BMW Hofmeisterknick

Welch poetisch lautmalerische Beschreibung –  ja wofür eigentlich?

Ist es die Beschreibung eines höfischen „Knicks“ aus der Knigge`schen Benimmregel entlehnt? Hat es etwas mit monarchischem Zeremoniell aus längst vergangenen Jahrhunderten zu tun? Nein, alles falsch.

Der besagte Hofmeisterknick, der bei eingefleischten BMW-Enthusiasten nicht für ungläubiges Staunen oder Stirnrunzeln sorgt, ist ganz einfach ein Stylingelement, welches an der hinteren Dachsäule am Fuß dieser C-Säule an dem doppelt geknickten Übergang in den Karosseriekörper erkennbar ist. Bei den Kombinationskraftwagen (Touring) von BMW mit Hofmeisterknick, ist er in der D-Säule.

Wilhelm Hofmeister, langjähriger Leiter der Karosserieentwicklung bei BMW und Schöpfer grandioser BMW-Modelle. Hofmeister war von 1955 bis 1970 Chefdesigner bei den Münchnern.

Benannt ist dieser Hofmeisternknick nach dem langjährigen Leiter der Karosserieentwicklung bei BMW: Wilhelm Hofmeister. Er gehörte BMW 34 Jahre lang an und prägte in den Nachkriegsjahren Form und Styling der Münchner Automobile, die den entscheidenden Impuls zum Aufschwung des Unternehmens gaben. Hofmeister war von 1955 bis 1970 Chefdesigner bei den Münchnern.

Die Typen BMW 700 sowie die 1500, 1800, 2000 (die „Neue Klasse“), der 1602 mit seinen berühmten Nachfolgern 2002/2002 tii und die Baureihen der 3er, 5er, 6er, 7er tragen seinen Stempel. Mit Beginn der „Neuen Klasse“ schuf Hofmeister für BMW Designelemente, die bis heute gültig sind.

Der 1500er BMW: Die sogenannte „Neue Klasse“ von BMW. Deutlich sichtbar ist an der C-Säule der neckische Knick, der für zusätzliche Stabilität bei der Karosserie sorgt – bei gleichzeitiger Reduzierung der Blechstärke.

Erstmals eingeführt wurde der Hofmeisterknick bei dem Oberklasse-Automobil BMW 3200 CS „Bertone“ und den neuen Mittelklassewagen „Neuen Klasse“ von BMW (ab dem 1500er und ab Typ 115), die erstmals auf der IAA 1961 vorgestellt wurden. Dieser Knick war damals nicht nur als schön anzusehendem Stylingelement gedacht, sondern hatte konstruktive Gründe, da durch diesen „Knick“ die Stabilität in diesem Karosseriebereich erhöht werden konnte bei gleichzeitiger Reduzierung des Materialeinsatzes. In der Technischen Mechanik heißt das: Erhöhung des polaren Widerstandsmomentes.

Seitenansicht des 6er Gran Coupé mit dem leicht abgerundet und sanft geschwungenen Hofmeister-Knick. Das Gran Coupé ist als Konkurrenzmodell zu den 4-türigen Sport-Coupés der beiden Stuttgarter Automobilhersteller gedacht

Als später dieser trickreiche Kniff nicht mehr benötigt wurde – der Hofmeisterknick blieb bestehen. Bis heute ist er Teil der BMW-Historie. Jeder sieht diesen neckischen und gefälligen Schwung in der Fenstergrafik, aber keiner kennt seine historische Bedeutung. Ich wage jetzt einmal eine ganz kühne Behauptung: Der dezentere Hofmeisterknick gehört zu BMW wie die unübersehbare BMW-Niere mitten in jedem BMW-Antlitz! Und die gehört zu BMW wie das Oktoberfest zu München.

Und dann das Sakrileg: Mit Einführung des Touring der neuen 3er Baureihe – des G21 ab September 2019 – entfällt der Hofmeisterknick. Lieschen Müller fällt das so markant ins Auge, als wenn in China ein Sack Reis umfällt: nämlich gar nicht. Es ist jedoch ein weiterer Traditionsbruch nach dem Frontantrieb des 1er BMW der nächsten Generation! Von der ins Gigantische wachsenden BMW-Niere des X5 mal ganz abgesehen, wie überdimensionierte und brutal wirkende Schlünde, die jedes sinnliche  Markenattribut ad absurdum führt. Sie sehen aus, wie unnatürlich aufgeblähte Nüstern. Aber, Geschmäcker sind verschieden…  und allen recht machen kann man es sowieso nicht.

Die Winkel des Hofmeisterknicks sind mal augenfällig spitzer,  mal bei anderen Modellen dezenter definiert. Als Gestaltungselement ist er ein Mittel, wie der Designer den Linienfluss der Karosserie betont dynamischer oder vornehm zurückhaltender akzentuiert.

Wenn Sie das nächste Mal wieder einen BMW sehen, dann lenken Sie einmal Ihr Augenmerk auf die C-Säule – bzw. die D-Säule bei einem Kombinationskraftwagen – und legen eine Gedenksekunde an den großartigen Designer von BMW – Wilhelm Hofmeister – ein.

Mit BMW`s „Neue Klasse“ legte Wilhelm Hofmeister den Grundstein für einen jahrzehntelang anhaltenden Erfolg von BMW

 

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos: BMW AG

 

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