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Black Body Beauties

Schwarz sind sie heute alle. Aber aus Kunststoff. Der ist rational funktionstüchtig wie sein elektronisch hochgerüsteter Inhalt. Patina kennt er nicht, nur Abnutzung und Defekt. In der guten analogen Zeit war das noch anders. Das SCHWARZE KAMERAGEHÄUSE zeichnete den Profi aus – oder den anspruchsvollen Amateur.

Als ich den großartigen japanischen Fotografen Takao Isobe das letzte Mal traf, da war er noch mit einer Nikon F3 unterwegs. Den Apparat hielt er beständig in Händen, immer für den nächsten Schuss bereit. Entsprechend sah das Kameragehäuse aus. Die schwarze Farbe war rundherum wie mit feiner Stahlwolle bis auf das blanke Messing wegpoliert. Keine Frage, so sieht das Arbeitsgerät eines besessenen Fotografen aus.

Schwarz lackierte Kamerakisten gab es in den Anfangstagen der modernen Fotografie und in Notzeiten, als Rohstoffe knapp waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte der wachsende Wohlstand gezeigt werden. Ein Fotoapparat mit seidig matt verchromtem Gehäuse war zugleich auffälliges Statussymbol. Darüber hinaus bot die Chromschicht ein hohes Maß an Widerstandsfähigkeit und Abriebfestigkeit. Bei so viel ebenmäßiger Makellosigkeit stechen allerdings bereits kleinere Macken umso deutlicher ins Auge. Merke: Bei einem Chromgehäuse gibt es keine schöne Gebrauchspatina, sondern nur die Zustandsbeschreibungen „makellos“ und „beschädigt“.

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Asahi Pentax Spotmatic. Seinerzeit ein echtes Arbeitstier. Beliebt bei Profis und Amateuren. Sehr gute Objektive, und alleine deshalb darf man das gute Stück auch heute noch gerne zum „Knipsen“ in die Hand nehmen

Schwarz ist aber nicht gleich schwarz. Neben Lack kamen auch galvanische Oberflächenverfahren zum Einsatz. Etwa bei den Leica oder Zenza Bronica das so genannte Schwarz-Verchromen. Die Beschichtung ist sehr fein und dünn, wirkt aber durch dem metallenen Charakter deutlich edler als Lack. Durch intensiven Gebrauch werden die Gehäusekanten minimal heller, das typische Abblättern der Farbe, wie beim Lack, gibt es nicht.

Geschwärzte Kameras verlangten Bildreporter, vor allem Kriegsberichterstatter. Die wollten möglichst diskret und unauffällig arbeiten. Dazu wurden häufig auch die mit weißer Farbe ausgelegten Firmenschriftzüge mit schwarzem Tape abgedeckt. Solche alt gedienten Reportage-Apparate könnten unendliche und sicher höchst spannende Geschichten erzählen, vorausgesetzt, sie wären in der Lage zu sprechen. Das kann im besten Fall nur noch der Vorbesitzer, und deshalb sollten Sie bei der Suche nach einem abgerockten Profigerät auch ein offenes Ohr für die Geschichte des Apparats haben.

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Abgenudelt. Wenn das blanke Messing unter der Lackierung vorblitzt, dann macht das die Kamera als Gebrauchsgegenstand nur noch schöner

Der gemeine Kamerasammler tendiert beim Trüffeln dagegen stets in Richtung möglichst makellosem Originalzustand. Wie aus der Schachtel, mit allen Papieren und Etiketten soll das gute Stück tief gefrorenem Gemüse gleich über die Zeit gebracht worden sein. Solche Schmuckstücke sind immer auch ein wenig öde, weil sie dazu verdammt sind in der Vitrine für den erhofften Wertzuwachs weiter zu dämmern.

Doch so lange es noch Filme gibt, sind die Apparate auch zum Fotografieren da. Eine Kamera mit Gebrauchsspuren aber einwandfreier Funktionstüchtigkeit ist dann stets die angenehmere Begleiterin als ein makelloses Sammlerstück, bei dem jeder Kratzer doppelt schmerzt.

Selbstverständlich bewahrt abgewetzter Gebrauchszustand nicht vor höchsten Liebhaberpreisen. Man denke an die Leica MP des Life-Fotografen David Douglas Duncan, die 2012 für sage und schreibe 1,68 Millionen Euro versteigert wurde. Sie wird sicher fortan ihr Dasein in einem Bankschließfach zubringen müssen. Denn bei einem Gewicht von rund einem Kilogramm ist sie um ein zigfaches wertvoller als pures Gold.

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Immer noch ein heißer – und günstiger – Tipp für den qualitätsbewussten Vintage-Fotografen: Canon FTb. Dank Einfädelautomatik äußerst verbraucherfreundlich. 1,35 Volt-Belichtungsmesser-Batterie kann durch 1,4 Volt-Gehörgerätebatterie plus Adapter ersetzt werden. Besser aber, man greift zum Handbelichtungsmesser, ganz klassisch

Zum Glück gibt es für alle Analog-Anwender mit Lust auf ein schwarzes Profi-Teil jede Menge preisgünstige Fotoapparate aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren. Und wer Spiegelreflexen den Vorzug gibt, der findet sogar Gerätschaften mit Leica-Schriftzug für vertretbares Geld.

Doch der große Vorteil von schwarz lackierten Kameras ist der Umstand, dass sie mit jeder ehrlich erworbenen Gebrauchsspur immer schöner werden. Unsportlich ist es deshalb, die Kanten des Gehäuses etwa mit feinem Schmirgelpapier absichtlich blank zu wienern. Bester Tipp: Machen Sie es wie Isobe-san. Einfach viel fotografieren. Dann kommt die Patina wie von selbst.

 

10 Black Beauties für den Analog-Fotografen

Canon F-1. Viele Experten meinen: Die beste analoge Kleinbildkamera aller Zeiten. Da widerspreche ich nicht. Aber bitte nur die rein mechanische Erstserie mit dem Leopard Panzer-Design.

Nikon F 2. Sie löst zwar mit dem typischen Nikon-Pling aus, aber wer sich einmal an das 100 Prozent-Sucherbild in Verbindung mit der superhellen H-Einstellscheibe gewöhnt hat, der will nichts anderes mehr.

Yashica Electro 35. War in den Siebzigern die M-Leica des armen Mannes. In schwarz sieht das Ding noch immer so edel und elegant aus, dass man sich vor Langfingern hüten muss. Denn die Japanerin wird gerne für eine schwarze M gehalten, und die sind bekanntlich rar und damit super teuer. Dank Belichtungsautomatik ideal für point and shoot. Und das fest eingebaute 40er Objektiv muss sich vor Leica und Co überhaupt nicht verstecken.

Olympus OM-1. Immer noch die schnuckeligste Spiegelreflex aller Zeiten, und in schwarz eine echte Schönheit. Dazu fragt man sich, wie sie dieses gigantische Sucherbild in das kleine Gehäuse packen konnten. Achtung: 1,35 Volt Knopfzelle erforderlich, und die Belichtungsmesser sind oft wegen Oxidation tot.

Minolta XM. Konkurrenzmodell zur Nikon F2 und Canon F-1. Mit Zeitautomatik verbraucherfreundlich, wenn’s mal nur ums Draufhalten geht. Erstklassige Rokkor-Objektive.

Nikon FM2. Schöne, rein mechanische Basiskamera mit toller Anfassqualität und den üblichen Segnungen des umfangreichen Nikon-Programms inklusive unendlicher Objektiv-Möglichkeiten.

Pentax Sportmatic. Gerade in der schwarzen Ausführung kommt die Eleganz dieses Klassikers voll zur Geltung. Dank M42-Anschluss riesige Möglichkeiten in der Objektivwahl. Ideal für Leute, die noch mit dem Handbelichtungsmesser los ziehen möchten. Schönes Mechanik-Feeling.

Canon FTb. High Mechanics. So sieht ein echtes Qualitätsprodukt aus. Zugehörige FD-Optiken sind ein weiterer Pluspunkt. Braucht eine 1,35 Volt-Batterie, aber auch hier gilt: Nimm den guten alten Handbelichtungsmesser und mach’s wie früher. Vor allem mit Gefühl.

Rollei SL 35. Wer auf das reduziert-funktionale Design der 70er Jahre Braun-Geräte steht, dem dürfte auch die Rollei gut gefallen. Zumal es erstklassige Zeiss-Gläser dafür gibt und alles noch ohne Automatikfunktionen über die Bühne geht. Richtig fotografieren eben.

Contarex S. Nicht billig, der Spaß, aber dafür hat man auch richtig‚ was in der Hand. Paradestück deutscher Kamerabaukunst, aber zu Lebzeiten bereits viel zu teuer, um gegen die übermächtige Japan-Konkurrenz noch einen Fuß auf den Boden zu bekommen. So etwas wie der Mercedes 600 unter den Fotogeräten. Gediegen, aber auch ziemlich kompliziert in der Wartung.

 

Text und Fotos: Jo Soppa

1 Kommentar

  • Anonymous sagt:

    Sehr geehrter Herr Soppa,
    da sieht der Leser einmal, dass Sie nicht nur als der Motorrad-Papst tituliert werden, sondern auch noch andere Passionen neben den Zweirädern haben. Na, wer hätte das denn einmal vermutet!! Es liegt ja natürlich auf der Hand, wenn neben der spitzen Feder auch die Welt der Fotoapparate mit all ihren Schätzen und Besonderheiten als Lichtbildner vorgestellt werden.
    Hut ab!!!!!
    Viele Grüße – und weiter so!!!!!
    Mike L.
    Weilheim/Oberbayern

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