen, aber topp erhaltenen Valvo-Röhren befeuert.

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Passend zum Gerät, wurde die Verstärkerleistung des CSV 13 mit zeitgenössischen Big Band-Swing herausgefordert. „Herman’s Heat & Puente’s Beat!“ ist eine kleine Perle aus dem Everest-Schallplatten-Programm. Damals das in Sachen Aufnahmetechnik und Covergestaltung wegweisende Label.  Man beachte die seitliche Holzleiste zum Herausziehen der kartonierten Innenhülle. So viel Qualität wurde jedoch nicht honoriert, nach der Pleite ging die eigens entwickelte Technikausstattung an den Mitbewerber Mercury, der damit seine gleichfalls legendäre „Living Presence-Reihe“ produzierte. Wer ab und an seinen lateinamerikanischen Tanzkurs auffrischen möchte, der ist mit dieser klangvollen Everest-Scheibe optimal bedient.

So ein Quartett EL 84 produziert durch die Röhrenheizung ganz schön viel heiße Luft. Runde 120 Grad Celsius haben wir auf den Röhrenspitzen gemessen. Dagegen laufen die Vorverstärker-Röhren mit 45 Grad vergleichsweise kühl. Richtig heißt wird aber der serienmäßige Vorwiderstand der Röhrenheizung: Runde 180 Grad haben wir dort gemessen. Auf alle Fälle verursacht ein musizierender CSV 13 ordentliche Abwärme. Das Gerät darf also nicht in eine Schranknische gepfercht oder gar mit einem Bündel Bücher abgedeckt werden. Auch von unten her ist für gute Luftzufuhr zu sorgen. Am besten also, man stellt den CSV zusätzlich auf kleine Holz- oder Korkklötzchen, um die Luftzufuhr von unter her optimal zu gestalten. Das Entfernen der hinteren Klarsicht-Sicherungsabdeckung eröffnet einen weiteren Kühlkanal, den man aktivieren kann (Vorsicht Netzspannung!).

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Der Klassik-Lust zur Verfügung stehende Braun CSV 13 wurde für den Hörtest professionell überarbeitet. Neben den obligatorischen Reinigungsarbeiten an Kontakten und Potentiometern ging es vor allem den Kondensatoren an den Kragen. Neue Folien-Koppelkondensatoren (gelb) kommen jetzt ebenso zum Einsatz wie neue Elektrolytkondensatoren (blau). Neue Netzteil-Kondensatoren (silbernes Duo rechts unterhalb des Trafos) sind bei einem über 50 Jahre alten Röhrengerät für brummfreien Betrieb so gut wie unumgänglich. Entsprechende Schraubtypen mit den erforderlich hohen Spannungswerten (400 Volt) gibt es neu bei Jan Philipp Wüsten in 25774 Lehne. Im Netz unter www.fragjanzuerst.de zu kontaktieren.

Und so haben wir unseren CSV 13 an den Thöress-Schallwänden zum Musizieren gebracht: Lautstärkeregler und Balanceregler ganz nach links auf Anschlag zudrehen. Gerät einschalten und fünf Minuten Zeit zum Anwärmen geben. Dann Volumenregler annähernd auf rechten Endanschlag stellen. Schallplatte auflegen. Mit dem Balance/Loudness-Regler nun durch behutsamen, parallelen Rechtsdreh der beiden Potis die gewünschte Lautstärke einpegeln. In unserem Setup hatten wir dann auf 10 Uhr-Position deutlich gehobene „Zimmerlautstärke“. Die Höhen- und Bassregler blieben auf Neutralposition (Strich nach oben). Ein Beethoven-Streichquartett (DG, Melos Quartett) kommt in dieser Einstellung mit der nötigen Schärfe und Dynamik, die durchaus als ergreifender Ersatz für ein Liveerlebnis  taugt. Als Quelle diente dabei ein Braun PS 500 mit langem Schiller-Phono 12 Zoll-Tonarm und einem gemäß Raumnadel-Ideal präparierten Bang & Olufsen SP 6-System. Musikalischer Atem, Klangfarben und Dynamikentfaltung im Raum gelingen dem Braun-Verstärker auf begeisternde Art und Weise. Schwächen im Vergleich zu „modernen“ Verstärkern leistet sich „unser“ CSV 13 in zwei für alte Röhrenverstärker typischen Punkten: Der Trafo entwickelt wegen seinem recht locker sitzenden Wickel ein hörbares Sirren, und bei höheren Pegeln im Phonobetrieb ist der Verstärkerzug nicht makellos störgeräuscharm. Beides Eigenheiten, die „unter Dampf“ keine – hörbare – Rolle mehr spielen.

Was es mit dem CSV-Röhrensound auf sich hat, wollten wir anschließend noch in einem kleinen, gewissermaßen hausinternen Vergleich ausloten. Als Vergleichspartner stand ein Braun A 301-Transistorverstärker zur Verfügung. Dieses Modell stellt die übernächste Gerätegeneration dar und gilt als letzter „echter“ Braun-Verstärker. Gebaut wurde er von 1978 bis 1981, mit nur 65 Millimeter Höhe und stattlichen 500 Millimetern in der Breite verkörpert er die damals trendige Slimline-Gehäusearchitektur. Dank DIN-Buchsen-Anschlussfeld ist das Umstöpseln der Verkabelung im Handumdrehen erledigt, zudem bleiben so die Verkabelungs-Bedingungen beidesmal identisch. Auch der A 301 ist noch mit der kombinierten Loudness-Balance-Regelung ausgestattet. Und auch hier verfahren wir nach dem vom CSV 13 bewährten Einstellprinzip: Volumenregler voll aufdrehen, dann mit den Loudness-Balance-Stellern die gewünschte Lautstärke einpegeln.

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Hausinterner Vergleich. Um zu hören, was es mit dem Röhrensound des CSV 13 auf sich hat, ließen wir ihn gegen einen Braun A 301 aus dem Jahr 1978 antreten. Der Transistor-Verstärker gefällt mit flacher Slimline-Bauweise. Wie sein zwei Generationen älterer Röhrenkollege hat auch dieses Modell die für Braun lang Zeit typische, weil regelbare Balance-Loudnessfunktion, hier mit dem international gebräuchlichen Begriff „level“ bezeichnet.

Im Vergleich zum Röhrengerät ist der A 301-Transistorkollege eine ganze Klasse laufruhiger. Trafogeräusche gibt es keine, und auch der Phonozug neigt erst auf Party-Beschallungsniveau im Leerlauf zu vernehmbarem Brummen. Überhaupt verdient sich der Flachmann im direkten Vergleich durchaus ein zufriedenes Kopfnicken. Die Klangcharakteristik ist überhaupt nicht transistortypisch kühl und hart, sondern kann durchaus als harmonisch rund und röhrenartig umschrieben werden. Da der A 301-Phonozweig (nur MM) gemäß RIAA entzerrt ist, werden die Höhen im direkten Vergleich zum CSV etwas milder aber dennoch nicht unvollständiger wiedergegeben. Die Bühne erscheint aber etwas kompakter und die Dynamik gegenüber dem Röhrengerät eine Spur gebremster. Dennoch ein Gerät, das zweifellos die Qualitäten unseres vom 12 Zoll-Tonarm samt Schiller-Phono B&O-Systems gebildeten Tonlieferanten adäquat umzusetzen vermag.

So legen wir für einen Rückbau-Quervergleich einen schönen Prüfstein auf den PS 500-Plattenteller: Das berühmte Dvorak Cello-Konzert in der expressiv-meisterhaften Interpretation von Mstislav Rostropovitch und dem Royal Philharmonic Orchestra unter Sir Adrian Boult (EMI SXLP 30176). Die Aufnahme stammt bereits aus dem Jahr 1958, unsere Platte ist eine spätere Auflage von 1972. Das Adagio auf Seite 2 eignet sich vorzüglich, um Klangfarben und Dynamikqualitäten einer Anlage auszuloten. Und wirklich, jetzt schlägt eindeutig die Stunde des CSV 13-Röhrenverstärkers. Rostropovitchs Cellospiel bekommt vibrierenden Raum, Luft und Farbe. Das Instrument ist jetzt aus Holz, wird lebendig mit harzig-nasaler Note. Wenn aus zartem Celloklang plötzlich die aufbrausenden Hörner und Bässe einsetzen, steht der Ton druckvoll im Raum und das Blech ist als Blech erlebbar. Ganz klar ein deutlicher Schritt hin zu mehr Authentizität. Da sieht man dem CSV sein insgesamt deutlich höheres Nebengeräuschniveau gerne nach. Das gute Stück macht Musik.

Bei Lichte betrachtet erweist sich in unserer Testkonstellation die Braun-Phonostufe mit ihrer CCIR-Entzerrung sogar als Vorteil. Zumindest nach Gehör scheint die (theoretische) Höhenanhebung beim Abspielen einer gemäß RIAA-entzerrten Platte die eventuelle Höhendämpfung des alten B&O-Systems optimal auszugleichen. Das Klangbild jedenfalls präsentiert sich zwischen Oberbass (echten Tiefbass gibt es mit den Schällwänden nicht), Grundton, Präsenzbereich und glasklaren Triangelschlägen mit offener und ergreifend  livehaftiger Tonentfaltung bestmöglich austariert. So vermag sich der CSV 13 in unserem – zugegeben sehr speziellen – Testumfeld auch gegen namhafte, moderne Transistor-Boliden nicht nur zu behaupten, sondern unter dem Strich sogar mit seinem deutlichen Mehr an bewegender Natürlichkeit, wegen spürbarem Atem, den er der Musik zu geben vermag, sehr eindrucksvoll durchzusetzen. Wer hätte das von dem in Internetforen  mitunter als „nicht HiFi-gerecht und zudem brandgefährlich“ gescholtenen Gerät gedacht?

Nun wird mancher Leser ganz zurecht einwenden, unser Testobjekt sei nach den ganzen Modifikationen auch kein originales Braun-Gerät mehr. Das stimmt. Deshalb haben wir uns nach einem CSV 13 umgeschaut, dessen Innenleben noch weitestgehend dem Werksauslieferungszustand entspricht. Bei diesem zweiten Braun-Verstärker wurden lediglich ein paar Elkos und die Gleichrichter erneuert. In der Vorstufe stecke allerdings ein kompletter Satz der sehr gesuchten Telefunken ECC 83-Röhren, die Endstufe war mit neuen, frisch eingemessenen JJ-Röhren vom Typ EL 84 bestückt. Im direkten Vergleich wirkte dieser zweite CSV 13 in der Tat im Klangbild etwas dunkler, gedeckter und weniger dynamisch als der komplett überarbeitete Verstärker. Das heißt, der Tausch der gesamten Koppelkondensatoren gegen neue Folientypen kann eine deutliche Verbesserung des Geräts  bewirken. Für eine wasserdichte Beurteilung müssten allerdings auch bei beiden Geräten die Vorstufen- und Endröhren wechselseitig getauscht werden, was wir aber weder uns, noch den Geräten antun möchten. Eines wird aber deutlich: Braun CSV 13 ist nicht gleich Braun CSV 13.

Selbstverständlich kann an den Röhren-Oldie auch ein modernes, digitales Quellengerät angeschlossen werden. Die Eingänge für Radio oder Tonband stehen dazu zur Verfügung. Was gebraucht wird, ist ein entsprechender Adapter-Stecker, der die heute üblichen Cinch-Buchsen auf die fünfpolige DIN-Eingangsbuchse überträgt. Im Fachhandel sind solche Adapter erhältlich. Zu beachten ist dabei lediglich, dass heutige Digitalgeräte mit recht hohen Ausgangspegeln arbeiten, der Braun-Verstärker aber noch auf die Gepflogenheiten der damaligen Quellengeräte abgestimmt wurde. Damals arbeiteten Quellengeräte wie Radio oder Tonband mit geringeren Signalspannungen als heute üblich. Einmal mehr erweist sich vor diesem Hintergrund die doppelte Loudness-Lautstärkeregelung des CSV 13 als Vorteil. Denn damit lassen sich auch heutige CD-Player von leiser Flüster-Berieselungslautstärke bis zur Partybeschallung problemlos einpegeln. Zu beachten ist lediglich, dass direktes Umschalten zwischen Phonobetrieb und CD-Quelle zu einem heftigen Lautstärkesprung führt. Vor dem Umschalten auf CD-Betrieb also den Volumenregler zurückdrehen, und erst dann den Wunschpegel einjustieren. In diesem Fall wird man dann den Volumenregler nur etwa bis zur 12 Uhr-Position aufdrehen, um dann wieder mit den Balance-Loudness-Stellern bei etwa 10 Uhr zu landen.

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Gene Krupa am Schlagzeug, das heißt druckvoller Swing-Beat mit der Lizenz zum Füßewippen. Mit dieser Platte auf dem Dreher darf der Braun CSV 13 wirklich zeigen, was in ihm steckt. Wenn ein Paar wirkungsgradstarker Lautsprecher an den Klemmen hängt, dann ist das ganz schön viel. Unsere Testanlage bestand aus Braun PS 500 mit Serien- und 12 Zoll-Tonarm, Thorens TD 2001 mit Van den Hul DDT-System und Graedke-Sennheiser-Übertrager sowie Schallwand-Lautsprechern von Thöress.

Womit wir gleich bei der aktuellen Kaufsituation angelangt wären. Im Angebot befinden sich zumeist spielbereite, aber abgenudelte Exemplare mit den üblichen Wehwehchen wie Trafobrummen, knacksenden Potentiometern und sonstigen Alterserscheinungen wie defekten Kondensatoren, verschlissenen Röhren oder  Schalter-Kontaktproblemen. Oft sind die aus Kellern geborgenen Geräte auch zerkratzt und das Stahlblechgehäuse angerostet. Solche Gerätschaften erzielen im Originalzustand dennoch Preise um die 300 Euro (Stand 2016). Damit ist es freilich nur für jene Interessenten getan, die sich das Gerät als Anschauungsobjekt ins Regal stellen möchten. Wer einen CSV 13 tatsächlich nutzen möchte, kommt um einen umfassenden Service nicht umhin. Wer selbst ein kleiner Elektromufti ist, darf sich die Hände reiben. Wer den Profi braucht, der ist schnell weitere 500 Euro los, eher mehr.

Vorsicht bei so genannten Speicher- oder Kellerfunden. Solche Geräte dürfen auf keinen Fall mit kühner Hand ans Netz angeschlossen werden. Auch in solchen Fällen empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einem professionellen CSV-Versteher (Kontakte finden sich im Internet). Wer im Bekanntenkreis einen Elektrofachmann mit regelbarem Trenntrafo hat, der sollte jenen guten Mann beauftragen, den CSV 13 an diesen Trafo anzuschließen, um dann gefühlvoll die Spannung ganz laaangsaaam hochzufahren. Erreicht man ohne verdächtige Rauchzeichen die 100 Volt-Marke, den Verstärker über mindestens eine Stunde bei dieser Spannung belassen. Dann haben die alten Elkos Zeit, sich zu formieren. Erst dann schrittweise auf volle Netzspannung hochregeln. Wichtig: Der Braun-Verstärker kann auf unterschiedliche Netzspannungen eingestellt werden. Nehmen Sie den höchsten Wert, also 240 Volt. Bei aktivierten Röhrenverstärkern generell immer Lautsprecher an die Ausgänge anschließen und Lautstärkeregler vor dem Anschalten ganz zudrehen.

FAZIT: Viel mehr als nur ein herausragend gestaltetes „Design-Stück“. Im überarbeiteten, technisch verfeinerten Zustand und mit entsprechenden geeigneten Lautsprechern sowie glücklich abgestimmten Phono-Zuspielpartnern kombiniert, geht mit dem CSV 13 tatsächlich eine begeisternd klangfarbenstarke und dynamisch beeindruckende HiFi-Bühne auf. Raum und Tiefe sind – entsprechendes Programmmaterial vorausgesetzt – zum musikalischen Lustwandeln in üppiger Ausleuchtung vorhanden. Das Trafosirren unseres Testgeräts ist – wie wir inzwischen durch weitere Recherche feststellen konnten – nicht typisch für den Verstärker. Die Nebengeräuscharmut des Phonoteils hängt auch von den verwendeten Röhrentypen und der Masseführung im Gerät ab. In dieser Richtung hat der CSV 13 noch Potential. Für das Klassik-Lust-Team war der Braun-Röhrenverstärker fraglos eine positive Überraschung. Wir wünschen bei eigenen Hör- und Restaurierungserfahrungen viel Erfolg – und hören mit unserem CSV 13 derweil vergnügt weiter gute Musik. Schönes Gerät, es lohnt sich.

 

TIPPS UND TRICKS FÜR DEN BRAUN CSV 13

  1. Werden die Endstufen-Röhren (vier EL 84) erneuert, muss die Ruhestromeinstellung kontrolliert und gegebenenfalls neu justiert werden. Am einfachsten geht das mit einem speziellen Messadapter. Anleitungen finden sich im Netz. Der Laie dürfte damit überfordert sein, er sollte sich an einen Fachmann wenden.
  2. Endstufen-Röhren nicht einzeln austauschen. Die Werte können sonst zu unterschiedlich geraten. Was einerseits der Röhren-Lebensdauer abträglich ist, zum anderen das Klangergebnis beeinträchtigt. Röhren nur paarweise pro Kanal tauschen, besser noch im gematchten Quartett.
  3. Das heißeste Bauteil im Verstärker ist der Vorwiderstand der Röhrenheizung – es sind nicht die Röhren. Durch die Nähe des Widerstands zum Netzteil-Kondesator heizt er diesen auf. Ein zusätzlich eingebrachtes Hitzeschild ist sinnvoll.
  4. Durch unsachgemäßes Hantieren mit dem Schraubendreher zerbrechen gerne die Einstell-Drehknöpfe aus Bakelit. Mit langsam aushärtendem Uhu Plus endfest 300 lassen sich die Knöpfe haltbar kleben. Dazu die Bruchstellen beidseitig dünn (!) mit Hilfe eines Zahnstochers benetzen. Klebestelle mit Klammern fixieren und die Klebestelle unter der Lupe kontrollieren. Knopf mit Föhn auf 60 bis 80 Grad erwärmen. Dann fließt der Klebstoff dünn in die feinen Fugen (Kapillarwirkung). Nach dem Trocknen Klebestelle und  Knopf mit Lackpolitur gleichmäßig auf Glanz bringen.
  5. Passende Netzteilelkos gibt es bei www.fragjanzuerst.de. Neue Ausgangsübertrager fertigt die auf Röhrenverstärker spezialisierte Firma Welter (www.welter-electronic.de).
  6. Fehlt das spezielle Zweipol-Netzkabel, kann das Kabel eines klassischen Braun-Diaprojektors (etwa D40) verwendet werden. Ansonsten passen noch die Kabel für alte Revox- und Neumann-Geräte. Die im Netz angebotenen Billig-Kabel passen nur nach entschlossener Nacharbeit – und das auch nicht richtig.
  7. Das Stereo-Lautstärkepotentiometer arbeitet bei vielen CSV 13 speziell im unteren Einstellbereich recht unterschiedlich. Je nach Lautstärkeposition muss das mittels der beiden Pegel-/Balancesteller ausgeglichen werden.
  8. Kratzende und knisternde Potentiometer nicht mit ölenden Substanzen (Balistol, WD 40) einsprühen. Das hilft nur ganz kurz, danach wird es meistens noch schlimmer, weil das Öl Schmutz bindet. Versuchen Sie stattdessen die erste Kur mit einem Schuss Bremsenreiniger (Schutzbrille!). Sprühbereich um das Objekt großzügig mit Lappen oder Küchentüchern abdecken.
  9. Die alten Bauteile (Elkos) sind oft langlebiger als gedacht. Deshalb – auch in Hinblick auf die Originalität des Gerätes – Bauteile nicht blindwütig erneuern. Nach penibler Prüfung – offensichtlich ausgelaufene Elkos sollten selbstverständlich erneuert werden – den wieder zu erweckenden CSV 13 behutsam mit Hilfe eines regelbaren Trenntrafos in Betrieb nehmen. Dabei die Wärmeentwicklung der Netzteilelkos prüfen. Werden sie gleich handwarm, sind sie defekt. Gerät ausschalten und Teile erneuern. Keine Arbeit für Laien. Vorsicht: Lebensbedrohliche Spannungen!
  10. Die serienmäßigen Selen-Gleichrichter können durch moderne Silizium-Gleichrichter ersetzt werden. Diese liefern aber höhere Spannungswerte. In den meisten Fällen kann das durch Umschalten des Trafos auf 240 Volt kompensiert werden. Dazu Arbeitsspannungen analog zu den Angaben im Schaltplan überprüfen. Keine Arbeit für Laien. Vorsicht: Lebensgefährliche Spannungen! 

Text und Fotos: Jo Soppa

 

 

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