BMW 325i Cabriolet & Co.

Liebe, Lust und Leidenschaft

Die Begeisterung für die Automobilmarke mit den drei Buchstaben und dem charakteristischen, blau-weißen Propeller-Symbol kann bei  manch einem ein Leben lang halten. Wen es einmal „erwischt“ hat, und dessen Lohe entfacht wurde, tja, für den kann sich eine wunderbare Beziehung zu so einem Fahrzeug ergeben, die wohl mit der zu einem geliebten Menschen verglichen werden kann.

Um dieses einprägsame Markenzeichen ranken sich zwei Mythen. Der eine behauptet, dass es einen drehenden Propeller darstellt, die andere Deutung zielt auf die bayerischen Hoheitsfarben Weiß-Blau. Da es privaten Unternehmen nicht gestattet war, Landesfarben in einem Markenzeichen zu führen, wurde der geviertelte Kreis als ein blau-weißer bezeichnet. Die „Propeller-Deutung“ könnte eine findige und passende Marketingmaßnahme in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gewesen sein, da BMW in den Anfängen ja auch ein Flugzeugmotorenhersteller war. Was letztendlich wahr ist, das überlassen wir den sogenannten Wissenschaftlern und der Interpretation eines jeden einzelnen. Vielleicht ist es ja auch eine Kombination aus beidem?

Der Grazer Cartoonist Alexander Wolf mit seinem treuen Wegbegleiter: Dem BMW 325i E30 aus dem Jahr 1986 – und absolut original!

Ein leidenschaftlicher Bekenner zu Automobilen der Bayerischen Motoren Werke ist der gebürtige Grazer und bekannte Cartoonist Alexander Wolf, der heute ein paar Kilometer nördlich der steirischen Landeshauptstadt wohnt und arbeitet.

Alexander Wolf ist ein Meister des satirisch-humorvollen spitzen Stiftes, der gekonnt seine Sicht auf globale sowie tagesaktuelle Ereignisse als Kunstwerke zu Papier bringt. Der Cartoonist entstammt – ebenso wie seine jüngere Schwester Ursa Wolf, die sich ebenso der Kunst verschrieben hat – aus der Grazer Künstlerdynastie Wolf, deren Urvorfahre Thaddäus Stammel (1695-1765) war, dessen bildhauerische Werke unter anderem im Stift Admont zu bestaunen sind. Bei solch kunstlastiger Prägung kann leicht der Bogen zu den Automobilen bayerischer Provenienz gespannt werden; sind doch gerade diese in Blech gegossenen Werke von kreativen Designern erschaffen worden, welche es verstanden haben, die typischen Stilelemente des jeweils herrschenden Zeitgeistes in sich zu vereinen. Designer sind per se nicht nur rein profane Produktgestalter, sie haben eine ausgeprägte künstlerische Ader, die sie z.B. der bestmöglichen Form eines Automobils widmen. So betrachtet, sind Automobile ebenfalls Kunst. So verwundert es nicht, dass die formale Gestaltung der älteren BMW-Modelle Alexander Wolf in ihren Bann zogen.

Für einen Grazer BMW-Vertragshändler entstand für Weihnachten dieses Sujet. Stilvoll fährt der Nikolaus mit dem 325i zur Bescherung

Derzeit befinden sich in seinem Fundus zwei BMWs (neben mehreren anderen diverser Automobilhersteller, die für tägliche Besorgungsfahrten benutzt werden), jedoch die beiden Bajuwaren werden sorgfältig gehütet und liebevoll gepflegt.

Die Anfänge der BMW-Begeisterung

Der erste BMW: Mit ihm fing die jahrzentelange Leidenschaft zu den bajuwarischen Automobilen an: Der legendäre 323i. Er war damals, als er frisch in den Ausstellungshallen stand, die Bolzgranate schlechthin

Begonnen hat die Wolf´sche Leidenschaft in den frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts – genauer gesagt 1983 – mit dem Erwerb eines BMW 323i, dem legendären E21. Er war der Inbegriff der „Bolzgranate“ und ein Sehnsuchtsautomobil bestimmter Bevölkerungsschichten Deutschlands, mit dem Potenz auf der Straße ausgelebt werden konnte. Optisch oftmals mit fragwürdigem Spoilerwerk verunziert, überlebten nur die wenigsten, um das biblische Alter der Oldtimer-Granden im Originalzustand zu erreichen. 143 PS – das war in dieser Zeit eine mehr als deutliche Ansage, um es auf der linken Spur der bundesdeutschen Autobahnen ordentlich krachen zu lassen. In 9,5 Sekunden wurde die 100 Kilometerschallmauer erreicht und das Vehikel rannte ohne weiteres knapp an die 200 – genauer gesagt: 190 km/h.

Dann kam das Jahr 1986 und es trat ein automobilhistorischer Meilenstein in den Zenit des Künstlers Alexander Wolf:

Schnörkelloses und geradliniges Design. Die Formgestalter haben mit diesem Modell die Meisterschaft ihres Wirkens mehr als deutlich unter Beweis gestellt

Der BMW 325i E30/2C

Kann es denn wirklich wahr sein? Diese BMW Cabrios der ersten Baureihe haben das gesegnete Oldtimer Alter bereits erreicht. Gerade eben sind sie doch noch überall auf den Straßen zirkuliert, wenn auch in überschaubarem Maß. Am Steuer – dem Zeitgeist entsprechend –saßen  in den 80er Jahren wohlgewandete Herren in Popper-Aufmachung, ausstaffiert mit dem obligatorischen Lederschlips. Viele der E30er wurden tiefergelegt, mit breiten Felgen und den darauf passenden Reifen im Niederquerschnittsformat versehen. Die meist damit einhergehenden Kotflügelverbreiterungen mit voluminösem Spoilerwerk an der Front und am Heck ließen sehr oft ästhetisches Verständnis vermissen. „Auffallen um jeden Preis“ lautete die Devise – und der Damenwelt schien es zu gefallen. Selbst die Motoren blieben vor abenteuerlicher Frisierkunst mittelmäßig begabter Tuner nicht verschont. Viele der optischen Highlights konnten getrost in die Schublade Verunstaltung geschoben werden. Heute jedoch, nach einigen Jahrzehnten, haben solche Fahrzeuge einen gewissen Charme und verströmen den Hauch der damals herrschenden Lebensart. In diese Zeit des E30 fiel auch der Beginn der „Deutschen Welle“, eine Musikrichtung, die eine ganze Generation in ihren Bann zog und die in den Dorfdiscos landauf landab im Dauermodus die Tänzer und Nichttänzer berieselte.

Das Wolf`sche Cabriolet erstrahlt immer in perfektem Glanz. Nach Möglichkeit wird dieses Schmuckstück nur bei einer langanhaltenden Hochdruckwetterlage aus der Garage gerollt

Ein viersitziges Vollcabriolet, das war ein Novum, welches in den 80er Jahren nur von sündhaft teuren Edelblütern englischer Manufakturen angeboten wurde. 2+2-Sitzer hatten allenfalls eine rudimentäre Sitzgelegenheit im rückwärtigen Bereich, die zwar für Kinder adäquaten Komfort bot, nicht jedoch für Erwachsene. Somit genießt das E30 Cabriolet in der Automobilhistorie einen herausragenden Trendsetter-Platz .

Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde das 325i Cabriolet erstmalig auf der IAA 1985. Dort wurden auch weitere BMW-Meilensteine gesetzt; neben einem neuen „kleinen“ Diesel auch ein Allradantrieb für den 325i und als Highlight: das neue, bildschöne BMW 325i Vollcabriolet. Es war das erste werkseitig entwickelte Cabrio seit dem legendären BMW 503 Cabrio aus dem Jahre 1956 und wurde parallel zum Baur Topcabriolet angeboten. Ohne die Gesamtoptik störende Überroll- bzw. Targabügel besticht das Styling dieses zweitürigen Viersitzers bei geöffnetem Dach und kann mit seinem ästhetischen Design durchaus als automobilhistorischer Meilenstein bezeichnet werden.

Alexander Wolf geht mit seinem Sammelstück sorgfältigst um – auch wenn er es ab und zu mal krachen lässt. Die sechs Zylinder, sie brauchen gelegentlich ihren artgerechten Auslauf

Das 325i Cabriolet war das erste offene Fahrzeug, das die Bajuwaren nach knapp eineinhalb Jahrzehnten Abstinenz den Frischluftfreunden offerierten. Das letzte Vollcabriolet war das 02er Cabrio, welches von der Karosserie- und Fahrzeugbaufirma Baur in Stuttgart-Berg bis Anfang der 70er Jahre ebendort hergestellt wurde.

Als dieser BMW das Licht der Welt erblickte, da gab es noch runde Scheinwerfer und keine verdesignten, ins Hässliche gehenden Schöpfungen für Heimleuchtungen

Die Formensprache dieses BMWs kann getrost als klassisch bezeichnet werden – sie kommt ohne viele Schnörkel und unnötiges Tamtam aus. Klare Linienführung und lineare Strenge, vier ästhetische Scheinwerfer an der Front und formal gelungene Rücklichter. Dafür zeichnete der BMW Chefdesigner Claus Luthe verantwortlich. Luthe war ein begnadeter Automobil-Gestaltungs-Künstler, der vor BMW den legendären Ro 80 designte sowie zahlreiche NSU, VW und Audi Karosserien maßgeblich beeinflusste und den damaligen Chefdesigner Paul Bracq bei BMW ablöste. Bei BMW fand Claus Luthe seine schöpferische Heimat, wo er entsprechend gewürdigt wurde und wundervolle Karosserien hervorbrachte. 3er, 5er, 7er und 8er BMWs tragen in den folgenden Jahren die deutliche Handschrift Luthes und es ist nicht übertrieben, wenn er in den Geschichtsbüchern als einer der bedeutendsten Automobildesigner des 20. Jahrhunderts honoriert wird. Der 325i ist eine Symbiose aus klassisch lässigem Lifestyle, zeitloser Ästhetik und zarter Poesie. Das Cabrio macht selbst mit geschlossenem Verdeck eine perfekte Figur, was man nicht von allen offenen Fahrzeugen behaupten kann. Solch eine stimmige Automobilarchitektur kann nur in den Ateliers großer Meister entstehen.

Da freut sich der Betrachter und noch vielmehr der Lichtbildner: Makellos spiegelnder Lack – da wird deutlich, dass er mehr ist als nur der profane Rostschutz der Karosserie

Der Cartoonist Alexander Wolf bestellte 1986 den 325i als zweiter Käufer – fabrikneu wohlgemerkt – bei einem Grazer BMW-Händler. Vorausgegangen war der Besuch – des damals noch nicht kaufentschlossenen Wolf – einer Präsentation des 325i auf einer Automobil-Messe in München und da sprang der Initialfunke über. Das Cabriolet war am Anfang gar nicht in seinem Beuteschema gewesen. Nach der eindrucksvollen Darbietung auf dieser Messe war die Entscheidung gefallen – und zwar zu Gunsten des 325i Cabriolets. Ein Entschluss, den er über die Jahrzehnte keine Minute bereut hat.

Von März 1986 bis Januar 1993 wurde bei BMW das 325i Cabriolet gebaut. Insgesamt rollten 85.246 Einheiten vom Fließband, das Vollcabrio kostete zu Produktionsbeginn 43.300 DM. 1998 war der Schönling mit 53.000 DM in der Preisliste – wohlgemerkt ohne zusätzliche Sonderwünsche seitens des Kunden, die dann extra zu Buche schlugen.

Bei dem 325i wurde die Bodengruppe deutlich verstärkt, was auch der (für damalige Verhältnisse) beachtlichen Leistung von 171 PS geschuldet war, um eine hohe Torsions- und Biegefestigkeit des Karosseriekörpers zu gewährleisten. Denn das dafür eigentlich benötigte Dach – als wichtiger Bestandteil einer selbsttragenden Karosserie, was zur wesentlichen Stabilität eines Fahrzeugs beiträgt – gibt es nicht.

Selbst mit geschlossenem Verdeck macht der 325i eine makellose Figur. Die Designer lieferten mit diesem Hochamt ihre Meisterprüfung ab

Unter weitgehender Beibehaltung der Fahrzeugkontur der 325i-Limousine wurde die Rohkarosserie bei diesem Cabrio so verstärkt oder abgeändert, dass die Gesamtstabilität des Fahrzeugs auch ohne festes Dach unter allen Betriebsbedingungen gewährleistet war. Die wesentlichen konstruktiven Änderungen an der Karosserie erstreckten sich auf folgende Maßnahmen:

Die vorderen Radhausdome sind mit Knotenblechen verstärkt, die Karosseriestruktur unter dem Armaturenbrett erhielt mehr Stabilität, die Lenksäule wurde zusätzlich am Getriebetunnel und an der A-Säule abgestützt. Erhöht wurde auch die Blechstärke am Windschutzscheibenrahmen, die Querschnitte der Seitenschweller wurden vergrößert, die Blechstärke höher dimensioniert und ein zusätzliches Profil eingebracht. Es folgten noch weitere Veränderungen im A- und B-Säulenbereich, beim Kardanwellentunnel, bei den hinteren Seitenteilen – eigentlich an allen Punkten, die zu einer „limousinenartigen Steifigkeit“ beitragen.

Durch diese Maßnahmen erhöhte sich das Gewicht der Rohkarosse um etwa 90 Kilogramm, das Gesamtfahrzeuggewicht wuchs gegenüber der Limousine um 130 Kilogramm.

Hinter der Sitzbank im Fond ist der Verdeckkasten untergebracht

Die Fahrzeuginnenraumlänge ist mit der Limousine identisch, jedoch ist im Bereich der hinteren Sitzbank die Breite etwas geringer, weil das Verdeckgestänge  Platz benötigt. Die Rücksitze sind konstruktiv als 2 Einzelsitze ausgeführt. Vorne ist das 325i Cabrio serienmäßig mit Sportsitzen ausgerüstet. Die Seitenscheiben vorne und hinten sind voll versenkbar und betonen den Roadster-Charakter. Die Sitzpositionen sind allesamt touristisch entspannt und die maximal vier Reisenden genießen die perfekten Logenplätze.

Das Cockpit. Ergonomisch gestaltet, so dass alle Bedienungselemente und Anzeigeinstrumente vom Fahrer bequem erreichbar bzw. für ihn sichtbar sind

Legendär ist das ergonomische Armaturenbrett; da haben die Interieur-Designer ein buchstäbliches Meisterstück abgeliefert. Eigentlich könnte es heutigen Innenraumarchitekten in der Automobilbranche einmal als Anschauungsobjekt dienen, denn das Cockpit-Layout besticht durch seine Klarheit, Einfachheit und ist trotz alledem trendy inszeniert.

Betrachtet man das 325i E30 Cabriolet von der Seite, eröffnet sich die makellose Silouette

Das Cabrio gefällt auch mit geschlossenem Dach in seiner ästhetischen Anmut, das Verdeck lässt sich mühelos und in kürzester Zeit öffnen oder schließen,wobei dies problemlos von einer Person bewältigt werden kann. Neuartig an dieser Verdeckkonstruktion ist eine sogenannte Übertotpunktkinematik – hierbei wird über eine Zwangssteuerung der Endbügel automatisch abgesenkt. Diese „Übertotpunktkinematik“ spannt dabei mit Hilfe spezieller Lenker den Verdeck-Endbügel und somit den Heckscheibenbereich wasserdicht auf die Karosserie. Diese Konstruktion kann auf zusätzliche mechanische Verriegelungen im Heckscheibenbereich verzichten – das Verdeck schließt automatisch wasserdicht und völlig zugfrei an der Fahrzeugkarosserie ab. Durch spezielle Gelenkbuchsen aus Teflon ist die Kinematik des Verdecks wartungs- und verschleißfrei. In keiner Weise wird das Auge des Betrachters bei versenktem Verdeck beleidigt durch den sonst typischen „Verdeckbuckel“ oder einen Überrollbügel, welche die Eleganz und die harmonische Linienführung des Fahrzeuges beeinträchtigen könnten – es gibt sie nämlich nicht.

Die Heckscheibe ist aus Kunststoff und ohne Heizdrähte. Olla, nur keine Panik. Die BMW-Konstrukteure verbauten für die Belüftung und Entfrostung hinter der Rücklehne ein Warmluftgebläse. Aber: So einen Augenschmaus, den fährt man auch nicht im Winter, sondern eher bei anhaltender Hochdruckwetterlage im Sommer!

Durch das Verdeck verkleinert sich naturgemäß das Volumen des Kofferraums, so etwa um die 113 Liter. Diejenigen, die es brauchten, konnten ein Hardtop-Aufsatz bei BMW bestellen.

Das Fahrwerk des 325i Cabriolets wurde, gegenüber der Limousine, den geänderten Gewichtsbedingungen und dem cabriospezifischen Einsatz ebenfalls neu abgestimmt. Es wurden weichere Federn und die Dämpferabstimmung härter gewählt.

Das relativ sportlich abgestimmte Fahrwerk ist mit der Motorleistung nie überfordert und bietet noch ausreichend Reserven für eventuelle Grenzbereiche.

Sechszylinder Reihenmotor und 171 PS; das war 1986 die ultimative Ansage. BMW spielte schon damals in der Top-Liga mit und war Wegbereiter für viele wegweisende Entwicklungen

Motor

Der längsverbaute Reihen 6-Zylinder war zur Markteinführung 1986 die einzige Motorisierung, die für das E30 Cabriolet angeboten wurde. Die Leistungsentfaltung drückt sich durch einen sehr geschmeidigen, durchzugsstarken und drehfreudigen Lauf des Triebwerk aus.

Herrlich trompetet der 6-Zylinder voller Freude seine Lebenslust aus den Schallschluckern; ohne Kat und das Odeur, welches den Endrohren entströmt, lässt die gute alte Zeit wieder aufleben. Herrlich, wenn diese olfaktorischen Genüsse das Geruchsempfinden des Schnüfflers angenehm anregen und mit einem betörenden Duftcharisma die Nase umwehen.

Mit seinen Fahrleistungen nahm der 325i in den 80er Jahren eine Spitzenstellung unter den vergleichbaren Cabriolets ein. Dank seines harmonisch laufenden Sechszylinder-Motors mit 171 PS beschleunigt das Automobil in nur 8,6 Sekunden vom Stand auf 100 km/h,  und sollte der Fahrer oder die Fahrerin das zügellose Temperament des Bajuwaren ausspielen wollen, dann war der Vorwärtsdrang bei etwa 215 km/h zu Ende. Für damalige Verhältnisse beeindruckende Zahlen. Der Reihen-Sechszylinder ist ein perfekt ausgebauter und vollendeter Motor, der auch nach über 30 Jahren durch seidenweichen Lauf glänzt.

Der 2,5 Liter Sechszylinder war als Kurzhuber(84 mm Bohrung und 75 mm Hub) konstruktiv ausgelegt und da durfte der Dompteur der 171 PS – die bei 5.800 U/min anliegen – schon etwas auf das Gaspedal treten, um die 1255 Kilogramm Leergewicht (mit Schaltgetriebe) vehement nach vorne zu befördern. Welch stimmliches Frohlocken des 6 Zylinders verzückt den Fahrer mit seinen herrlichen Klangwolken…  Das maximale Drehmoment von 226 Nm setzte der Motor bei 4.000 U/min frei. Die Brennräume werden zeitgemäß von einer Einspritzanlage mit Frischgezapftem gefüttert. Das Aggregat besticht durch exzellente Laufkultur. Man ist fast schon versucht, auf den Ventildeckel eine Münze hochkant hinzustellen, um zu sehen, ob sie aufrecht stehen bleibt. Natürlich nur bei Leerlaufdrehzahlen – versteht sich von selbst.

Über ein 5-Ganggetriebe wird die Leistung, welche die Verbrennungskraftmaschine freisetzt, auf den BMW-typischen Hinterradantrieb übertragen. Wahlweise konnte bei BMW auch ein Automatikgetriebe geordert werden.

Selbst das Heck des Cabriolets war – und ist noch immer – eine Augenweide

Die BMW E30 Cabriolets wurden in Dingolfing und in Regensburg gebaut. Von dem 325i verließen über dessen Bauzeit von 1986 bis zu der Produktionseinstellung 1993 85.246 Stück die Fertigungsbänder, alle 3er Cabrios brachten es über den genannten Bauzeitraum auf 143.425 Stück. Dass der BMW 325i seinen Platz auf dem automobilen Pantheon innehat, darf getrost als sicher gelten. Er prägte eine neue Ära des offenen Fahrens mit zeitgemäßem Komfort und hoher Ästhetik getreu dem Motto, dass sich der Fahrspaß nicht messen lässt, sondern nur „erfahren“. Der Weg ist das Ziel, da spielt die Zeit eine eher untergeordnete Rolle – das offene Fahren bei idealem Ausflugswetter ist Garant für entspanntes Landstraßensurfen.

Der Fairness halber muss natürlich gebeichtet werden: Die Ledersitze wurden von einem Sattler schon einmal erneuert, ebenso wie das Verdeck

Und da sich der E30 nun in einem gesetzteren Alter befindet, lassen es die Wolfs bei diversen Oldtimer Gleichmäßigkeitsfahrten krachen. Und die Erfolge, die können sich wahrlich sehen lassen, da staunen selbst altgediente Haudegen nicht schlecht – und das alles, ohne dass es zu ehelichen Zwistigkeiten kommt… Mit solch einem Aristokraten unter den Cabrios, da macht engagiertes Roadbook-Studium einfach viel Freude, zumal bei spannenden Touren und wenn die Freiluftsportler sich bei T-Shirt-Wetter auf den Landstraßen austoben können.

Warum hat Alexander Wolf ausgerechnet – entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten – seinen BMW so sorgfältig gehegt und gepflegt und mit eben diesem Automobil einen so treuen Begleiter gefunden? Wahrscheinlich liegt es daran, dass er es vorzieht – trotz Motorradführerscheins – kommod zusammen mit seiner Frau Andrea durch die alpenländische Walhalla zu fahren. Sie können sich den Wind um die Nase wehen lassen, sprichwörtlich in der Natur unterwegs sein und die Eindrücke sensitiv ungefiltert in sich aufnehmen. Einen Helm brauchen sie sich auch nicht überzustülpen und so können sie sich ganz dem Genusserlebnis des Open Air Feelings hingeben.

Durchforstet man heute einmal die Kleinanzeigen in den einschlägigen Gazetten, dann wird jeder mit Erstaunen feststellen, wie die Gebrauchtwagenpreise von guterhaltenen und gepflegten Exponaten geradezu in die Höhe schnellen. Unter dem Strich betrachtet ist so ein Wagen also auch eine lohnende Wertanlage – quasi ein automobiles Investment.

Das Verdeck kann spielend leicht von einer Person geöffnet oder geschlossen werden

In einer von BMW verbreiteten Schrift konnte man damals lesen:

„Zwischen 1986 und 1993 gehörte das von der 3er Reihe der zweiten Generation abgeleitete Cabriolet ohne Überrollbügel zu den erfolgreichsten Wagen seiner Art weltweit. 1986 stellte BMW in Gestalt des Typs 325i Cabrio das erste Vollcabriolet auf Basis der 3er Reihe vor. Es war das erste werksseitig entwickelte Cabriolet seit dem legendären BMW 503 Cabriolet aus dem Jahr 1956. Seither sind Cabrios wieder fest im Programm von BMW verankert und tragen maßgeblich zum Erfolg der Marke bei.“

Der Wolf`sche Viersitzer spricht eine deutlich Sprache – der E30 befindet sich in einem atemberaubend guten Originalzustand, so dass es fast schon schwerfällt, dies zu glauben.

Das Cabriolet wird von Alexander Wolf nur bei langanhaltender Hochdruckwetterlage aus der heimischen Garage hervorgeholt. Mittlerweile hat es das Alter von 30 Jahren überschritten und ist somit in den erlauchten Kreis der Oldtimer aufgenommen worden. Leute, wie die Zeit vergeht, es ist noch gar nicht so lange her – so kommt es einem zumindest vor – dass diese Ära von Fahrzeugen fabrikneu in den Ausstellungsflächen des örtlichen BMW Händlers zu bestaunen waren… Früher sagte man sprichwörtlich „an den eigenen Kindern kann man sehen, wie alt man geworden ist“. Heute lässt sich dieser Indikator bei Sammlern und Gourmets von Fortbewegungsmitteln mit Verbrennungsmotoren das eigene Alter an den gesammelten automobilen Pretiosen ablesen. Aber: So altes Eisen hält jung und überhaupt ist man immer so alt, wie man sich fühlt!

Alexander Wolf hat mehr als eine große Freude mit seinem BMW. Man kann ihn durchaus als leidenschaftlichen BMW-Liebhaber bezeichnen

Der 3er hat im Laufe seines Lebens bis heute (2019) 212.000 Kilometer abgespult. Das Wolf`sche Cabriolet ist in einem absolut originalen und auch serienmäßigem Zustand. Keine aufwendigen Reparaturen, selbst die Kupplung wurde bis heute noch nicht ausgewechselt. Und der Cartoonist pflegt mitunter einen gediegen sportlichen Fahrstil, lässt es – sofern es die Verkehrslage zulässt – ordentlich krachen. Kein Rost verunziert die Karosserie und die robuste BMW Technik ist dank regelmäßiger Kundendienste beim BMW Händler seines Vertrauens in exzellentem Erhaltungszustand. Im Laufe der Jahre wurde das Verdeck ersetzt und die Lederfauteuils erhielten neue Bezüge. Ebenfalls ausgetauscht werden musste der Uhrenladen, denn die Anzeigeinstrumente waren von einem irreparablen Fehlerteufel heimgesucht worden. Aus diesem Grund entspricht die angezeigte Kilometerlaufleistung nicht der tatsächlichen.

 

Die ehemaligen BMWs des Wolf`schen Fuhrparks

Im Wolf`schen Fuhrpark war der BMW 530i ein weiteres Transportgefährt für die damals junge Familie mit zwei Kindern

Viele BMWs begleiteten Alexander Wolf und seine Familie durchs Leben, die Modelle waren jeweils der familiären Situation angepasst. Als zwei Kinder das Leben des Künstlers und seiner Frau in den 90er Jahren bereicherten, war es opportun, die Größe des fahrbaren Untersatzes  anzupassen. Im Kindesalter reichte noch der 1991 zusätzlich angeschaffte 530i E34 mit 8 Zylindern und 218 PS. Die Kinder wurden größer, die Familie benötigte mehr Raum und so war es naheliegend, dass der größte BMW her musste. 2001 erhöhte dann ein 728i E38 den Fahrkomfort für das traute Familienidyll.

Als die Kinder größer wurden, kam der 728i ins Haus. Er bot doch deutlich mehr Platz als der 530i

Und irgendwann, als die Heranwachsenden flügge geworden waren und Haus und Hof verlassen hatten, da war das Oberklasseautomobil ganz einfach zu groß geworden. Schweren Herzens wurde die gravitätisch dahin schwebende Limousine in andere liebevolle Hände abgegeben.

Der ultimative Sportwagen: 335i Bj. 2007. Das 306 PS Biturbo-Triebwerk, das die Fuhre in etwa fünfeinhalb Sekunden auf 100 km/h presst. Bei 250 ist jedoch Schluss, da wird abgeregelt – und nicht zu verachten, die herrliche Artikulation!

Das nächste Exemplar steht nämlich auch schon in der heimischen Garage, das als sammelwürdiges Sujet in die Fußstapfen des BMW 325i treten wird: 2008 wurde Alexander Wolfs langgehegter und heimlicher Traum – ein BMW 335i E92 – Realität. Nach monatelanger intensiver Suche und Recherche auf diversen einschlägig bekannten automobilen Online-Verkaufsbörsen, ist er fündig geworden. Ein BMW-Händler in Nordhorn – im Südwesten von Niedersachsen an der niederländischen Grenze –  hatte genau „seinen“ im Angebot. Die Ausstattung genau so, wie er sie sich vorgestellt hatte und noch ein paar Gimmicks mehr. Nun liegt dieser Ort ja nicht um die Ecke von Graz, wo man geschwind hinfahren kann, um das Objekt der Begierde in Augenschein zu nehmen und schnell eine mehr oder weniger ausgiebige Probefahrt zu machen – nein, das ist schon eine längere Strecke. Also wurden ein paar Telefonate getätigt, wobei der Verkäufer seriöser Natur zu sein schien. Eine solche Aktion, bei der man fast tausend Kilometer fährt – oder wie in diesem Fall etwa eindreiviertel Stunden im Flugzeug verbringt und dann noch etwa 150 Kilometer zusätzlich – da kann das G´schmäckle aufkommen, man könnte die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen. Aber: Unterschrieben war ja noch nichts und ein vertrauenswürdiger Händler schien es auch zu sein.

Man sitzt doch ziemlich tief in dem Geschoss, das ist Sportwagenfeeling pur

Der 335i lief 2007 vom Fertigungsband und hatte bei dem Kauf 18.000 Kilometer auf dem Zähler. Also gerade einmal gepflegt eingefahren. Der 306 PS-6 Zylinder-Motor geht ab wie die sprichwörtliche „Schmidts Katze“. In etwas über 5,5 Sekunden ist die 100 Kilometer-Marke erreicht und bei 250 km/h ist Schluss mit lustig. Da ist dem vehementen Vortriebsdrang rigoros ein Ende gesetzt. Bei dem 335i braucht´s schon einen disziplinierten Gasfuß, denn das Geschoss ist brachial – und es liefert beeindruckende Geräuscherlebnisse vom feinsten – aber das ist wieder eine ganz eigen Geschichte, bis es eine mobile Antiquität wird. Er ist ein äußerst charismatisches und kompromissloses Sportgerät, genau das Richtige für automobile Gourmets, da brodelt einiges in den Töpfen mit gigantischem Sound. Und so, wie sich die Sachlage darstellt, wird dieser 335er in einigen Jahren ebenfalls unter Wolf`scher Obhut in den erlauchten Kreis der Oldtimer geführt werden.

Und so, wie man Alexander Wolf kennt, dürfte es bei den bisher gesammelten BMWs mit Sicherheit nicht bleiben. Fabulierte er doch träumerisch in einem unbedachten Moment: „So ein BMW mit Allradantrieb, der wäre gerade in Schladming im Winter doch sehr nützlich…“. Ein kleiner Tipp am Rande: BMW X2 oder X3 sind wunderbare und traumhaft schöne Fahrzeuge mit den besten genetischen Anlagen zu einem Klassiker von morgen.

Die Konstrukteure beherrschten ihr Handwerk: Selbst die A-Säule ist nicht – wie bei anderen Cabrio-Herstellern – als sichteinschränkendes Monstrum ausgebildet.

Ein paar Worte zum Künstler: Im Vorwort zu Alexander Wolfs Buch „CARTOONS“ formulierte der überragende Journalist, Autor, Künstler und Komponist Prof. Bernd Schmidt so trefflich:

„Geht es um die Zeichnungen von guten Cartoonisten oder Karikaturisten, so spricht man gern von der „spitzen Feder“ des betreffenden Künstlers. Im Fall des Alexander Wolf liegt die Spitze indes – paradoxerweise – im Runden. Denn just dort, wo sich das – vermeintlich – Liebliche, Kantenlose, das Runde also zeigt, zuckt plötzlich das Böse auf. Das Hinterhältige. Das jegliche Sicherheit im Nachhinein ad absurdum Führende.

Ausschnitte einer „heilen Welt“ zeigt uns Alexander Wolf, indem er spitzfedrig und meist lieblich bunt so manch kleines Inferno des Alltags offeriert. Und wir merken: Der Schein trügt. Diese Erkenntnis macht uns süchtig auf Wolfs delikate Bestiarien…“

Da kamen noch richtig verchromte Bauteile zum Einsatz. Heute ist Chrom ein Fremdwort im Automobilbau – könnte man meinen. Dabei ist der Chrom für ein Automobil wie Brillanten an einer schönen Frau

 

Technische Daten BMW 325i E30/2C

215 km/h (ab 1987 mit Kat 216 km/h, mit Automatik 210 km/h)

Hubraum   2494 ccm
Leistung 171 PS bei 5800 U/min, ab 1987 (mit Kat) 125 kW/170 PS bei 5800
Motorart 6-Zylinder-Reihenmotor
Bohrung 84 mm
Hub 75 mm
Verdichtung 9,7:1, 8,8:1 mit KAT
Gemischaufbereitung Bosch ME-Motronic
Kupplung Hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung mit Tellerfeder und Drehschwingungsdämpfer
Ventile 2, V-förmig hängend
Schaltung 5-Gang-Schaltgetriebe, auf Wunsch 5-Gang-Sport-Getriebe oder 4-Gang-Automatik ZF 4 HP-22
Getriebeübersetzungen 3,83 / 2,20 / 1,40 / 1,00 / 0,81:1; 5-Gang-Sport: 3,35 / 2,03 / 1,36 / 1,00 / 0,81 :1; Automatik: 2,48/ 1,48/ 1,00/ 0,73:1
Rückwärtsgang 3,46:1; 5-Gang-Sport: 3,18:1; Automatik: 2,09:1
Antriebsübersetzung 3,64:1
Lichtmaschine 1120 W
Batterie 12 V 66 Ah
Zündkerzen Bosch W 7 DCR; ab 12/86: Bosch W 8 LPR
Karosserie Selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Vorderradaufhängung Eingelenk-Federbeinachse mit Bremsnickausgleich. Einzelradaufhängung mit Querlenkern, Federbeine mit Nachlaufversatz, Schraubenfedern, Drehstab-Stabilisator
Hinterradaufhängung Einzelradaufhängung mit Schräglenkern, Anfahrnickreduzierung, Feder/Dämpfer getrennt angeordnet, Drehstab-Stabilisator
Bremsen vorn 1-Kolben-Faustsattel-Scheibenbremsen, innenbelüftet
Bremsendurchmesser vorn 260 mm
Bremsen hinten 1-Kolben-Faustsattel-Scheibenbremsen
Bremsendurchmesser hinten 258 mm
Felgen 5 1/2 J x 14
Bereifung 195/65 VR 14
Radstand 2570 mm
Spur vorn 1407 mm
Spur hinten 1415 mm
Länge 4325 mm
Breite 1645 mm
Höhe 1370 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 1655 kg
Leergewicht 1255 kg
Kraftstoffverbrauch 8,3 l (8,8 mit KAT) bei konstant 120 km/h

 

www.wolfcartoons.at

Der Cartoonist betrachtet voller Wohlwollen das Automobil, das ihm sehr viel Freude schenkt und seit über 30 jahren ein treuer Wegbegleiter ist

 

 

Text: Ulrich Bänsch

Fotos:  Ulrich Bänsch, BMW AG, Ursa Wolf, www.wolfcartoons.at, Privat

Cartoon: Alexander Wolf

 

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