Alexander Wolf Cartoonist

oder

Das Phänomen des Rund-Spitzen

Geht es um die Zeichnungen von guten Cartoonisten oder Karikaturisten, so spricht man gern von der „spitzen Feder“ des betreffenden Künstlers. Im Fall des Alexander Wolf liegt die Spitze indes – paradoxerweise – im Runden. Denn just dort, wo sich das – vermeintlich – Liebliche, Kantenlose, das Runde also zeigt, zuckt plötzlich das Böse auf. Das Hinterhältige. Das jegliche Sicherheit im Nachhinein ad absurdum Führende.

Das Erbe

Zunächst darf sich das potentielle Opfer also in Sicherheit wiegen; ja – das soll es sogar. Doch aus scheinbar heiterem Himmel fährt er dann herab, der Blitz. Und trifft. Unentrinnbar. Ins Zentrum der weichen Rundungen, die doch vormals wie Garanten des immer währenden Idylls gewirkt hatten.

Von wegen runder Sicherheit: Alles Trug. Alles Schein. Alles Täuschung.

Der Möhrendieb

Alexander Wolf, am 25. April 1952 in Graz geboren, weiß, wie er uns, die Betrachter, hinters Licht führt. Das Spitz-Runde und Rund-Spitze, die hinweggefegte Schein-Idylle also, macht uns zu Zeugen schieren Boswillens. Auch in den Blättern, in denen vordergründig gar nichts so schlimmes passiert, wo keine Geißlein vom bösen Wolf-Wolf gefressen oder Martinigänse geschlachtet werden, tut sich – Beunruhigendes. Oder: Es bahnt sich zumindest an. Mit handwerklicher Akribie, die dem vormaligen Technik-Studenten eigen ist, und in meisterlich pastoser Farbgebung geschehen letztlich größere oder kleinere Unglücke. Da tritt das Unerwartete ein, und da entpuppt sich das Gemütliche als gut getarnte Falle. Mensch, Tier und die ganze Schöpfung kommen ins Schlingern. Die Vorwärtsbewegung des vermeintlichen Fortschritts enttarnt sich – und das ist dann die Pointe – als Spirale der Angst. Der lustige Kreisel rotiert in den Abgrund.

Der Veganer

Alexander Wolf illustriert Bücher, wobei er sich mit den vorgegebenen Themen auseinander setzt. Die meisten seiner raren Arbeiten freilich entstehen in der eigen-geistigen Konfrontation mit dem Jetzt und Hier, sind politisch – ohne freilich tagespolitisch zu sein. Die Phänomene der Zeit reizen den Grafiker mit dem feinen Farbgespür, der für die Grazer „Süd-Ost-Tagespost“ ebenso gezeichnet hat, wie er es für das „Wiener Journal“, die „Neue Kronen-Zeitung“, den „Nebelspalter“ und medizinische Fachzeitschriften tut. Seit vielen Jahren dem Heye Verlag verbunden, ist er natürlich gern gesehener Gast internationaler Cartoon-Festivals.

Der Gourmet, begnadete Hobby-Koch und raffinierte Cocktail-Kreator verzichtet übrigens im Umgang mit Freunden auf all die Hinterhältigkeit seiner gezeichneten „Helden“. Auch im Familienleben mit Frau Andrea, die als ausgebildete Apothekerin wirkt, und den Kindern Stefan und Julia,  tun sich die Abgründe keineswegs auf, die Wolfs Revier im Geviert seiner Bilder kennzeichnen.

Fußabdruck

Ausschnitte einer „heilen Welt“ zeigt uns Alexander Wolf, indem er spitzfedrig und meist lieblich bunt so manch kleines Inferno des Alltags offeriert. Und wir merken: Der Schein trügt. Diese Erkenntnis macht uns süchtig auf Wolfs delikate Bestiarien…

Baumfäller

Man sollte seinen Arbeiten also besser nicht über den Weg trauen – es sei denn, man liebt Katastrophen. Oder zumindest solche, die andere betreffen.

Neid

 

Text: Bernd Schmidt

Cartoons: ©Alexander Wolf

 

Der Cartoon -Kalender 2019 im Format 54,5 x 45 cm ist ab sofort erhältlich

www.wolfcartoons.at

 

Plastikinsel

Wunschgewicht

Autonomie

Der bekannte Cartoonist Alexander Wolf – ein Meister des satirisch humorvollen Zeichenstiftes, der gekonnt auch tagesaktuelle Ereignisse aufnimmt, die er in seinen kolorierten Sujets zu Papier bringt, hat künstlerisch geprägte Vorfahren. Er entstammt – ebenso wie seine jüngere Schwester Ursa Wolf, die sich auch der Malerei verschrieben hat – der Grazer Künstlerdynastie Wolf. Deren Urvorfahr war der Barockbildhauer Thaddäus Stammel (1695-1765), dessen grandiose Werke unter anderem in der Stiftsbibliothek Admont zu bestaunen sind.

www.wolf4art.at

Redaktion Klassik Lust

 

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